Prozess um Impfskandal in niedersächsischem Schortens begonnen

Rund eineinhalb Jahre nach einem Impfskandal im niedersächsischen Schortens muss sich eine 38-Jährige seit Mittwoch wegen des Vorwurfs vorsätzlicher Körperverletzung vor dem Oldenburger Landgericht verantworten. Laut Anklage soll die Krankenschwester im Frühjahr vergangenen Jahres in einem Corona-Impfzentrum in Schortens in Ostfriesland 15 Spritzen lediglich mit Kochsalzlösung oder viel zu stark verdünntem Impfstoff aufgezogen haben. Diese wurden anschließend verimpft.

Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft war die Beschuldigte eine Anhängerin von Corona-Verschwörungserzählungen und lehnte die staatlichen Maßnahmen zur Pandemieeindämmung ab. Laut Anklage geht sie davon aus, dass die Frau die Impfungen vor diesem Hintergrund für schädlich oder bestenfalls nutzlos hielt.

Einem Gerichtssprecher zufolge wies die Angeklagte die Darstellung der Anklage in einer von der Verteidigung verlesenen Erklärung zum Prozessauftakt zurück. Demnach räumte sie zwar ein, sechs Spritzen mit zu wenig Impfstoff befüllt zu haben, nachdem ihr versehentlich eine Ampulle mit Wirkstoff heruntergefallen sei. Sie habe dabei aber lediglich aus Angst um ihren Arbeitsplatz gehandelt.

Den Coronamaßnahmen habe sie zwar allgemein kritisch gegenübergestanden, hieß es in der Erklärung laut Sprecher weiter. Sie sei jedoch keine Impfgegnerin.

Das Geschehen in dem Impfzentrum in Schortens hatte bundesweit hohe Wellen geschlagen, weil der Verdacht einer weitaus größeren Dimension im Raum stand. Die Behörden warnten zwischenzeitlich vor bis zu etwa zehntausend eventuell unwirksamen Impfungen und organisierten Nachimpfungen für Betroffene, weil das Ausmaß der möglichen Spritzenmanipulationen durch die Beschäftigte unklar war.

Die Zahl ergab sich aus der Zahl der Impftermine während der Arbeitsschichten der Angeklagten. Die Polizei gründete eigens eine Ermittlungsgruppe mit acht Beamtinnen und Beamten, um den Fall weiter aufzuklären. Am Ende ließen sich laut Staatsanwaltschaft allerdings nur 15 regelwidrig befüllte und verimpfte Spritzen nachweisen. Für den Prozess sind Termine bis Anfang Dezember geplant.

Die Krankenschwester des Deutschen Roten Kreuzes war in dem Impfzentrum für die Vorbereitung von Spritzen für Impfungen zuständig. Sie selbst brachte die Ermittlungen ins Rollen, als sie einer Kollegin anvertraute, sie habe sechs Spritzen mit Kochsalzlösung aufgezogen, nachdem ihr eine Ampulle mit Impfstoff heruntergefallen sei. Zur damaligen Zeit lief die Kampagne mit den neu entwickelten Impfstoffen gerade an. Diese waren sehr knapp.

Die Frau wurde entlassen, die folgenden Untersuchungen ergaben dann Hinweise auf eine womöglich weitaus größere Dimension. Kochsalzlösung wird regulär zur Verdünnung der Impfflüssigkeit eingesetzt und ist für den menschlichen Körper unschädlich.

bro/cfm