Fußball: Das Problem der "Fantastischen Vier" von Paris Saint-Germain

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Dank der Katar-Milliarden hat Paris Saint-Germain in den vergangenen Jahren ein Starensemble aufgebaut, das zumindest rein von den Namen her seinesgleichen im Weltfußball sucht. Doch vor allem die Fantastischen Vier, Mbappé, Neymar, Messi und Di María können die Erwartungen bisher nicht erfüllen.

Angel Di María, Kylian Mbappé, Lionel Messi und Neymar Jr von Paris Saint-Germain während des Ligue 1 Spiels gegen Marseille
Angel Di María, Kylian Mbappé, Lionel Messi und Neymar Jr sind bisher nicht so fantastisch, wie viele gehofft haben. (Bild: Xavier Laine/Getty Images)

Der Kader erinnert an die frühen 2000er und die "Galaktischen" von Real Madrid. In Paris sind es die "Fantastischen Vier", die vor allem im Rampenlicht stehen.

Dazu zählen Kylian Mbappé, Neymar, Ángel Di María und Neuzugang Lionel Messi, wobei bis auf Ersteren eigentlich keiner bislang in dieser Saison überzeugen konnte. Die Kritik in Frankreich richtet sich, wohl zurecht, jedoch nicht vornehmlich an die Superstars, sondern an Cheftrainer Mauricio Pochettino.

Nach einem mittelmäßigen Auftritt beim torlosen Remis am Sonntag gegen Olympique Marseille entbrannte einmal mehr die Diskussion, ob Pochettino wirklich weiß, wie er das ohne Zweifel vorhandene Potenzial seines Teams ausschöpfen kann.

Warum Messi nicht zur Geltung kommt

Gegen Marseille spielte PSG in einem 4-2-3-1 mit Messi auf der rechten sowie Di María auf der linken Seite und Neymar als Zehner hinter Mbappé. Messi durfte durchspielen, verbuchte jedoch nur 76 Ballberührungen und unternahm lediglich zwei Dribblings.

Der kleine Argentinier blieb für seine Verhältnisse bis auf wenige Szenen fast unsichtbar und strahlte keineswegs jene Dominanz aus, die ihm im Trikot des FC Barcelona auszeichnete.

Stichwort Barça: In Diensten der Katalanen spielte Messi nominell auch auf der rechten Seite, rückte aber ständig in die Mitte und besetzte das Sturmzentrum oder die Position dahinter. Aufgrund dieser Läufe nach innen war er für unmittelbare Gegenspieler nicht immer zu greifen – und zudem bewegte sich das Barça-Offensivspiel um ihn herum.

Messi bleibt unter Pochettino auf rechts

Bei PSG klebt Messi jedoch, wenn er auf rechts eingesetzt wird, vermehrt an der Außenlinie. Gegen Marseille erfolgten rund 70 Prozent seiner Ballkontakte auf der Seite. Der 34-Jährige agiert plötzlich als gewöhnlicher Flügelstürmer, der er in seiner Karriere eigentlich nie war.

"Was macht er rechts? Ehrlich gesagt weiß ich es nicht", sagte sein ehemaliger Sturmkollege Thierry Henry. "Ich sehe ihn dort drüben isoliert. Ich sage nicht, dass er auf der rechten Seite unzufrieden ist, aber er ist isoliert, er berührt den Ball seltener."

Nun könnte dahinter womöglich ein längerfristiger Plan stecken, um PSG zu einer unschlagbaren Mannschaft zu formen. Allerdings deuten die ständigen taktischen Veränderungen von Pochettino eher darauf hin, dass sich der Argentinier seiner Sache nicht sicher ist. Er versucht seine Superstars in ein passendes System einzubauen und ihnen klar definierte Aufgaben zu geben.

Ist bei PSG alles auf Mbappé ausgerichtet?

Damit möchte er wohl verhindern, dass das Team in zwei Teile zerbricht – nämlich in den Supersturm ganz vorn und Mittelfeld sowie Abwehr dahinter. Das geschah phasenweise unter Vorgänger Thomas Tuchel, der gerade Neymar und Mbappé alle möglichen Freiheiten zugestand. Deshalb musste das Mittelfeld um Marco Verratti jede Menge Löcher stopfen und außergewöhnlich viel Laufarbeit verrichten.

Pochettino verlangt jedoch auch von seinen Stars mehr Mitarbeit in allen Spielphasen. Diese Herangehensweise bringt dann etwa Neymar in Schwierigkeiten, der im Pressing selten richtig nachrückt oder die nächstgelegenen Passwege erkennt und zustellt. Auch Messi war noch nie ein hervorragender Pressing- und defensiver Umschaltspieler, wobei er das in Diensten von Barcelona auch nicht sein musste. 

Durch die taktischen Vorgaben von Pochettino wirkt der Angriff recht minimalistisch. Lediglich Mbappé gibt dem Spiel wirklich Tiefe, wobei der Franzose als Sturmspitze auch am wenigsten nach hinten arbeitet. "Für mich muss Mbappé der Boss des Angriffs sein", sagte Ex-Nationalstürmer Nicolas Anelka. "Neymar gibt ihm die Bälle. Messi war der Torjäger in Barcelona, aber jetzt muss er Mbappé dienen."

Das wirkt vielleicht wie eine krasse Ansicht, aber sie ist nicht zu weit von der momentanen Realität entfernt. Pochettino sollte sich allerdings die Frage stellen, ob er seinen Unterschiedsspielern neben Mbappé nicht zugunsten der taktischen Stabilität zu viele Freiheiten raubt. Ein Drahtseilakt für den PSG-Trainer.

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