Prozess um Sprengstoffanschlag auf BVB-Mannschaftsbus begonnen

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Sergej W. wird zur Anklagebank gebracht

Vor gut acht Monaten hat der Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund bundesweit für Entsetzen gesorgt - nun muss sich der mutmaßliche Attentäter vor Gericht verantworten. Vor dem Landgericht Dortmund begann der Prozess

Vor gut acht Monaten hat der Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund bundesweit für Entsetzen gesorgt - nun muss sich der mutmaßliche Attentäter vor Gericht verantworten. Vor dem Landgericht Dortmund begann am Donnerstag der Prozess gegen den 28-jährigen Sergej W., dem die Staatsanwaltschaft 28-fachen versuchten Mord vorwirft. Der Angeklagte äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen.

W. soll am 11. April in einer Hecke unweit des Mannschaftshotels des Bundesligaklubs drei mit Metallstiften gefüllte Sprengsätze deponiert haben. Als sich das Team im Bus auf den Weg zu einer Champions-League-Partie gegen den AS Monaco machen wollte, soll er die Sprengsätze aus der Ferne gezündet haben. Der Abwehrspieler Marc Bartra und ein auf einem Motorrad vorausfahrender Polizist wurden verletzt.

Das Motiv des Angeklagten war nach Ansicht der Ermittler Habgier. Er soll vor dem Anschlag auf einen fallenden Kurs der BVB-Aktie gewettet haben. "Der Angeklagte handelte, um sich zu bereichern", sagte Oberstaatsanwalt Carsten Dombert bei Verlesung der Anklage. Er habe ein Vielfaches des von ihm eingesetzten Geldes herausholen wollen.

Wenige Tage vor dem Anschlag soll W. kreditfinanziert insgesamt 44.300 Euro in hochriskante Finanzgeschäfte gesteckt haben, mit denen er auf einen fallenden Kurs der Aktie spekulierte. Bei einem Fall der Anteilsscheine auf einen Euro hätte er laut Anklage einen Gewinn von rund 506.000 Euro erzielen können.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm deshalb einen aus Habgier, heimtückisch und mit gemeingefährlichen Mitteln begangenen 28-fachen versuchten Mord vor. Zudem wird ihm das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt.

W. schwieg zunächst zu den Vorwürfen. Sein Anwalt Carl Heydenreich ließ offen, ob er am zweiten Verhandlungstag am 8. Januar Angaben machen wird. "Ob und wie er sich zur Sache äußern wird, wird zunächst das Gericht erfahren", sagte Heydenreich nach Ende des ersten Verhandlungstags.

Der Verteidiger erhob im Verfahren schwere Vorwürfe gegen den Staatsanwalt und regte dessen Ablösung an. Dieser habe sich frühzeitig auf Ergebnisse festgelegt und entlastende Umstände nicht gesucht. Er kritisierte zudem, dass Ermittlungsergebnisse an die Öffentlichkeit gelangt seien. Er sprach von einer "beispiellosen medialen Vorverurteilungskampagne".

Oberstaatsanwalt Dombert wiederum warf Heydenreich vor, er wolle "unseriös Stimmung" machen. Er hätte gerne entlastende Umstände ermittelt, aber diese habe es "schlicht und einfach" nicht gegeben.

Ob Spieler und Trainer von Borussia Dortmund in dem Prozess als Zeugen geladen werden, blieb zunächst offen. BVB-Anwalt Alfons Becker, der auch den bei dem Anschlag verletzten Spieler Bartra vor Gericht vertritt, geht allerdings davon aus, dass zumindest einige Profis aussagen werden.

Becker machte in dem Verfahren Schadenersatzansprüche geltend und beantragte Schmerzensgeld für Bartra. Der damalige Anschlag sei für die betroffenen Spieler ein "erschütternder Augenblick" gewesen, sagte der Anwalt. Das sei "an die Substanz gegangen".