ProSiebenSat.1: Vorstandschef Ebeling kündigt Rücktritt an

Nikolas Kessler
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ProSiebenSat.1: Am Mittwoch wird es ernst

ProSiebenat.1 hat am Sonntagabend den vorzeitigen Rückzug von Vorstandschef Thomas Ebeling verkündet. Der Schritt kommt wenig überraschend, ein Nachfolger steht allerdings noch nicht fest. Die Anleger reagieren am Montagmorgen positiv auf die Meldung.

Wie das Unternehmen mitteilte, wird Ebeling den Medienkonzern nach der Bilanzpressekonferenz am 22. Februar 2018 verlassen. Darauf hätten sich der Manager und der Aufsichtsrat „einvernehmlich verständigt“.

Ebelings Abgang war zuletzt bereits erwartet worden. Nach enttäuschenden Zahlen, mehreren Prognosesenkungen und einer abschätzigen Äußerung über das eigene Publikum in der vergangenen Woche galt der Vorstandschef als angezählt. Nach Informationen des Handelsblatts habe Aufsichtsratschef Werner Brandt nun die Konsequenzen gezogen.

Da Ebeling bereits im Vorjahr angekündigt hatte, seinen bis Mitte 2019 laufenden Vertrag nicht noch einmal verlängern zu wollen, läuft die Suche nach einem Nachfolger bereits. Für den Fall, dass dieser sein Amt nicht unmittelbar im Anschluss an die Bilanzpressekonferenz antreten kann, wurde Conrad Albert, derzeit Vorstand External Affairs & Industry Relations, mit sofortiger Wirkung zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden ernannt.

Bilanz kann sich sehen lassen

Ebeling hatte das Amt als Vorstandsvorsitzender Anfang 2009 übernommen – zu einem Zeitpunkt, als die ProSieben-Aktie weniger als einen Euro wert war. Seitdem hat er das Unternehmen zurück in die Erfolgsspur gebracht und im Frühjahr 2016 als ersten Medienkonzern überhaupt in den DAX geführt. Im Hoch bei 50,95 Euro lag die Kurssteigerung bei rund 5.700 Prozent.

In den vergangenen Monaten ist der Wachstumsmotor allerdings etwas ins Stottern geraten. Das schwache TV-Werbegeschäft, hohen Programmkosten, verschobenen Produktionen und sinkende Zuschauerzahlen belasten. Seit dem Hoch im November 2015 hat sich der Kurs zwischenzeitlich wieder halbiert, der Abstieg aus dem DAX droht.

Brandt dankte Ebeling nun für dessen „hervorragende Arbeit“ und erklärte, dass die bereits angestoßenen Restrukturierungsmaßnahmen fortgesetzt werden sollen. Details dazu soll es wie geplant beim Kapitalmarkttag am 6. Dezember geben. Auch die Prognose für das Gesamtjahr 2017 hat ProSiebenSat.1 bestätigt.   

Aktie im Aufwind

Die Anleger reagieren am Montagmorgen zunächst mit Käufen auf die Meldung. Mit einem Plus von 1,5 Prozent gehört die ProSieben-Aktie zu den größten Gewinnern im DAX. Für Unterstützung sorgt dabei eine Studie des Analysehauses Liberum, wonach ProSieben als Übernahmeziel – beispielsweise für die Comcast-Tochter NBCUniversal – interessant sein könne.  Nachdem die Turnaround-Spekulation des AKTIONÄR jüngst ausgestoppt wurde, sollten Anleger allerdings zunächst an der Seitenlinie bleiben.