Proteste nach tödlichen Schüssen von weißem Polizisten auf Afroamerikaner in den USA

·Lesedauer: 2 Min.
Bürgerrechtsanwalt Ben Crump bei einer Pressekonferenz (AFP/Allison Joyce)

Wegen tödlicher Schüsse eines weißen Polizisten auf einen Schwarzen sind im US-Bundesstaat North Carolina dutzende Menschen auf die Straße gegangen. Mit erhobener Faust führte der prominente Bürgerrechtsanwalt Benjamin Crump am Donnerstagabend (Ortszeit) eine "Kundgebung für Gerechtigkeit" an. Die Umstände des Todes des Schwarzen Jason Walker am vergangenen Wochenende in der Stadt Fayetteville sind bislang ungeklärt.

Der Polizist Jeffrey Hash soll Walker am Samstag erschossen haben. Der Beamte, der zu dem Zeitpunkt außer Dienst war, war dem Polizeibericht zufolge mit seiner Frau und seiner Tochter in seinem SUV unterwegs, als der unbewaffnete Walker die Straße in der Nähe seines Elternhauses überquerte. Wenige Augenblicke später soll Hash das Feuer eröffnet haben. Was genau davor passierte, ist unklar.

In einem nach dem Vorgang aufgenommenen Amateurvideo erklärte der Polizeibeamte den zum Tatort gerufenen Kollegen, dass Walker mitten auf die Straße gesprungen sei und er gebremst habe, um ihm auszuweichen. Hash zufolge warf sich Walker dann auf das Fahrzeug, riss einen Scheibenwischer ab und schlug damit gegen die Windschutzscheibe, woraufhin Hash seine Waffe zog, um seine Familie zu schützen.

Zeugen zufolge soll Hash den Schwarzen jedoch erst mit seinem Auto angefahren haben, bevor er anhielt. "Ich sah, wie er Jason traf, dann wurde sein Körper gegen die Windschutzscheibe geschleudert", sagte die Augenzeugin Elizabeth Ricks dem Sender ABC. Dann habe sie Schüsse gehört.

Nach Angaben der Polizei wies Hashs schwarzer Pickup keine sichtbaren Dellen auf. Auch Walkers Körper wies außer den Schusswunden keine weiteren Verletzungen auf. Der Beamte wurde beurlaubt, aber nicht festgenommen.

Der Fall weckt Erinnerungen an den Tod des Schwarzen George Floyd im Mai 2020 durch einen weißen Polizisten. Floyds auf einem Handyvideo festgehaltener qualvoller Tod sorgte international für Empörung und löste landesweite Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt aus.

"So wie im Fall von George Floyd, Ahmaud Arbery und Breonna Taylor die Wahrheit ans Licht gekommen ist, wird auch im Fall von Jason Walker die Wahrheit ans Licht kommen", sagte Bürgerrechtsanwalt Crump am Donnerstagabend in Fayetteville. Er bezog sich dabei auf zwei weitere Fälle von durch Polizisten erschossene Afroamerikaner, die in den USA für Empörung sorgten.

"Wir haben Grund zu der Annahme, dass dies ein Fall von 'erst schießen, dann fragen' war, eine Philosophie, die in der Strafverfolgung nur allzu oft anzutreffen ist", sagte Crump bei einer Pressekonferenz. Bereits zu Wochenbeginn waren kleine Gruppen von Einwohnern durch die Stadt marschiert und forderten die Verhaftung von Hash.

In den USA töten Polizeibeamte jedes Jahr durchschnittlich 1000 Menschen, wobei Afroamerikaner unter den Opfern überrepräsentiert sind. Die Polizei wird nur selten strafrechtlich verfolgt, obwohl aus den großen Anti-Rassismus-Protesten im Jahr 2020 einige Verurteilungen gegen Polizisten folgten.

mkü/ck

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.