Proteste gegen Begnadigung von Perus Ex-Präsident Fujimori dauern an

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Perus Ex-Präsident Fujimori

Der wegen Menschenrechtsverbrechen verurteilte frühere peruanische Staatschef Fujimori ist frei. Nach einer umstrittenen Begnadigung konnte der 79-Jährige am Donnerstag das Krankenhaus in Lima als freier Mann verlassen, wie AFP-Reporter berichteten

In Peru reißen die Proteste gegen die Begnadigung des ehemaligen Staatschefs Alberto Fujimori durch Präsident Pedro Pablo Kuczynski nicht ab. Aus Protest gegen Fujimoris Haftentlassung traten Kulturminister Salvador del Solar und Fernsehchef Hugo Coya am Mittwoch zurück. Für Donnerstag ist in der Hauptstadt Lima eine weitere Demonstration gegen die am Sonntag verfügte vorzeitige Haftentlassung geplant.

Politische Gruppen und Opferverbände kritisieren, dass der 2007 wegen Korruption und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 25 Jahren Haft verurteilte Fujimori nach wenigen Jahren auf freien Fuß kommt.

Staatschef Kuczynski hatte Fujimoris vorzeitige Freilassung aus "humanitären Gründen" an Heiligabend bekanntgegeben. Als Grund nannte er den schlechten Gesundheitszustand des 79-Jährigen. Fujimori leide an einer fortgeschrittenen und unheilbaren Krankheit, die Haftbedingungen seien für ihn lebensgefährlich, erklärte Kuczynskis Büro.

Fujimori war am Samstag wegen Herzrhythmusstörungen ins Krankenhaus gebracht worden. Sein Arzt Alejandro Aguinaga sagte am Mittwoch, der Ex-Präsident werde mindestens weitere 48 Stunden in der Klinik bleiben. Die Veranstalter der Demonstration forderte er auf, sich aus Rücksicht auf die Patienten von dem Krankenhaus fernzuhalten.

Fujimori hatte Peru von 1990 bis 2000 mit harter Hand regiert. 2007 wurde er der Bestechung, des mehrfachen Mordes, des Einsatzes von Todesschwadronen und anderer schwerer Menschenrechtsverletzungen für schuldig befunden und zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt.

Unter Fujimoris Herrschaft tötete 1991 ein bewaffnetes Kommando im Stadtteil Barrios Altos in Lima 15 Teilnehmer einer privaten Feier, darunter ein Kind. Die Täter hielten die Opfer fälschlicherweise für Sympathisanten der maoistischen Guerillaorganisation Sendero Luminoso (Leuchtender Pfad).

Ein Jahr später verschleppte eine Todessschwadron neun Studenten und einen linksgerichteten Professor der Universität Cantuta und tötete sie in einer ländlichen Gegend nahe der Hauptstadt. Ebenfalls 1992 ließen Todesschwadronen neun Menschen aus der Ortschaft El Santa sowie einen Journalisten und einen Unternehmer "verschwinden". Fujimori wird zudem für die Zwangssterilisierung von mehr als 200.000 überwiegend indigenen Frauen verantwortlich gemacht.

Bei Protestkundgebungen gegen Fujimoris Haftentlassung am Sonntag und Montag hatte die Polizei Wasserwerfer, Tränengas und Schlagstöcke eingesetzt und Straßensperren errichtet.

Viele Peruaner halten Fujimoris Begnadigung für politisch motiviert. Nur drei Tage vor der Verkündung von Kuczynskis Entscheidung war ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten im Parlament überraschend gescheitert.

Eingeleitet worden war das Verfahren wegen Korruptionsvorwürfen von Fujimoris Tochter Keiko, die die Präsidentschaftswahl 2016 nur knapp gegen den ehemaligen Wall-Street-Banker Kuczynski verloren hatte und nun die größte Oppositionspartei Fuerza Popular anführt. Fujimoris jüngerer Sohn Kenji und mehrere andere Oppositionsabgeordneten enthielten sich dann aber bei der Abstimmung.