"Projekt Schneekristall": Norwegens Biathleten wollen Wandel

Mit dem "Projekt Schneekristall" wollen Norwegens Biathleten auf die wachsende Dringlichkeit von Umweltschutzmaßnahmen auch zum Erhalt ihrer Sportart aufmerksam machen. Der norwegische Verband gab am Rande der Weltcup-Rennen im bayerischen Ruhpolding den Startschuss zur Kampagne seiner Aktiven mit dem Abbild eines schmelzenden Schneekristalls auf den Mannschaftsjacken.

"Das 'Projekt Schneekristall' ist das Symbol unserer Ungeduld, dass Klimaschutzmaßnahmen wirklich dazu beitragen, unsere Winter und unseren Biathlon-Sport zu retten. Wir wollen die Politiker ermutigen, schneller zu arbeiten und glaubwürdige Aktionspläne zu entwickeln", erklärte Verbandsgeneralsekretär Morten Djupvik bei der Vorstellung der Aktion.

Das Eigeninteresse seiner Organisation an effektiven Reaktionen auf den Klimawandel bestätigte Djupvik nachdrücklich. "Die jungen Biathlon-Talente von heute werden auf dem Höhepunkt sein, wenn die Erderwärmung nach Einschätzung des internationalen Klimarates die 1,5-Grad-Grenze überschreiten wird. Wo werden wir in Zukunft Schnee- und Ski-Möglichkeiten in Norwegen finden?", fragte der Funktionär.

Norwegen dürfte Expertenschätzungen zufolge wie andere Länder sein für 2030 gestecktes Ziel von 55 Prozent Emissionseinsparung verfehlen und den Ausstoß von Kohlendioxid lediglich um 25 Prozent reduzieren können. Laut einheimischen Klimawissenschaftlern hat die norwegische Hauptstadt Oslo in den vergangenen 30 Jahren bereits 21 Schneetage verloren.

Die norwegischen Winter-Zweikämpfer unterstützen ihren Verband aus Überzeugung. "Unsere Botschaft ist, dass sowohl die Behörden als auch die Industrie- und Wirtschaftsunternehmen und natürlich auch wir alle in der Sportbranche mehr tun müssen", sagte Biathletin Ingrid Landmark Tandrevold.

Ihr Verband verfolgt nach Djupviks Angaben neben dem Aufruf an die Politik zur Eile weitere Ansätze zur Bewusstseinsschärfung: "In unserem Aktionsplan zur Emissionsreduzierung  berücksichtigen wir die Hauptfaktoren Transport, Ernährung, Beschneiung und Ausrüstung. Wir werden die gesamte Biathlon-Familie einbeziehen."