ProSiebenSat.1: Darum fällt die Aktie heute

Nikolas Kessler
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PR-Gau: ProSiebenSat.1-Chef Ebeling beleidigt eigene Zuschauer

Ein negativer Analystenkommentar der US-Investmentbank JPMorgan schickt die Aktie von ProSiebenSat.1 am Donnerstag auf Talfahrt. Sorge bereitet wieder einmal die Entwicklung des Werbegeschäfts.

JPMorgan-Analyst Marcus Diebel hat sein „Neutral“-Rating für die Aktie von ProSiebenSat.1 bestätigt und das Kursziel von 42 auf 40 Euro gesenkt. In einer Branchenstudie kommt er zu dem Schluss, dass sich die TV-Werbetrends in Europa weiter abschwächen und sich somit von den starken Konjunkturdaten abkoppeln. Ein wichtiges Argument pro Investments im TV-Bereich falle dadurch weg.

Werbung wichtig, aber nicht alles

DER AKTIONÄR kann die Analystenschelte jedoch nur teilweise nachvollziehen. Natürlich tragen Einnahmen aus dem Geschäft mit TV-Werbung derzeit noch rund die Hälfte des Konzernumsatzes bei – wenn die Dynamik nachlässt, schmerzt dies. Gleichzeitig muss man berücksichtigen, dass das Unternehmen frühzeitig auf Digitalisierung und Diversifizierung der Geschäftstätigkeit gesetzt hat.

Hauptwachstumstreiber der letzten Jahre ist der Bereich „Digital Ventures & Commerce“, wo ProSieben seine E-Commerce-Aktivitäten bündelt. Dass das Konzept funktioniert, zeigen der erfolgreiche Verkauf von Etraveli in der vorletzten Woche sowie die Umsatzsteigerung um 65 Prozent und ein Plus von 33 Prozent beim operativen Ergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr.

Zudem mischt der Konzern mit der Sparte „Digital Entertainment“ dank Maxdome und dem Omni-Channel-Network Studio71 im boomenden Online-Video-und Streaming-Geschäft mit und erschließt mit AdTech neue Werbe- und Vermarktungsmöglichkeiten im Internet, um auf die Stagnation im TV-Werbe-Markt zu reagieren.

Stoppkurs rückt näher

Bereits in Ausgabe 27/2017 hatte DER AKTIONÄR argumentiert, dass die bloße Fixierung auf die Entwicklung des TV-Werbemarkts in Anbetracht des gewandelten Geschäftsmodells nicht mehr angebracht ist. Entsprechend wird die heute losgetretene Verkaufswelle als übertrieben erachtet. Nichtsdestotrotz trübt sich das Chartbild dadurch deutlich ein – Anleger sollten daher den Stopp bei 33,50 Euro im Auge behalten.