ProSiebenSat.1-Aufsichtsrat trotz Berlusconi-Konzern-Kritik entlastet

UNTERFÖHRING (dpa-AFX) - Silvio Berlusconis Konzern Media for Europe (MFE) hat mit der Ankündigung, als Hauptaktionär den ProSiebenSat.1 <DE000PSM7770>-Aufsichtsrat nicht zu entlasten, keine Mehrheit hinter sich gebracht. Am Donnerstag waren rund 52 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen bei der Aktionärshauptversammlung und damit eine knappe Mehrheit für die Entlastung des Gremiums, wie der Aufsichtsratsvorsitzende Werner Brandt mitteilte. MFE hatte als Grund für seine Haltung fehlende Transparenz und eine ungewöhnliche Praxis bei der Nachbesetzung des Rats angeführt.

Das Verhältnis zwischen beiden Medienhäusern gilt als eher kühl. Im März hatte der Konzern des ehemaligen italienischen Regierungschefs Berlusconi mitgeteilt, die Schwelle von 25 Prozent der Stimmrechte an ProSiebenSat.1 überschritten zu haben. Aus dem Aktionärskreis kam die Frage auf, wie hoch der Wert denn tatsächlich sei.

Das Management von ProSiebenSat.1 in Unterföhring bei München fragt sich nach eigenen Angaben, welche langfristige Strategie der italienische Medienkonzern mit seinem Aktienanteil verfolgt. Immer wieder sprach dieser von einem europäischen Senderverbund, konkrete Ideen wurden bislang nicht bekannt.

ProSiebenSat.1-Chef Rainer Beaujean betonte in seiner Rede abermals, dass man aus eigener Kraft wachsen wolle. Länderübergreifende Plattformen könnten funktionieren - aber selten im Mediengeschäft. Das eigene Entertainment-Geschäft fokussiere sich auf lokale Inhalte, die sich von der Masse internationaler Streaming-Anbieter abhöben. Man könne sie zielgenauer ausspielen und so besser monetarisieren. Konsolidierung sei ein scheinbar einfacher Weg nach vorne, aber nicht der richtige, weil es keine relevanten länderübergreifenden Synergien gebe, betonte Beaujean.

An der Spitze des Aufsichtsrats gab es zugleich einen Wechsel. Brandts Amtszeit endete. Ein Nachfolger wurde gewählt: Ex-Axel-Springer Manager Andreas Wiele.

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