ProSiebenSat.1 übernimmt Jochen Schweizer – das müssen Anleger wissen

Nikolas Kessler
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ProSiebenSat.1 übernimmt Jochen Schweizer – das müssen Anleger wissen

Entsprechende Gerüchte hatte es bereits vor rund vier Wochen gegeben, nun ist es offiziell: ProSiebenSat.1 übernimmt das Erlebnisgeschenke-Geschäft der Jochen Schweizer Unternehmensgruppe. Die Aktie gehört am Mittwoch dennoch zu den Schlusslichtern im DAX.

Die Gutscheintochter von Jochen Schweizer soll demnach mit der ProSieben-Erlebnisgeschenke-Firma Mydays zur Jochen Schweizer Mydays Holding verschmolzen werden, an der ProSieben künftig 90 Prozent und Jochen Schweizer zehn Prozent halten werden. Das Geschäft mit Erlebnisanlagen wie die erst vor einigen Monaten eröffnete „Jochen Schweizer Arena“ ist nicht Bestandteil des Deals und verbleibt bei der Jochen Schweizer Unternehmensgruppe.

Wie viel ProSieben für die Gutscheinsparte bezahlt, wollte der Konzern nicht verraten – nur so viel: Der Transaktion liege ein Unternehmenswert von 108 Millionen Euro zugrunde, was nach Unternehmensangaben „einem Verhältnis aus Unternehmenswert und EBITDA von rund 11x per Ende des letzten Jahres entspricht.“

Beide Marken werden fortgeführt

Nach der Fusion sollen beide Marken bestehen bleiben. „Jochen Schweizer hat als Pionier der Erlebnis- und Eventbranche in Deutschland sein Unternehmen als starken Player etabliert. Seit 2015 setzen wir mit Mydays ebenfalls auf dieses Segment, haben den Markt verstanden und signifikantes Wachstum mit unserer Reichweitenstärke erzielt. Die Erweiterung unseres Portfolios durch die Marke und Kompetenz von Jochen Schweizer und deren Omnichannel-Positionierung ergänzt uns passgenau und liefert die Basis für weiteres Wachstum und Synergien“, so ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling.

Geld ist genügend da

Nachdem sich ProSieben bereits im vergangenen November im Rahmen einer überraschenden Kapitalerhöhung frisches Geld besorgt und erst am gestrigen Dienstag den Verkauf des Reiseportals Etraveli angekündigt hatte, hat der Konzern nach einer Berechnung des Manager Magazins nun rund eine Milliarde Euro auf der hohen Kante.

Zudem könnte die Veräußerung weiterer Portfolio-Unternehmen aus der Reisesparte zusätzliches Kapital für Übernahmen einbringen. ProSiebenSat.1 unterzieht den Bereich derzeit einer strategischen Prüfung. Zwar sei auch Mydays dem Travel-Vertical zugeordnet, der Konzern betont jedoch explizit, dass das Tochterunternehmen vom strategischen Review ausgenommen ist.

Aktie schwächelt erneut

Weder die geplante Fusion, noch die Meldung, dass der ehemalige ProSieben-Star-Moderator Stefan Raab im nächsten Jahr zumindest hinter der Kamera mit einer neuen Show zurückkehren wird, kann der Aktie am Mittwoch positive Impulse geben. Mit einem Minus von rund einem Prozent muss der Kurs stattdessen einen Teil der Vortagesgewinne abgeben. Grundsätzlich bleibt DER AKTIONÄR optimistisch, doch Anleger brauchen derzeit Geduld.