PSG als neue Macht - aber was passiert mit Draxler?

Stephan Weber
Julian Draxler hat in den ersten 25 Pflichtspielen für PSG neun Mal getroffen

Gut fünf Minuten gegen Toulouse, nur wenig mehr gegen Saint-Etienne, beide Male als Einwechselspieler in der Garbage Time, als das Spiel längst entschieden war:

Die Einsatzminuten von Julian Draxler bei Paris Saint-Germain fielen in der aktuellen Saison bisher äußerst spärlich aus.

Trotz einer starken ersten Halbserie bei den Franzosen (9 Tore in 25 Pflichtspielen) spielt der Weltmeister bei PSG im Spätsommer 2017 praktisch keine Rolle.


Als Weltrekord-Transfer Neymar, wie Draxler bevorzugt auf dem linken Flügel zuhause, mit viel Tara in den Prinzenpark wechselte, konnte man noch vermuten, dass Trainer Unai Emery irgendwo noch einen Platz für den ehemaligen Schalker finden würde.

Schließlich sieht sich dieser auch gerne im offensiven zentralen Mittelfeld, wo er mit seinen spielerischen Fähigkeiten als wertvoller Zuarbeiter für den Künstler Neymar und den eiskalten Vollstrecker Edinson Cavani wirken könnte.

Mbappe verringert Draxlers Einsatzchancen

Sollte Draxler darauf gesetzt haben, ist aber wohl spätestens seit dem letzten Tag der Sommer-Transferperiode auch diese taktische Idee kaum mehr vorstellbar.

Mit der Ankunft von Wunderkind Kylian Mbappe, der zunächst ausgeliehen und im kommenden Sommer fest für 180 Millionen Euro verpflichtet wird, haben sich die zuvor schon geringen Aussichten auf regelmäßige Spielzeit endgültig auf ein Minimum reduziert.


Mehr als sporadische Einsätze werden für den Ur-Schalker kaum herausspringen, schließlich stehen mit Angel Di Maria, Javier Pastore oder Lucas Moura weitere hochwertige und seiner Zeit äußerst kostspielige Konkurrenten mit Draxler im Wettbewerb.

Beim Argentinier Di Maria stand bis zuletzt ein Abgang in Richtung Barcelona im Raum. Den Katalanen war die Ablöse-Forderung von PSG (80 Millionen Euro) jedoch angeblich zu hoch.

Nachdem selbst "König" Zlatan Ibrahimovic in Paris zwar voll einschlug, letztlich aber ohne großen internationalen Titel wieder von dannen zog, ist den schwerreichen katarischen Eigentümern im Kampf um den Triumph in der Champions League keine Summe zu hoch, um den Erfolg mit einem neuen Super-Team um die Speerspitzen Neymar und Mbappe regelrecht zu erzwingen.


Trapp ebenfalls außen vor

Dass dabei auf Einzelschicksale keine Rücksicht genommen wird, davon kann auch der zweite Deutsche im Kader von PSG ein Lied singen: Noch nicht eine einzige Minute durfte sich Kevin Trapp in Pflichtspielen zwischen den Pfosten des französischen Vizemeisters beweisen.

Anders als bei Draxler ist bei Trapp die Konkurrenz allerdings alles andere als riesig.

Im Vergleich zum extremen Konkurrenzkampf auf den anderen Positionen misst sich der Ex-Frankfurter einzig mit Alphonse Areola, einem PSG-Eigengewächs, das mit inzwischen 24 Jahren dem Talent-Status entwachsen, aber längst nicht fehlerfrei ist.

Dass PSG-Coach Emery dennoch aktuell auf ihn setzt, und darüber hinaus zuletzt auch vermehrt Gerüchte aufkamen, die Franzosen wollen sich perspektivisch auch auf der Torhüter-Position qualitativ zum Beispiel mit Jan Oblak (Atletico Madrid) verbessern, lässt wenig Raum für Interpretationen über die Perspektiven für Trapp.