Prognosekraft: Die sichersten Finanzmarktexperten

Zinsen, Aktien-Indizes, Währungen – die Finanzexperten der Banken produzieren viele Prognosen. Eine Studie zeigt, welches Institut wo am kompetentesten ist.

Im Frühjahr übernahm das Kölner Institut für Wirtschaftsforschung (IWK) die Durchführung des bekannten Prognosetests des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Unter der neuen Federführung nennt sich der Test nun IW Financial Expert Survey, die Methodik wurde nicht verändert. Das Institut überprüft über einen Zeitraum von drei Jahren die Prognosekraft der Finanzhäuser. In der Listung des Gesamtrankings werden nur Häuser geführt, die mindestens neun Prognosen in den letzten zwölf Quartalen der folgenden Indikatoren abgegeben haben: kurzfristige Zinsen, langfristige Zinsen, DAX, Stoxx 50 Europe, EUR/USD-Wechselkurs sowie der Ölpreis.

Ermittelt wurden zum einen die Prognosegüte über verschiedene Zeithorizonte: drei Jahre (Gesamtranking), drei Monate, sowie sechs Monate. Zum anderen unterschieden die Forscher zwischen der Übereinstimmung der Prognoserichtung (Richtungsprognostik) und der Theilschen Abweichung zur Benchmarkprognose (Punktprognostik: Differenz zum Wert am Zeitpunkt der Prognoseabgabe). 

Die besten Richtungsprognostiker sitzen bei der DZ Bank



Quelle: IWK

Ihre Voraussagen der letzten drei Jahre über das gesamte Prognosespektrum hinweg trafen in 63,9% der Fälle ein. Insbesondere bei der Voraussage der Kurzfristzinsen glänzen die DZ-Experten mit einer makellosen Bilanz (100%), erzielen aber in den anderen Cases kein Top-Ranking. Auf Rang zwei der richtungssichersten Prognostiker kommt die Unicredit (EUREX: DE000A163206.EX - Nachrichten) (61,5%). Paradedisziplin der Italiener war die Entwicklung der Langfristzinsen, die des Ölpreises sowie die Kursfahrt des Euro Stoxx 50. Rang drei erzielte wie im Vorquartalsranking die Hamburger Sparkasse (60,4%). 

Die Evaluierung der Prognosegenauigkeit wurde anhand der Theil’schen Ungleichheitskoeffizienten (TUK) vorgenommen. Je näher der Wert sich der Null nähert, desto perfekter ist die Prognose. Ein Wert von eins  bedeutet, dass die Prognosen nicht besser sind als eine Prognose, die davon ausgeht, dass sich die betrachtete Variable schlicht nicht verändert.

National-Bank nimmt es am genauesten



Quelle: IWK

Ganz vorne bei den Punktprognosen ist erneut die National-Bank. Sie verteidigt damit ihren Spitzenplatz im Vergleich zum Vorquartal, verschlechtert sich allerdings leicht von 1,016 auf 1,074. Die meisten Punkte erreicht sie in den Feldern langfristzinsen und Ölpreisentwicklung. Trotz gleich drei Top-Drei-Platzierungen im Einzelranking folgt die Commerzbank (Xetra: CBK100 - Nachrichten) mit einem TUK von 1,108. Besonders präzise zeigten sich die Commerzbanker bei der Prognose des DAX (TUK 0,883 – Platz eins) sowie der Vorraussage der langfristigen Zinsentwicklung und des Stoxx 50 Europe. Ebenfalls bei den Langfristzinsen punktet die die Nord/LB, die im Gesamtranking den dritten Platz erobert. 

Trotz der Auszeichnungen werden sich die Finanzmarktprofis in Bescheidenheit üben: Noch zum Jahresanfang waren sich die Experten überwiegend sicher, dass der DAX Mitte des Jahres bei 11.511 Punkten dotieren werde – sie verfehlten den Index damit um knapp 1100 Punkte.

Das Ranking finden Sie unten in der Bildergalerie.

(DW)