Prozess in Polen gegen mutmaßlichen Kontaktmann der Pariser Attentäter

In Polen hat am Dienstag der Prozess gegen einen mutmaßlichen IS-Informanten begonnen, der Verbindungen zum Drahtzieher der Attentate von Paris gehabt haben soll. Dem 28-jährigen Marokkaner Mourad T. werden vor dem Gericht in Kattowitz "Beziehungen zu einer internationalen Terrororganisation namens Islamischer Staat" vorgeworfen, wie die polnische Nachrichtenagentur PAP meldete.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft belieferte er den Drahtzieher der Pariser Attentate, Abdelhamid Abaaoud, mit Informationen. Bei der Anschlagsserie am 13. November 2015 waren 130 Menschen getötet worden. Später bekannte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) zu den Attentaten.

Die Staatsanwaltschaft erklärte, auf T.s Handy seien unter anderem Anleitungen zum Bau von Sprengsätzen sowie Fotos potenzieller Anschlagsziele gefunden worden. Weiterhin habe er Ende 2014 in der türkischen Stadt Edirne Abaaoud sowie zwei weitere Islamisten getroffen, die bei einem Anti-Terroreinsatz der belgischen Polizei im Januar 2015 getötet wurden.

Mourad T. plädierte zum Prozessauftakt auf nicht schuldig und verneinte, ein Mitglied des IS gewesen zu sein. Laut PAP gestand er, im Besitz von Betäubungsmitteln und gefälschten Pässen gewesen zu sein, mit denen er durch Europa gereist sei. Dabei sei er unter anderem in Österreich, Griechenland, Ungarn, der Türkei und Serbien gewesen.

Das Verfahren in Kattowitz ist der erste Prozess in Polen gegen einen mutmaßlichen Komplizen eines wichtigen IS-Mitglieds. Polen selbst war bisher nicht Ziel eines islamistischen Anschlags. Der polnische Inlandsgeheimdienst hatte den Verdächtigen im September 2016 festgenommen.