Prozess wegen Mords an französischem Au-pair in London begonnen

Ein in London lebendes französisches Paar muss sich seit Montag wegen der Ermordung ihres Au-pairs vor einem britischen Gericht verantworten. Die Anklage warf der 35-jährigen Sabrina Kouider und ihrem fünf Jahre älteren Lebenspartner Ouissem Medouni vor, ihr Opfer über Monate wie eine "Gefangene" gehalten, misshandelt und schließlich getötet zu haben. Deren verbrannte Leiche war im vergangenen September auf dem Grundstück des Paars gefunden worden.

Die 21-jährige Französin Sophie Lionnet lebte seit Januar 2016 bei dem Paar in Southfield, einer wohlhabenden Wohngegend in der Nähe von Wimbledon, wo sie sich um die beiden Kinder kümmern sollte. Nach Angaben von Staatsanwalt Richard Horwell schrieb sie ihrer Mutter bereits sieben Monate später, dass sie, wenn sie es sich nur leisten könnte, am liebsten sofort nach Hause zurückkehren würde.

Doch weder sie noch ihre Familie hatten genügend Geld für das Rückfahrtticket. Die Ermittler vermuten zudem, dass Sophies Gastfamilie ihre Papiere eingezogen hatte. Die 21-Jährige musste bei den Kindern schlafen, bekam kaum etwas zu Essen und wurde ständig beschimpft und misshandelt.

Die Designerin Kouider stand in ständigem Konflikt mit dem Vater ihres Sohns und Mitgründer der irischen Band "Boyzone", Mark Walton. Nach ihrer Trennung im Jahr 2013 beschuldigte sie Walton der Pädophilie, sexueller Gewalt und der Belästigung. Die Vorwürfe erwiesen sich schnell als haltlos. Dennoch überzog sie Walton im Jahr 2017 mit neuen Beschuldigungen, die sich auch gegen das junge Au-pair richteten.

"Sophie war in einem häuslichen Albtraum gefangen", berichtete Staatsanwalt Horwell dem Londoner Strafgericht. Ihr Leben bei der Familie sei "grotesk und bedrückend" gewesen. Kouider schrie sie demnach grundlos an, beschimpfte sie als "Hure und Schlampe" und warf ihr vor, einen Diamantanhänger gestohlen zu haben. Stundenlang unterwarfen die Gasteltern die 21-Jährige regelrechten Verhören, die sie auf ihren Handys aufnahmen.

Laut der Obduktion wies Sophies Körper zahlreiche Knochenbrüche auf, doch ließ sich die genaue Todesursache wegen des Zustands der Leiche nicht mehr ermitteln. Horwell dankte den Nachbarn des Paars, deren Aufmerksamkeit es zu verdanken gewesen sei, dass die Leiche entdeckt worden sei. "Ohne diese Wachsamkeit wäre der Mord der beiden Angeklagten womöglich ungesühnt geblieben". Beide weisen den Mordvorwurf zurück, Medouni bekannte sich jedoch der Behinderung der Justiz schuldig.