Prozess gegen Salah Abdeslam beginnt in Brüssel

Am Montag beginnt in Brüssel ein mit Spannung erwarteter Prozess: Vor Gericht erscheint erstmals Salah Abdeslam, der einzige überlebende mutmaßliche Attentäter der Pariser Anschläge vom 13. November 2015. Es ist der erste öffentliche Auftritt des vor seiner Festnahme meist gesuchten Mannes Europas. Die Frage ist, inwieweit Abdeslam mit den Justizbehörden kooperieren will.

Seiner Ergreifung war eine monatelange Flucht vorausgegangen. Identifiziert und international zur Fahndung ausgeschrieben hatten die Ermittler den Franzosen mit marokkanischen Wurzeln bereits zwei Tage nach den Anschlägen in Paris.

Am 15. März 2016 entdeckte ein französisch-belgisches Ermittler-Team in einer Wohnung im Brüsseler Vorort Vorst ein Versteck der Terrorzelle, die heute mit drei Anschlägen in Verbindung gebracht wird: die in Paris im November 2015 mit 130 Toten, die am Brüsseler Flughafen und in der Metro im März 2016 mit 32 Toten sowie der verhinderte Angriff auf Reisende eines Thalys-Schnellzugs im August 2015.

Die Wohnung in Vorst hielten die Beamten zunächst für verlassen. Als sie sich Eintritt verschafften, wurden sie jedoch mit Kalaschnikow-Feuer empfangen. Drei Polizisten wurden verletzt. Die Beamten erschossen einen der Verdächtigen, den 35-jährigen Algerier Mohamed Belkaïd, der ebenfalls mit den Paris-Anschlägen in Verbindung gebracht wird. Zwei Männern gelang die Flucht.

In der Wohnung fanden die Ermittler Sprengstoff, Munition und Spuren, die zweifelsfrei Salah Abdeslam zugeordnet werden konnten. Vermutlich waren er und sein Komplize Sofiane Ayari die beiden Flüchtigen. Ayari, ein 24-jähriger Tunesier, gilt als Fluchthelfer Abdeslams und steht ebenfalls ab Montag in Brüssel vor Gericht. Er und Abdeslam sollen sich in Ulm kennengelernt haben, wohin Ayari über die Flüchtlingsroute aus der Türkei gelangte.

Drei Tage später gingen die beiden Verdächtigen der Polizei ins Netz. Ein Anruf Abdeslams an einen Cousin hatte sie verraten. Am 18. März umstellte eine Spezialeinheit das Haus in der Brüsseler Gemeinde Molenbeek, wo Abdeslam und Ayari sich versteckten. Beide wurden bei ihrer Festnahme angeschossen.

Bevor Abdeslam der Prozess in Frankreich wegen seiner Beteiligung an den Pariser Anschlägen gemacht wird, muss er sich in Belgien für die drei verletzten Polizeibeamten verantworten. Dort drohen ihm bis zu 40 Jahre Haft wegen mehrfachen terroristisch motivierten Mordversuchs gegen Polizisten.

Die Vereinigung von Terroropfern V-Europe, die in Belgien kurz nach den Anschlägen am Brüsseler Flughafen gegründet wurde, will als Nebenkläger in dem Prozess auftreten. Die Festnahme Abdeslams gilt als Auslöser der Brüsseler Selbstmordanschläge vier Tage später.

Trotz des neuen Nebenklägers schließen mit dem Fall vertraute Quellen eine erneute Verschiebung des Prozesses aus. Ursprünglich sollte die erste Anhörung bereits im Dezember 2017 stattfinden. Sie wurde drei Tage vor dem geplanten Auftakt jedoch auf Antrag der Verteidigung verschoben.

Vertreten wird Abdeslam durch den bekannten belgischen Anwalt Sven Mary. Er hatte den Fall zwischenzeitlich wegen des unkooperativen Verhaltens seines Klienten abgegeben. Denn seit März 2016 schweigt der heute 28-jährige Abdeslam beharrlich.

Der Prozess soll zunächst bis Freitag der kommenden Woche dauern. Am Brüsseler Justizpalast wurden dafür enorme Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Vor Auftakt des Verfahrens soll Abdeslam zunächst in ein Hochsicherheitsgefängnis nach Nordfrankreich gebracht werden, von wo aus er jeden Tag von Elitepolizisten nach Brüssel gebracht wird. Bisher saß er in Isolationshaft nahe Paris ein, wo er Tag und Nacht beobachtet wurde. Er gilt als suizidgefährdet.