PSG-Traumsturm rockt! Bayern-Debakel in Paris

Der FC Bayern München ist am zweiten Spieltag der Champions-League-Gruppenphase Paris Saint-Germain empfindlich unter die Räder gekommen. Die Münchner unterlagen der Startruppe um Neymar mit 0:3 (0:2). Das Bayern-Debakel in der Yahoo Sport-Analyse.

Edinson Cavani erzielte das 2:0 für Paris

Die Aufstellungen

Die Bombe platzte um 19.48 Uhr, als die Startelf der Bayern bekannt gegeben wurde. Hummels, Ribery und Robben auf der Bank, Boateng erst gar nicht im Kader! Süle verteidigt innen neben Martinez, Alaba gibt nach langer Verletzungspause sein Comeback. Ancelotti verzichtet ohne Ribery und Robben auf klassisches Flügelspiel, mit Müller und James soll die Mitte gestärkt werden.

Keine Überraschungen dagegen bei PSG, Coach Emery bringt seinen Traumsturm Neymar/Mbappe/Cavani.

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Der zweite Spieltag der Champions League im Überblick

Der Katastrophenstart

Kimmich verliert auf der linken Seite den Ball. PSG spielt sich im Mittelkreis die Bälle zu, die Bayern laufen hinterher, anstatt Druck auf den Ball zu machen. Der Ball kommt zu Neymar, der auf links plötzlich das Tempo erhöht, easy an Thiago vorbeigeht, in die Mitte zieht und rechts heranstürmenden Dani Alves anspielt. Der hat viel Platz und nur noch Ulreich vor sich. Alves lädt aus 12 Metern mit Schmackes ab, Ulreich fliegt die Kugel durch die Hosenträger – drin! Nach gerade mal 85 Sekunden war Ancelottis Plan, die Räume eng zu machen und die Hoheit im Mittelfeld zu gewinnen, dahin.

Das war gut

Die Bayern erholten sich relativ schnell vom Gegentor-Schock und legten sich PSG allmählich zurecht. Hohe Ballbesitzzeiten, frühes Pressing tief in der PSG-Hälfte und draus resultierende schnelle Ballgewinne. In der Drangphase nach dem 0:1 erarbeiteten sich die Münchner zahlreiche Eckbälle und zwei gute Chancen. Bei der besten scheiterte Martinez mit einem Schuss aus 17 Metern an PSG-Keeper Areola. Das war’s dann aber auch schon mit den positiven Erkenntnissen an einem üblen Abend für den FC Bayern.

Das war schlecht 

  • Das druck- und strukturlose Spiel gegen den Ball, schon die gesamte Saison ein Schwachpunkt im Bayern-Spiel
  • Das einfallslose Spiel im letzten Drittel. Kein Tempo, kein Überraschungsmoment, sondern Alibi-Flanken aus dem Halbfeld. Alles zu eindimensional ohne Ideen
  • Die schwachen Standards. Ob Ecken oder Freistöße – das war Schema F, null Variation. Die Bayern bekamen 13 Eckbälle, kein einziger erzeugte Torgefeahr.
  • Das Umschalten von Offensive auf Defensive. Abenteuerlich, wie die Bayern ohne Absicherung schon in der ersten Halbzeit anrannten und sich mehrere gefährliche Konter einfingen.
  • Die fehleranfällige Abwehr. Ein einfacher Move von Neymar vor dem 1:0 hebelte die gesamte Viererkette aus. Vor dem 2:0 wurden Süle und Martinez mit einem Steilpass ausgespielt und konnten im Anschluss auch zu zweit Mbappe nicht am Pass auf Cavani hindern. Und vor dem 3:0 ließ sich Alaba von Mbappe auf einem Bierdeckel in der Telefonzelle herspielen.
  • Torhüter Sven Ulreich. Alves nahm den Ball eigentlich schwach an vor seinem Führungstor. Ulreich kam dennoch zu zögerlich raus und ließ sich dann tunneln. Und Cavanis Schuss zum 2:0 muss ein Keeper auf diesem Niveau einfach halten. “Der Schuss geht fast auf den Mann. Vielleicht springt er zu spät oder geht er zu tief in die Knie. Bei hohen Bällen hat Ulreich immer Probleme gehabt”, sagte Sky-Experte Lothar Matthäus.

Der Star des Spiels

Was das Pariser Traumtrio wirklich drauf hat, weiß jetzt auch jeder, der dieses Spiel gesehen hat. Neymar, Mbappe und Cavani waren von den Bayern nicht ansatzweise aufzuhalten. Mbappe ragte dennoch etwas heraus. Zwei geniale Torvorlagen, pfeilschnelle Sprints und eine perfekte Ballbehandlung. Die Standing Ovations nach seiner Auswechslung zehn Minuten vor Schluss waren in jedem Fall gerechtfertigt.

Fazit

Bis auf die halbe Stunde nach dem frühen Gegentor eine schlimme Vorstellung des FC Bayern, der bisweilen von Paris am Nasenring durch die Arena geschleift wurde. Schwache Defensive, harmlose Offensive, kein Biss in den Zweikämpfen – in München müssen spätestens jetzt die Alarmglocken schrillen. Die Bayern sind in dieser For weit von der europäischen Spitze entfernt. Zudem muss sich Ancelotti für seine Aufstellung hinterfragen. Gegen diesen starken Gegner auf Leader wie Hummels oder Robben zu verzichten, wenn mit Neuer ohnehin der Kapitän nicht dabei ist, ist ein unverständliches Risiko.