Propagandasender „Russia Today“ interviewt AfD-Politiker im MDR-Studio

In der Schalte für „Russia Today“ wurde Maximilian Krah lediglich als Anwalt vorgestellt. (Bild: Screenshot RT International)

Der von Russland finanzierte Sender „Russia Today“ hat den sächsischen AfD-Vize Krah zum Streitgespräch zugeschaltet – aus einem öffentlich-rechtlichen Studio. Der MDR kommt nun in Erklärungsnot.

„Gehört der Islam zu Deutschland?“ Über dieses Thema wurde am Mittwoch auf dem russischen Sender Russia Today (RT) diskutiert. RT wird vom russischen Staat finanziert und gilt als internationales Sprachrohr des Kremls. Für das Streitgespräch wurde unter anderem Maximilian Krah, Vize-Chef der AfD Sachsen, zugeschaltet, der seinem Unmut über den Islam Luft machte. Genau diese Schalte sorgt nun für heftige Kritik am MDR: Aufgezeichnet wurde das Interview mit Krah am Dienstag nämlich im Dresdner Studio des öffentlich-rechtlichen Senders.

„Muslimische Immigranten verursachen viel mehr Probleme als etwa osteuropäische oder vietnamesische Immigranten“, erklärte Maximilian Krah in dem Beitrag auf RT International. Deutschland müsse sich entscheiden, was es werden will, führte der Politiker weiter aus: Solle der Islam als Teil des Alltags und der Kultur akzeptiert werden, fragte er und berief sich dabei auf das Tragen der Burka und Gender-Diskriminierung. Krah wurde in dem Programm lediglich als „deutscher Anwalt“ vorgestellt, seine Rolle in der AfD fand keine Erwähnung.

Nun stellt sich die Frage, ob der MDR wirklich verpflichtet war, der AfD-Stimmungsmache gegen den Islam und dem Sender RT, der 2005 im Zuge einer Medienoffensive der russischen Regierung gegründet wurde, eine Bühne zu bieten.


Die MDR-Sprecherin Susanne Odenthal erklärte gegenüber dem „Tagesspiegel“, dass der Sender in der Tat verpflichtet sei, sein Studio zur Verfügung zu stellen. Die MDR-Tochterfirma MCS Sachsen sei lediglich technischer Dienstleister. Demnach werde bei Anfragen überprüft, ob es freie Kapazitäten im Studio gebe, der Inhalt einer solchen Schalte werde jedoch nicht geprüft. „Das handhaben wir bei allen Mitgliedern der EBU – der Europäischen Rundfunkunion, in der auch Russia Today International Mitglied ist – gleichermaßen“, führte der öffentlich-rechtliche Sender auf Twitter weiter aus.

Wie MDR-Sprecherin Odenthal später gegenüber dem „Tagesspiegel“ zugab, war diese Information jedoch inkorrekt: Russia Today ist kein Mitglied der EBU. „Die Anfrage ist wie die anderer ausländischer Fernsehsender vom Prinzip her so abgewickelt worden wie bei EBU-Mitgliedern auch“, ergänzte sie. NDR-Sprecherin Iris Bents erklärte derweil, dass der MDR durchaus Möglichkeiten gehabt hätte, die Anfrage von RT abzulehnen.


Nun schalten sich auch Politiker ein, die das Vorgehen des MDR kritisieren. „Wenn RT kein Mitglied der EBU ist, muss geklärt werden, wie es zu der Anfrage kam. Öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten dürfen nicht zu Propagandazwecken missbraucht werden. Das wird zu besprechen sein“, so Dirk Panter, Vorsitzender der sächsischen SPD-Landtagsfraktion und Mitglied des MDR-Rundfunkrates, gegenüber dem „Tagesspiegel“. „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sollte dem Propagandasender ‘Russia Today’ keine Hilfestellung welcher Art auch immer leisten“, stimmt der CDU-Bundestagsabgeordnete und medienpolitische Sprecher Marco Wanderwitz im Gespräch mit „Bild“ zu. „Es ist die Sache der Intendanten und Aufsichtsgremien, hier Abhilfe zu schaffen.“