"Hätten uns umbringen können" - Fan-Protest kippt in Randale

SPORT1
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"Hätten uns umbringen können" - Fan-Protest kippt in Randale
"Hätten uns umbringen können" - Fan-Protest kippt in Randale

Manchester United sollte am Sonntag im Old Trafford gegen den FC Liverpool (Manchester United - FC Liverpool im LIVETICKER) spielen - doch vor dem für 17.30 Uhr geplanten Anpfiff rückt das Top-Spiel der Premier League in den Hintergrund.

Videos und Bilder, die in verschiedenen Social-Media-Kanälen veröffentlicht wurden, zeigen, wie ein Teil der United-Fans das eigene Stadion stürmt. Zahlreiche Personen sind bis in den Innenraum und auf das Spielfeld vorgedrungen. (Service: Ergebnisse der Premier League)

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Aufgrund der Vorfälle verschob sich der Anpfiff des Premier-League-Spiels auf unbestimmte Zeit nach hinten. Zum Zeitpunkt des geplanten Anstoßes waren beide Mannschaften noch in ihren Teamhotels.

Um kurz nach halb sieben trafen die beiden Vereine in Absprache mit der Liga und der Polizei die Entscheidung, die Partie am Sonntagabend nicht mehr auszutragen. Die Sicherheitsbedenken seien zu groß. Ein Ausweichtermin stand zunächst noch nicht fest.

Proteste gegen ManUnited-Besitzer

Die Proteste galten der Glazer-Familie, den Eigentümer von Manchester United. Englische Medien berichteten schon zuvor, dass am Sonntag tausende United-Fans am Old Trafford gegen die Besitzer demonstrieren wollen.

"Das ist das Ergebnis des Handelns der Besitzer von Manchester United vor zwei Wochen", sagte Klub-Legende Gary Neville bei Sky. "Es gibt ein allgemeines Misstrauen und ein Missfallen den Besitzern gegenüber", erklärte Neville zudem. Die Glazers und andere Klubbosse hätten die Super-League-Pläne "hinter aller Rücken" verfolgt, "um mit den Kronjuwelen abzuhauen".

Auch der ehemalige United-Keeper Peter Schmeichel äußerte sich. Er "verstehe, den Frust und warum die Fans handeln". Es sei aber "völlig falsch", das Stadion zu stürmen.

ManUnited-Legende Roy Keane befürchtete: "Da wird mehr kommen, das war erst der Anfang von den United-Fans."

Fan-Protest kippt in Randale

Laut BBC verschafften sich die Anhänger über einen Fanshop Zugang ins Stadioninnere. Übereinstimmenden Berichten zufolge gelangten zunächst 200 bis 300 Anhänger dorthin. Einige warfen Stühle, andere bemächtigten sich der Eckfahnen oder zündeten Rauchtöpfe in den ursprünglichen Klubfarben gold und grün. Die Teams waren zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht im Stadion. Nachdem dieses geräumt worden war, soll eine zweite, deutlich kleinere Gruppe erneut in die Arena eingedrungen sein.

Eine gezündete Feuerwerksrakete oder eine ebenfalls in Richtung der Reporterplätze geworfene Bierflasche "hätten uns umbringen können", zeigte sich Liverpool-Idol Graeme Souness bestürzt.

Auf dem Stadion-Vorplatz warfen einzelne Personen mit Flaschen und anderen Gegenständen auf anwesende Polizisten. "Zwei Beamte wurden verletzt, ein Beamter wurde mit einer Flasche angegriffen und erlitt eine Schnittwunde im Gesicht, die im Krankenhaus behandelt werden musste", heißt es in einem offiziellen Statement der Polizei Manchester.

Ein Sprecher der Greater Manchester Police fasst das Verhalten der Protestanten als "rücksichtslos und gefährlich" zusammen. Gerade am Stadion seien sie "besonders aggressiv" geworden. Dort hätten nach seinen Aussagen Chaoten Flaschen und Absperrgitter auf Polizisten und deren Pferde geworfen.

Nach Angaben der Polizei gab es auch vor dem United-Teamhotel Proteste von rund 200 Fans. Am Old Trafford verschafften mehr als 1.000 Fans ihrem Unmut Luft.

Super League heizt Proteste auf

Auslöser der Proteste ist der gescheiterte Versuch der Besitzer der Red Devils, Teil der Super League zu werden. ManUnited, seit 2005 mehrheitlich im Besitz der Glazer-Familie, hatte sich zunächst wie fünf weitere Premier-League-Klubs (Manchester City, FC Liverpool, FC Chelsea, Tottenham Hotspur und FC Arsenal) der geplanten Super League im europäischen Fußball angeschlossen. Ein Dutzend hochkarätiger europäischer Klubs wollte die Superliga aus der Taufe heben.

Zwei Tage später und nach zahlreichen Protesten zogen alle englischen Klubs ihre Bereitschaft zur Teilnahme wieder zurück. Joel Glazer war als Vizepräsident der Super League vorgesehen gewesen.

Seit dem Vorstoß hat die Anti-Glazer-Bewegung unter den Anhängern viel Zuspruch bekommen. Schon am vergangenen Samstag versammelten sich Fans vor dem Stadion und hielten Transparente hoch, auf denen die Glazers als "gierig" und "egoistisch" bezeichnet wurden.

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)