Geständnis zu Beginn von Prozess um Massendrogenrausch bei Seminar in Handeloh

Im Prozess um den mysteriösen Massenrausch bei einem Seminar zur Bewusstseinserweiterung in Handeloh hat das Stader Landgericht den Veranstalter zu einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung verurteilt. Es blieb damit unter der Forderung der Anklage

Die Teilnehmer bekamen Krampfanfälle, Atemnot und Halluzinationen: Mehr als zwei Jahre nach dem mysteriösen Massenrausch bei einem Seminar zur Bewusstseinserweiterung in Handeloh in der Lüneburger Heide hat vor dem Landgericht in Stade der Prozess gegen den Veranstalter begonnen. Nach Angaben einer Sprecherin gestand der 52-Jährige, Drogen verteilt zu haben. Eine Schuld an den Vergiftungserscheinungen wies er aber zurück.

Demnach räumte der Psychotherapeut am Donnerstag vor Gericht ein, den Teilnehmern damals Tabletten mit einem halluzinogenen Wirkstoff namens 2C-E zur freiwilligen Einnahme bereitgestellt zu haben. Er betonte zugleich, nichts von einer Verunreinigung mit einer weiteren psychoaktiven Substanz mit der Bezeichnung Bromo-Dragonfly gewusst zu haben. Er habe die Pillen bereits 2013 von einem als "seriös" eingeschätzten Bekannten erworben.

Der 52-Jährige ist wegen des unerlaubten Besitzes und des Überlassens von Betäubungsmitteln oder anderen gesetzlich regulierten drogenartigen Stoffen angeklagt. 2C-E fällt in Deutschland seit Ende 2014 unter das Betäubungsmittelgesetz. Umgang mit Bromo-Dragonfly ist erst durch das im November 2016 in Kraft getretene Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz untersagt.

In seinen etwa einstündigen Äußerungen entschuldigte sich der Angeklagte nach Angaben der Gerichtssprecherin zudem bei den Teilnehmern des Seminars und der Leitung des Tagungszentrums, das durch den viel beachteten Vorfall im September 2015 bundesweit in die Schlagzeilen geriet. Damals mussten 27 Menschen mit Ausfallerscheinungen in Kliniken gebracht werden.

Für den Prozess waren ursprünglich Termine bis in den Dezember angesetzt worden. Inzwischen erscheint nach Einschätzung von Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung aber bereits ein Urteil am nächsten Verhandlungstermin am 22. November möglich.

Während des Prozesses wies der 52-Jährige laut Sprecherin auch die Darstellung zurück, es habe sich um eine Veranstaltung von Heilpraktikern zu einer äußerst umstrittenen Therapie namens Psycholyse gehandelt, die auf die Einnahme psychogener Drogen fußt. Vielmehr sei es ein Seminar zur Bewusstseinserweiterung für alle Interessenten gewesen. Unter den Teilnehmern hätten sich damals auch Frisöre oder Informatiker befunden, sagte er.

Nach Angaben des Angeklagten hatte er am Vorabend des Vorfalls mit den Teilnehmern über die Einnahme derartiger Substanzen gesprochen und am folgenden Mittag entsprechende Tabletten bereitgelegt. Anschließend sei er mit seiner Frau spazieren gegangen. Später habe er die ersten Auffälligkeiten bemerkt.

Dass er selbst und seine Frau ebenfalls unter den Symptomen litten, führte er nach Angaben der Gerichtssprecherin darauf zurück, dass das im Tagungszentrum in Karaffen bereitstehende Wasser ebenfalls verunreinigt gewesen sei. Das Verfahren gegen die ursprünglich mitangeklagte 48-jährige Ehefrau des Mannes war vorab gegen die Zahlung einer Geldbuße eingestellt worden.