Prozess in Berlin: "Elf wuchtige Stiche in Oberkörper" - Mehmet P. vor Gericht

Eine Statue der Justitia

Der Angeklagte weint. Er wird von seinen Schluchzern regelrecht geschüttelt, tupft sich mit einem Taschentuch übers Gesicht. Es wird an diesem ersten Prozesstag vor einem Moabiter Schwurgericht nicht klar, was Mehmet P. bewegt. Vielleicht die Taten, die ihm vorgeworfen werden. Vielleicht auch grenzenloses Selbstmitleid. Äußern will er sich am Dienstag noch nicht.

Im Anklagesatz steht, dass der 44-Jährige am Nachmittag des 5. Dezember 2016 seine Ehefrau Yeter ermordete. Er habe ihr in der gemeinsamen Küche in der Weddinger Koloniestraße "außer sich vor Wut und ausgrenzenloser Eifersucht kochendes Wasser in das Gesicht sowie über Hals, Nacken und Arme" gegossen. Anschließend soll er der 34-Jährigen mit einem großen Küchenmesser "mindestens zwölf wuchtige Stiche in den Oberkörper" versetzt haben. Yeter P. konnte noch ins Krankenhaus gebracht werden, starb dort aber elf Tage später. Sie hinterließ fünf Kinder.

Mehmet P. soll nach der Tat einen Nachbarn über den lebensgefährlichen Zustand seiner Frau informiert haben und anschließend geflohen sein. Er wurde am 15. Dezember verhaftet.

Vor Gericht macht er sich ganz klein. Ihm gegenüber sitzen mehrere Angehörige von Yeter P. als Nebenkläger. Eine Schwester schreit ihn auf Kurdisch an, er sei ein Teufel, ein ehrloser Mensch. Ein andere Schwester erleidet vor Aufregung einen Kreiskaufkollaps.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Yeter P. am 5. Dezember einen schwerkranken Neffen im Krankenhaus besuchen und Mehmet P. das verhindern ...

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