ProSiebenSat.1-Vorstand bläst zum Angriff: GEZ-Anteil auch für Privatsender

Nikolas Kessler
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ProSieben-Vorstand Conrad Albert sorgt mit seinem Ruf nach einem Systemwechsel in der Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Sender für Aufsehen. Seiner Ansicht nach sollen auch Privatsender öffentliche Mittel erhalten können – schließlich tragen auch sie zur Grundversorgung bei.

Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) fordert Albert, dass künftig nicht mehr Institutionen, sondern Inhalte öffentliche finanziert werden. Jedes Medienhaus, das gesellschaftlich relevante Inhalte liefere, solle über öffentliche Gelder gefördert werden. Speziell Formate wie News, Magazine, Wissenssendungen und Frühstücksfernsehn hat der Manager dabei im Sinn.

Sein Argument: Auch die privaten TV-Vollprogramme würden inzwischen einen Teil der Grundversorgung übernehmen. Vor allem unter jüngeren Menschen hätte private Sender eine wesentlich höhere Reichweite als die öffentlich-rechtlichen Sender. So seien nur fünf Prozent der Zuschauer von ARD und ZDF unter 30 Jahre alt. In der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen erreiche man mit den „Pro 7 News“ zudem fast 18 Prozent der Zuschauer und somit mehr als „Tageschau“ und „Heute“ zusammen.

Systemreform, keine Abschaffung

„Ich will weder die Öffentlich-Rechtlichen abschaffen, noch an deren Bestands- und Finanzierungsgarantie kratzen. Ein starkes duales System bleibt elementar für unsere Meinungs- und Medienvielfalt in Deutschland“, so Conrad. Man könne aber hinterfragen, warum wir uns zwei Anstalten leisten und ob es wirklich acht Milliarden Euro brauche, um den öffentlich-rechtlichen Auftrag zu erfüllen.

Auch die Tatsache, dass ARD und ZDF zusätzlich zu den Rundfunkbeiträgen jährlich über eine halbe Milliarde Euro am TV-Werbemarkt einnehmen, ist dem ProSieben-Vorstand ein Dorn im Auge. Ziel seines Vorstoßes sei es, eine längst überfällige Debatte anzustoßen. Kein schlechter Zeitpunkt, so kurz vor der Bundestagswahl.

Auch ohne GEZ-Anteil ein Kauf

Zwar geht es bei den Rundfunkgebühren um Milliardenbeträge und die Vorstellung, ein Stück vom Kuchen abzubekommen ist natürlich verlockend. Wirklich angewiesen auf öffentlich-rechtliche Gelder ist ProSiebenSat.1 nach Einschätzung des AKTIONÄR aber nicht: Das Geschäft mit TV-Werbung wächst weiterhin moderat, zudem ist das Unternehmen bei der Digitalisierung ganz vorne mit dabei. Rund die Hälfte des Konzernumsatzes wird bereits außerhalb des klassischen TV-Werbegeschäfts erwirtschaftet.

Zudem hat der Medienkonzern bei den jüngsten Beteiligungsverkäufen seine Qualitäten als Start-up-Inkubator unter Beweis gestellt. Alles in allem ist die ProSieben-Aktie auf dem aktuellen Niveau unterbewertet, entsprechend können investierte Anleger dabei bleiben und mutige Neueinsteiger einen Fuß in die Tür stellen.

Mehr zur Aktie von ProSiebenSat.1 lesen sie auch in der aktuellen Ausgabe 27/2017 des AKTIONÄR.