Puigdemont kritisiert Haft für abgesetzte katalanische Regierungsmitglieder

Der von Spanien abgesetzte katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont hat die Inhaftierung von Mitgliedern seiner ehemaligen Regierung durch Madrid scharf kritisiert. Seine Gedanken seien bei den Kollegen, die "ungerechterweise von einem Staat inhaftiert wurden, der weit entfernt von der demokratischen Praxis ist", schrieb Puigdemont am Montag im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Ein Gericht in Madrid hatte vergangene Woche acht Mitglieder von Puigdemonts abgesetzter Regierung in Untersuchungshaft genommen, darunter seinen Stellvertreter Oriol Junqueras. Puigdemont selbst und vier seiner Ex-Minister, die sich nach Belgien abgesetzt hatten, wurden in der Nacht zum Montag von einem belgischen Untersuchungsrichter unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt. "Frei und ohne Kaution", kommentierte Puigdemont die Entscheidung auf Twitter.

Puigdemont und seine Ex-Minister hatten sich am Sonntagmorgen der belgischen Polizei gestellt und waren vorläufig festgenommen worden. Nach einer Vernehmung entschied der Ermittlungsrichter auf Antrag der Staatsanwaltschaft, die fünf Katalanen unter Auflagen aus der Haft zu entlassen.

Sie sind nun für den 17. November zu einer ersten Anhörung vor einem Brüsseler Gericht vorgeladen, wie am Montag aus einer Justizquelle verlautete. Das Gericht muss entscheiden, ob es die von Spanien ausgestellten europäischen Haftbefehle vollstreckt.

Die spanischen Justizbehörden werfen Puigdemont und seinen ebenfalls abgesetzten Kabinettsmitgliedern wegen der Ereignisse rund um das Unabhängigkeitsreferendum vom 1. Oktober Rebellion, Aufruhr und die Veruntreuung öffentlicher Gelder vor. Rebellion kann in Spanien mit bis zu 30 Jahren Gefängnis bestraft werden, Aufruhr mit bis zu 15 Jahren.