ProSiebenSat.1: Short-Attacke war laut BaFin illegal

Nikolas Kessler
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Laut der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat die Viceroy Research Group mit ihrer Verkaufsempfehlung für die Aktie von ProSiebenSat.1 in der Vorwoche gegen das Wertpapierhandelsgesetz verstoßen. Die Aktie bleibt nach einem weiteren negativen Analystenkommentar allerdings unter Druck.

In einer Mitteilung moniert die Aufsichtsbehörde unter anderem, dass ihr keine Tätigkeitsanzeige nach §86 Absatz 1 Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) des selbsternannten Analysehauses vorliegt. Entsprechend hätte Viceroy die Anlageempfehlung vor deren Erstellung oder Weitergabe bei der BaFin anzeigen müssen. „Dies gilt gemäß § 1 Absatz 2 WpHG auch für im Ausland tätige Analysten, unter anderem sofern ihre Empfehlungen einen Emittenten mit Sitz im Inland betreffen (…)“, heißt es in der Mitteilung weiter. Zudem finde sich auf der Internetseite kein Impressum, aus dem der Sitz des Unternehmens hervorgeht. Die komplette Meldung der BaFin können Sie hier nachlesen.

In der Vorwoche hatte Viceroy dem Medienkonzern in einer 37-seitigen Studie unter anderem eine fragwürdige Bilanzierungspraxis vorgeworfen und eine Verkaufsempfehlung mit einem Kursziel von 7,51 Euro ausgesprochen. Gleichzeitig soll das Unternehmen mit Leerverkäufen auf fallende Kurse der Aktie gewettet haben – mit Erfolg: Die ProSiebenSat.1-Aktie ist zwischenzeitlich um acht Prozent eingebrochen.

Der Medienkonzern hatte die Vorwürfe umgehend dementiert und juristische Schritte gegen die Shortattacke angekündigt. Dabei dürfte die Einschätzung der BaFin von Vorteil sein, die Kursverluste kann sie indes nicht wettmachen.

Abstufung durch UBS belastet zusätzlich

Stattdessen geht es auch am Montag deutlich bergab. Für zusätzliche Belastung sorgt dabei eine Analystenkommentar der Schweizer UBS. Laut Analyst Richard Eary stehen ProSiebenSat.1 „schwierige Zeiten“ bevor.  Die strukturellen Probleme des Medienkonzerns beschleunigten sich, zudem berge der schwache Barmittelzufluss deutliche Kursrisiken, schreibt er in seiner Studie.

In den kommenden Jahren sieht Eary sogar die großzügige Dividendenpolitik von ProSiebenSat.1 in Gefahr. Entsprechend hat er die Aktie von „Neutral“ auf „Verkaufen“ abgestuft und das Kursziel von 26 auf 24 Euro gesenkt.

Die Verkaufsempfehlung der UBS drückt die ProSieben-Aktie zu Wochenbeginn um rund zwei Prozent. Sie ist damit der größte Verlierer im DAX. Zwar trübt sich das Chartbild dadurch weiter ein, die Comeback-Wette des AKTIONÄR läuft aber weiter.