Prozess am Kölner Amtsgericht: JVA-Mitarbeiter wegen Bestechung angeklagt

Bediensteter soll von Häftling Geld für die Beschaffung eines Handys bekommen haben.

Es geht zwar nur um ein Handy, das ein Beamter der Justizvollzugsanstalt Ossendorf einem Häftling versprochen haben soll. Dennoch fand der Prozessauftakt vor dem Kölner Amtsgericht am Montag unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen statt. Schließlich treten Zeugen auf, denen der Richter ein erhöhtes „Fluchtinteresse“ zutraute.

Ein Zeuge sollte beseitigt werden

Wegen Bestechlichkeit angeklagt ist ein 51-jähriger JVA-Bediensteter, dem ein 36-jähriger Häftling im Mai vergangenen Jahres 50 Euro zugesteckt haben will – als Anzahlung für die Beschaffung eines Handys, das ein Mitinsasse des 36-Jährigen offenbar brauchte, um die Beseitigung eines unliebsamen Zeugens durch die Rockergruppe Hells Angels in Auftrag zu geben. Hintergrund sollen Drogengeschäfte am Kölnberg sein.

Um an das Telefon zu kommen, hoffte der Dealer auf die guten Kontakte des 36-Jährigen zum JVA-Personal. Laut Staatsanwaltschaft soll ihm der Angeklagte in seinem Arbeitszimmer dann auch zugesagt haben, das Handy binnen einiger Tage zu besorgen.

So gab er es jedenfalls bei einer polizeilichen Vernehmung zu Protokoll. Dafür sollte der Beamte insgesamt 200 Euro erhalten – Geld, das der 36-Jährige von seinem Mithäftling bei einem Freigang bekommen haben will. Der stark tätowierte Mann trat am Montag als Zeuge auf, wollte sich aber nicht äußern.

150 Euro sichergestellt

Der Richter hatte ihn zuvor darauf aufmerksam gemacht, dass auch er sich wegen Bestechung strafbar gemacht haben könnte. Über den Verbleib der angeblich überreichten 50 Euro wurde am Montag nichts bekannt, die übrigen 150 Euro seien sichergestellt worden, so der Richter.

Der Angeklagte, wegen des Verfahrens in die JVA Düsseldorf versetzt, wies alle Vorwürfe zurück. „Ich setze nicht für 50 oder 200 Euro meinen Job aufs Spiel.“ Lediglich gespendeten Tabak habe er unentgeltlich an die Gefangenen verteilt. Warum der 36-jährige Zeuge ihn beschuldige, wisse er nicht. Allerdings habe es Ärger mit ihm gegeben.

Häftling war Mitglied von Rockergruppe

Der Häftling, der früher Mitglied der Rockergruppe „Red Army Cologne“ war und mehrfach wegen Beschaffungskriminalität verurteilt wurde, sei damals Vater geworden und habe öfter als erlaubt telefonieren wollen.

Als er ihm dies verbot, sei der 36-Jährige „sehr beleidigt“ gewesen. Zudem habe er sich in der JVA bedroht gefühlt. „Er wollte aber nicht sagen, von wem“, so der 51-Jährige. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta