Psychologin im Interview - Mobbing in der Schule: "Eltern sind relativ machtlos"

Annika Schall

"Motiv: Mobbing" steht im Abschlussbericht über den Amoklauf. Eine Expertin erklärt, wie Opfer zu Tätern werden – und wie man gegensteuern kann.

Dr. Mechthild Schäfer. Die Psychologin lehrt an der der Ludwig-Maximilians-Universität und forscht zum Thema Mobbing in Schulen.

AZ: Frau Schäfer, wie viele Schüler werden gemobbt? MECHTHILD SCHÄFER: Auf jeden Fall zu viele. Eine Pisa-Studie sprach kürzlich von jedem sechsten 15-Jährigen in Deutschland. Auch wenn es immer darauf ankommt, wie die Zahlen erhoben werden, kommen andere Studien zu ähnlichen Ergebnissen. Das Schlimme: Die Zahlen bleiben seit Jahren gleich.

Wie gehen Opfer mit dem Erlebten um? Mobbing macht, dass sich Opfer extrem hilflos fühlen. Wir alle kennen das in einer harmlosen Variante, bei der man in einem Streit immer weiter an die Wand gedrängt wird. Man verliert die Kontrolle über die Situation. Mobbingopfer fühlen diesen Kontrollverlust ständig. Viele Opfer suchen die Schuld bei sich. Sie versuchen gar nicht mehr, Kontrolle zu erlangen, und geben sich auf.

David S. stattdessen erging sich in Rache-Fantasien. Wie oft kommt es vor, dass Opfer gewalttätig werden? Das passiert natürlich nicht immer, aber es passiert. Zur Häufigkeit gibt es keine validen Daten. Dass allerdings bei einem ständig erlebten Machtverlust, einige Opfer Strategien suchen, um wieder Macht zurückzugewinnen, erscheint plausibel.

Gibt es Risikofaktoren, die Opfer zu Tätern machen? Dazu gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Selbst im Fall des Amoklaufes haben die Eltern ja scheinbar alles getan, um ihr Kind zu schützen, und sich vorbildlich bemüht.
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