Profitiert Katar von Transfer-Revolution für Nationalspieler?

Katars Emir Scheich Hamad bin Khalifa al-Thani (l.) und sein Sohn Scheich Jassim bin Hamad al-Thani (M.) an der Seite von President Scheich Salman bin Ebrahim al-Khalifa, Präsident des Asiatischen Fußball-Verbandes (AFC)

Kommt bald die große Transfer-Revolution für Nationalmannschaften?

Was sich anhört wie ein Scherz, könnte bald Wirklichkeit werden: Nach einem Antrag des afrikanischen Inselstaates Kap Verde prüft die FIFA nun, ob Spieler, die bereits Länderspiele für eine A-Nationalmannschaft absolviert haben, künftig auch für ein weiteres Land auflaufen dürfen.

Profis bisher nach A-Einsatz festgespielt

Dies ist laut den aktuellen Statuten nicht möglich.

Seit 2004 ist zumindest ein Wechsel möglich, obwohl bereits U-Länderspiele für das "Erstland" absolviert wurden. Voraussetzung dafür ist lediglich, dass entsprechende Vorfahren vorgewiesen werden oder der Spieler seit mindestens zwei Jahren im neuen Land lebt.

Wer aber ein Pflichtspiel für eine A-Nationalmannschaft absolviert hatte, gilt als "festgespielt".

Prominente Unterstützer hat der Antrag des Zwergenstaates bereits.

Katar könnte bei Heim-WM 2022 profitieren

"Die Welt verändert sich, die Immigration verändert sich. Der richtige Zeitpunkt ist da, um nach Lösungen zu suchen, ohne die Integrität des Spiels zu verletzen", sagte FIFA-Vizepräsident Victor Montagliani, der gleichzeitig auch Präsident des Nord- und Zentralamerikanischen Fußballverbandes Concacaf ist.

Mit großem Interesse dürfte vor allem Katar die Diskussion verfolgen, wo die Weltmeisterschaft 2022 stattfindet. Das Emirat hat sich noch nie für ein größeres Turnier qualifiziert und ist derzeit an Stelle 97 der Weltrangliste gelistet. Nach menschlichem Ermessen hätte das Land nach dem aktuellen Reglement sportlich also keine Chance bei seiner Heim-WM.

Erinnerungen an Handball-WM 2015 werden wach

Die große Möglichkeit könnte nun in dem Antrag liegen, über den im März 2018 auch DFB-Präsident Reinhard Grindel abstimmen wird, der ebenfalls im Kommitee sitzt.

Schon bei der Heim-WM vor zwei Jahren im Handball waren Spieler mit absurd hohen Geldsummen gelockt und im Schnellverfahren eingebürgert worden, Katar wurde schließlich Vize-Weltmeister mit nur vier Einheimischen im Team.

Grindel und Bierhoff gegen Verbands-Hopping

"Es darf nicht dazu kommen, dass sich reiche Länder eine Nationalmannschaft einkaufen können. Ein Verbands-Hopping wäre in meinen Augen ein Verstoß gegen den fairen Wettbewerb", sagte Grindel in der Sport Bild, auch Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff positioniert sich klar gegen eine derartige Regeländerung.

"Ich habe hier eine klare Meinung. Ich bin klar dagegen, dass Spieler, die bereits in der A-Mannschaft gespielt haben, noch einmal wechseln können. Dies würde nur unnötig einen neuen Transfermarkt bei den Nationalverbänden auslösen", erklärte Bierhoff.

Die Befürchtung: Finanzstarke Staaten wie Katar könnten sich so eine Weltauswahl zusammenkaufen mit Profis, die sich mit ihren Ländern nicht für die WM qualifiziert haben oder im eigenen Verband nur zweite oder dritte Wahl sind. 

Auch wenn das bedeuten würde, dass potentielle Kandidaten ab 2020 im Land leben und im Schnellverfahren eingebürgert werden müssten.