Prozess um Vergewaltigung: Tochter schildert Martyrium der 78-jährigen Kölnerin

36-Jähriger muss sich vor dem Kölner Landgericht verantworten.

Angst und Scham müssen übermächtig gewesen sein, so groß, dass Thea S. (heute 78, Name geändert) das Geschehen nicht wahr haben wollte: Als die Tochter die Mutter an jenem Samstagmittag im Februar dieses Jahres in deren Wohnung in Köln-Kalk antraf, sah sie auf den ersten Blick, dass mit Thea S. etwas nicht stimmte: „Sie war so seltsam, ganz anders als sonst, völlig verändert, aber sie wehrte alle meine Fragen ab.“

Gemeinsam gingen die beiden Frauen wie zuvor geplant zum Friedhof, um das Grab des verstorbenen Ehemanns und Vaters zu besuchen. Doch der Tochter war das seltsame Benehmen nicht geheuer, immer wieder insistierte sie, was denn geschehen sei, zumal ihr bei genauerem Hinsehen auch Verletzungsspuren am Körper der Mutter aufgefallen waren.

Gegen den Willen der Mutter zur Polizei gegangen

Thea S. erzählte schließlich von dem Überfall, schimpfte sich eine Idiotin, dem Täter an der Haustür gutgläubig nicht das erbetene Glas Wasser verwehrt zu haben, mit dem er sich Einlass in ihre Wohnung erschlich. „So etwas muss bestraft werden, ich rufe jetzt die Polizei“, entschied die Tochter – gegen den Willen der Mutter, die fürchtete, „Schimpf und Schande über die gesamte Familie“ zu bringen und aus Scham alles für sich behalten wollte.

Der Täter, der bei dem Überfall seine Fingerabdrücke hinterlassen hatte und polizeibekannt war, sitzt seit vergangener Woche wegen Vergewaltigung der 77-Jährigen auf der Anklagebank. Doch von dem sexuellen Übergriff war zunächst noch keine Rede gewesen, als die Tochter mit der Mutter im Krankenhaus und bei der Polizei vorstellig wurde.

„Es hat unser aller Leben zerstört“

Selbst in den geschützten Räumen der Klinik wollte die Seniorin nicht mit der Sprache heraus, weil ihre Gefühle es nicht zulassen konnten. Der Tochter war es zu verdanken, dass schließlich das gesamte Geschehen zu Protokoll gebracht wurde. Ihr war aufgefallen, dass in der Wohnung nichts fehlte, der Täter offensichtlich auch kein Geld gefordert hatte. „Was wollte er dann von Dir?“, hatte sie die Mutter immer wieder aufs Neue gefragt – und schließlich die ganze Wahrheit erfahren.

Mit der Faust ins Gesicht geschlagen

„Halt den Mund, sonst töte ich Dich“, habe der 36-jährige Angeklagte ihr gedroht, sie mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen, dann die Unterwäsche ausgezogen, sie auf das Sofa gestoßen und schließlich vergewaltigt. Bereits am ersten Verhandlungstag hatte die inzwischen 78-Jährige unter Ausschluss der Öffentlichkeit das Geschehen im Zeugenstand geschildert.

„Sie ist erleichtert, dass sie es hinter sich gebracht hat“, antwortete die Tochter auf die Frage des Richters, wie es der Mutter heute gehe. Allerdings: „Sie ist eine ganz andere Frau als früher.“ Vor dem Überfall sei Thea S. ein „fröhlicher, resoluter, zupackender Mensch“ gewesen, der gerne feierte, auf andere zuging und den Haushalt komplett allein versorgte.

Heute verlasse sie die Wohnung so gut wie nie mehr alleine, ziehe sich immer mehr zurück, sei das Gegenteil von früher. „So etwas zu überleben ist fast unmöglich. Es hat unser aller Leben zerstört“, sagte die Tochter mit leiser Stimme....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta