Prognose: Hochbau wächst trotz hoher Preise und Lieferengpässen

FRANKFURT (dpa-AFX) - Trotz knapper und teurer Baumaterialien, Fachkräftemangel und Konjunkturrisiken erwarten Experten für die kommenden Jahre ein moderates Wachstum im Hochbau. Maßgeblicher Treiber seien neben dem Wohnraummangel vor allem energetische Sanierungen für den Klimaschutz, heißt es in einer Studie der Strategieberatung EY-Parthenon, die am Freitag vorgestellt wurde.

"Der seit 2009 laufende Bauboom steht nicht vor dem Ende, aber trübt sich ein", sagte Björn Reineke, Partner bei EY-Parthenon. "Auch für die Folgejahre sind wir positiv gestimmt." So treibe der enorme Bedarf an energetischen Sanierungen von Gebäuden mit Dämmungen, Solardächern und Wärmepumpen die Branche langfristig an. "Das Handwerk ist damit auf Jahre ausgelastet."

Laut der Prognose dürfte das Volumen der erbrachten Bauleistungen bis 2024 preisbereinigt im Schnitt um rund 1,8 Prozent pro Jahr wachsen. Voraussetzung sei, dass der Ukraine-Krieg nicht unerwartet drastisch durchschlage. Eine Rezession in Deutschland könne das Bild ändern. "Derzeit sind die Auftragsbücher prall gefüllt, die Baufirmen stoßen an ihre Grenzen", sagte Reineke. Die Reichweite abzuarbeitender Aufträge liege bei bis zu fünf Monaten.

Lieferengpässe, rasant steigende Preise und der Mangel an Baumaterialen seien mehr eine Folge der Corona-Lockdowns in China als Folgen des Ukraine-Kriegs, meint Reineke. "Die Corona-Pandemie wird sich aber beruhigen und die Lieferkettenprobleme werden abebben".

2021 wuchs der Hochbau in Deutschland laut der Analyse preisbereinigt um 1,1 Prozent gemessen am Vorjahr. Das Wachstum habe sich um einen Prozentpunkt verlangsamt. Eine Stütze blieb der private Wohnungsbau, der stärker als der Wirtschaftsbau und der öffentliche Bau zulegte. Auch Nachholeffekte wegen der Corona-Pandemie halfen maßgeblich.

Die deutsche Bauindustrie hatte jüngst wegen Unsicherheit durch den Ukraine-Krieg, Lieferengpässen und teuren Materialien ihre Prognose gesenkt. Sie erwartet dieses Jahr preisbereinigt Umsatzrückgänge.

Negative Tendenzen im Neubau zeigten sich etwa bei steigenden Preisen sowie der Verfügbarkeit von Bauland und Fachkräften, stellte EY-Parthenon fest. Die Nachfrage nach Wohnraum sei aber weiter riesig und der Wohnungsbau intakt, sagte Reineke. Der starke Anstieg der Bauzinsen sei inflationsgetrieben und noch kein echter Hemmer am Bau.

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