Prozess um islamistischen Messerangriff von Hamburg startet mit Geständnis

Mit einem klaren Geständnis hat der Prozess um den tödlichen islamistischen Messerangriff in einem Hamburger Supermarkt begonnen. Er übernehme die Verantwortung und bekenne sich "ausdrücklich schuldig", ließ der Angeklagte Ahmad A. erklären

Mit einem klaren Schuldbekenntnis hat am Freitag der Mordprozess um den tödlichen islamistischen Messerangriff in einem Hamburger Supermarkt begonnen. Er übernehme die Verantwortung für die von ihm begangenen schwersten Straftaten und bekenne sich "ausdrücklich schuldig", ließ der Angeklagte Ahmad A. vor dem Oberlandesgericht (OLG) der Hansestadt über seinen Verteidiger erklären. Er habe explizit vor einem "religiösen Hintergrund" gehandelt.

Der Palästinenser hatte am 28. Juli mit einem Küchenmesser in und vor dem Geschäft im Stadtteil Barmbek auf Kunden und Passanten eingestochen. Ein Mann starb dabei, sechs weitere Menschen wurden verletzt. Nach Überzeugung der anklageführenden Bundesanwaltschaft beging der 26-Jährige die Tat, weil er "Vergeltung" für die von ihm als ungerecht empfundene Behandlung von Muslimen weltweit verüben wollte.

Sein Ziel sei es gewesen, "wahllos deutsche Staatsangehörige christlichen Glaubens zu töten", sagte deren Vertreterin Yasemin Tüz. Er habe dabei "aus niedrigen Beweggründen und heimtückisch" gehandelt. Die Ermittlungen hätten allerdings keine Hinweise auf Kontakte zu Extremistenorganisationen ergeben. A. ist daher nicht wegen Unterstützung einer terroristischen Organisation angeklagt, sondern wegen Mordes und Mordversuchs.

Nach eigenen Angaben habe der Angeklagte sich erst am Tattag kurzfristig zu dem Angriff entschlossen, sagte Tüz. Zeitlich gebe es dabei einen Zusammenhang zur Situation am Jerusalemer Tempelberg. Damals war dort der Konflikt um Zugangskontrollen zwischen israelischen Sicherheitskräften und Palästinensern eskaliert. Deutschland sei für A. mitverantwortlich gewesen.

A. bestätigte in seiner Erklärung ausdrücklich eine religiöse Motivation, die bei ihm zum damaligen Zeitpunkt vorgeherrscht habe. "Die Tat hatte aus seiner Sicht einen religiösen Hintergrund, der zum Zeitpunkt der Tat für ihn eine grundsätzliche Bedeutung hatte", sagte sein Anwalt Christoph Burchard. A. habe aus "großer innerer Anspannung" gehandelt.

A. war 2009 nach Europa gekommen und beantragte zunächst in Norwegen vergeblich Asyl. Später lebte er auch in Schweden und Spanien, bevor er schließlich nach Deutschland gelangte. Auch dort wurde sein Asylantrag allerdings abgelehnt. Zuletzt lebte er in einer Flüchtlingsunterkunft in Hamburg.

Am Tattag nahm er nach dem Ergebnis der Ermittlungen ein großes Küchenmesser aus der Verkaufsauslage des Supermarkts und stach damit unvermittelt mit großer Wucht auf Menschen ein. Eine Gruppe von Zeugen stoppte ihn. Sie attackierten ihn mit den Stühlen eines Cafés und verletzten ihn. Die ersten eintreffenden Polizisten nahmen ihn unmittelbar danach fest.

Laut Bundesanwaltschaft wollte der abgelehnte Asylbewerber den Messerangriff nach eigenen Angaben dabei auch als Beitrag zum weltweiten Dschihad verstanden wissen. Klare Radikalisierungstendenzen zeigte er zuvor allerdings nicht. Er habe "phasenweise sein Leben umgekrempelt, dabei aber den westlichen Lebensstil weitergeführt", sagte Tüz am Rande des Prozesses.

Der Angeklagte selbst sagte vor Gericht, er sei unter anderem deshalb nach Europa gegangen, weil der westliche Lebensstil ihm gefallen habe. Er sei auch niemals durchgängig religiös gewesen und habe Alkohol getrunken. "Es gab Phasen so und Phasen so." Zu Details seiner Entwicklung und zum konkreten Geschehen vor und während der Tat äußerte er sich aber nicht.

Für den Prozess vor dem Staatsschutzsenat des Hamburger OLG sind zunächst noch acht weiteren Verhandlungstage bis Anfang März angesetzt. Acht Betroffene nehmen als Nebenkläger daran teil.