Prozess um Einsturz von Kölner Stadtarchiv beginnt mit fünf statt sechs Angeklagten

Gut eine Woche vor dem Beginn des Strafprozesses um den Kölner Archiveinsturz hat das Landgericht Köln das Verfahren gegen einen der sechs Angeklagten abgetrennt und vorläufig eingestellt. Als Grund nannte ein Gerichtssprecher am Dienstag eine akut lebensbedrohliche Herzerkrankung des Manns. Die Strafkammer werde regelmäßig Erkundigungen zu seinem Gesundheitszustand einholen und auf dieser Grundlage über den weiteren Verfahrensverlauf bei diesem Angeklagten entscheiden.

Die verbleibenden fünf Angeklagten müssen sich hingegen wie geplant ab Mittwoch kommender Woche wegen des verheerenden Einsturzes des Kölner Archivgebäudes vom 3. März 2009 verantworten. Die Vorwürfe gegen sie lauten auf fahrlässige Tötung beziehungsweise Baugefährdung.

Das Gebäude des Stadtarchivs in der Kölner Südstadt, eines der bedeutendsten Kommunalarchive Europas, war bei U-Bahnbauarbeiten zusammengestürzt und hatte zwei Nachbarhäuser mit in die Tiefe gerissen. Zwei Anwohner kamen bei dem Einsturz ums Leben. Es entstand ein Schaden in Milliardenhöhe.

Grundlage für die Anklage der Staatsanwaltschaft ist ein Sachverständigengutachten zu möglichen Fehlern bei den Arbeiten. Nach früheren Angaben der Anklagebehörde sollen an der U-Bahnbaustelle bei Aushubarbeiten für eine Schlitzwand im September 2005 bauhandwerkliche Fehler gemacht worden sein. Zudem sollen die Arbeiten nicht ausreichend kontrolliert worden sein.

Bei der Aufarbeitung des Unglücks steht die Justiz unter Zeitdruck: Wegen der zehnjährigen Verjährungsfrist muss das Urteil im Prozess um den Archiveinsturz bis März 2019 fallen.