Prozess wegen unprofessioneller Beschneidung in Berlin gegen Geldbuße eingestellt

Ein Berliner Gericht hat das Strafverfahren gegen einen 46-Jährigen wegen der unprofessionellen Beschneidung seines Sohns gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt. Der Mann muss nun je 1250 Euro an den Kinderschutzbund sowie seinen Sohn zahlen, wie eine Sprecherin der Berliner Gerichte am Dienstag sagte. Demnach sah das Gericht zwar ein strafwürdiges Verhalten des Angeklagten, entscheid aber in Abwägung der Gesamtumstände auf eine Verfahrenseinstellung gegen Geldbuße.

Der Mann war vor dem Amtsgericht Tiergarten wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt, weil er den Eingriff im Jahr 2013 an seinem siebenjährigen Sohn von einem rituellen Beschneider ohne ärztliche Zulassung in seiner Wohnung hatte vornehmen lassen. Das Kind litt anschließend ein halbes Jahr lang an Schmerzen.

Auslöser für das Verfahren war laut Gerichtssprecherin eine Strafanzeige der Mutter des Jungen. Hintergrund des Falls sei auch ein Sorgerechtsstreit der Eltern. Das Gericht habe es deren Kindern ersparen wollen, vor Gericht als Zeugen in einem mutmaßlich komplexen Fall aussagen zu müssen.

Erschwerend aus Sicht der Richter kam außerdem dazu, dass der ebenfalls angeklagte 78-jährige Beschneider aus gesundheitlichen Gründen nicht verhandlungsfähig ist. Das Verfahren gegen ihn wurde abgetrennt. Auch als Zeuge ist er nicht vernehmungsfähig.

Entscheidend sei auch ein Geständnis des Angeklagten gewesen, sagte die Sprecherin. Der 46-Jährige sei vor Gericht "einsichtig gewesen". Er sei außerdem nicht vorbestraft, was überhaupt die Voraussetzung für eine Verfahrenseinstellung sei.