Prügelstrafe in DITIB-Moschee? Koranschüler berichten von Misshandlungen

Tobias Huch
Journalist und Englandkorrespondent

Einst stand der türkische Islamverband DITIB bei deutschen Politikern im guten Ruf, erster Ansprechpartner für Muslime in Deutschland zu sein. Niemand hinterfragte die Aktivitäten des Verbands, keiner überprüfte seine Haltung zum deutschen Grundgesetz oder nahm genauer unter die Lupe, welchen Einfluss DITIB auf Muslime in Deutschland tatsächlich ausübte.

Doch im Zuge der Spannungen mit der Erdogan-Türkei und einer Sensibilisierung für die Gefahren des politischen Islam kamen immer mehr Skandale rund um DITIB ans Licht. DITIB-Imame sollen in Deutschland türkische Regimegegner ausgehorcht haben. Vor Parlamentswahlen in der Türkei wurde gepredigt, dass man als echter Muslim und Türke Erdogans AKP zu wählen habe. Einzelne Moscheegemeinden fielen durch judenfeindliche Verlautbarungen auf. Seit dem Überfall der Türkei auf die syrisch-kurdische Enklave Afrin lässt DITIB Kriegsrhetorik verbreiten, in deutschen Moscheen preisen Imame den Märtyrertod.

In den meisten Bundesländern wird DITIB wegen solcher Vorfälle nicht mehr als Integrationspartner gesehen. Insbesondere die ursprünglich vorgesehene Partnerschaft für den Islamunterricht an staatlichen Schulen ist inzwischen weitgehend vom Tisch. Als Ersatz organisiert DITIB nun in vielen Gemeinden an den Wochenenden einen eigenen Koran- und Islamunterricht – einen Unterricht, der kaum bis überhaupt nicht unter staatlicher Aufsicht steht. Dort scheinen teilweise untragbare Zustände zu herrschen.

“Ich wurde in der Moschee vom Lehrer geschlagen”

Yahoo Nachrichten liegen Schüler-Aussagen vor, die belegen, dass im DITIB-Koranunterricht der Gemeinde Köln-Porz systematische Kindesmisshandlungen durch Koranlehrer an der Tagesordnung sind. Die Kinder sollten im Rahmen eines Projekts über eigene Erfahrungen mit Gewalt berichten, woraufhin mehrere entsprechende Erlebnisse in der Moschee schilderten.

So schreibt etwa ein Junge, der im Alter von 9 Jahren den Koranunterricht besucht hatte: “Ich habe in der Moschee in Porz Gewalt erfahren. Ich wurde dort, wie viele andere auch, geschlagen und getreten.”

Ein Junge berichtet von der Gewalt, die er als 9-Jähriger in der Moschee Köln-Porz erlebt hat

Ein anderer berichtet, dass sein Cousin in der Moschee verprügelt worden sei und deswegen nicht länger den Koranunterricht besuche.

Der Cousin dieses Schülers brach seinen Koranunterricht wegen der Gewalt ab

Wieder ein anderer Schüler derselben Moschee in Köln-Porz schildert, wie Schüler an den Ohren gezogen wurden, wenn sie redeten.

Diesem Aufsatz zufolge gehört das Ziehen an den Ohren zu den Strafen im Koranunterricht in Köln-Porz

Besonders schockierend ist der Text eines weiteren kleinen Jungen, der von systematischer Gewalt berichtet: “Ich war früher in der Moschee in Porz. Ich wurde in der Moschee vom Lehrer geschlagen (…). Wir wurden getreten (…). Viele Kinder haben auch geweint, weil es wehgetan hat oder weil die Angst hatten. (…) Heutzutage gehen sehr wenige Kinder in die Moschee in Porz, weil man mehr geschlagen wird, als zu lernen. Die Lehrer haben keine Rücksicht auf uns genommen. Und fast gar kein Kind hat das seinen Eltern gesagt, weil man Angst hatte.”

Dieser Schüler schildert ein beständiges Klima der Angst im Koranunterricht

DITIB reagiert unkonkret

Yahoo Nachrichten hat die Moscheegemeinde Porz vor Veröffentlichung dieses Beitrags befragt, welche Haltung man in Bezug auf Gewalt in der Koranerziehung vertrete; leider zog es die Gemeinde vor, unsere Anfrage nicht zu beantworten.

Der DITIB Bundesverband reagierte mit einer allgemeinen Erklärung ohne auf die konkreten Vorwürfe einzugehen: “Alle Kinder, die unsere Kurse für die religiöse Erziehung besuchen, haben einen Anspruch auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig und werden diesseits mit aller Härte verfolgt und sofort zur Strafanzeige gebracht.”

Kritik: DITIB errichtet Gegengesellschaft

Der Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände (BAGIV e.V.), Ali Ertan Toprak, zeigte sich über die Vorwürfe schockiert und äußerte scharfe Kritik an DITIB: “Das Propagieren einer türkisch-nationalislamistischen Ideologie, Anbindung an das Unrechtsregime Erdogans, Spionage, Denunziation von Gemeindemitgliedern, Kriegsverherrlichung und jetzt Misshandlung von Kindern. Alles andere, aber keine Religionsgemeinschaft im Sinne unseres Grundgesetzes. Was muss eigentlich noch passieren, damit die politisch Verantwortlichen in Deutschland endlich reagieren? Die DITIB ist mittlerweile gefährlicher als die Salafisten, weil sie die Muslime durch die Errichtung einer Gegengesellschaft, die alles, was Deutschland ausmacht, verachtet, nachhaltiger radikalisiert, als alles andere, was es bisher gab.”