Panne bei Start einer Ariane-5-Rakete

Eine Ariane-5-Rakete startet am 17. November 2016 in Kourou. Beim ersten Start in diesem Jahr gab es ein Kommunikationsproblem. Foto: S Martin/Arianespace Cnes/Csg/ARIANESPACE

Eigentlich gilt Europas Trägerrakete als zuverlässig. Doch jetzt erleben die Betreiber der Ariane 5 einen Schreckmoment: Kurz nach Zündung der Oberstufe bricht der Kontakt ab. Es sieht aber so aus, als ob der Fehler glimpflich ausging.

Kourou (dpa) - Beim ersten Start einer europäischen Ariane-5-Rakete in diesem Jahr sind wegen einer Panne zwei Satelliten am falschen Ort ausgesetzt worden. Wenige Sekunden nach Zündung der Oberstufe verloren die Bodenstationen den Kontakt mit der Trägerrakete.

Grund war nach ersten Untersuchungen wohl eine Abweichung von der geplanten Flugbahn, wie der Betreiber Arianespace am Freitag mitteilte.

Die beiden Satelliten an Bord wurden dennoch in einer stabilen Umlaufbahn ausgesetzt - aber nicht dem ursprünglich geplanten Orbit. Die Eigentümer konnten den Kontakt zu den Satelliten herstellen und äußerten sich zuversichtlich, dass sie mit ihren eigenen Antrieben an die richtige Position gebracht werden können.

Eine unabhängige Kommission unter Führung des Generalinspektors der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) soll nun klären, wie es zu dem Problem kam. Die Ariane 5 gilt als sehr zuverlässig, sie hatte zuvor 82 erfolgreiche Missionen in Serie absolviert.

Die Rakete war am Donnerstagabend (Ortszeit) planmäßig vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana in Südamerika gestartet. Nach etwas mehr als neun Minuten Flugzeit brach der Kontakt ab - insgesamt war die Mission auf gut eine halbe Stunde angelegt. Arianespace hatte somit in der wichtigen Flugphase, in der die Satelliten im All ausgesetzt wurden, keinen Kontakt zu der Trägerrakete. Später seien beide Satelliten geortet worden, erklärte Arianespace-Chef Stéphane Israël. «Beide Missionen gehen weiter.»

Der Satellitenbetreiber SES aus Luxemburg bestätigte die Verbindung zu seinem Satelliten «SES-14», der unter anderem Breitband-Verbindungen für Schiffe und Flugzeuge anbieten soll. Es werde nun an einem neuen Plan gearbeitet, um das Gerät in seinen Zielorbit zu bringen. «"SES-14" würde den geostationären Orbit damit nur vier Wochen später erreichen als ursprünglich geplant», teilte das Unternehmen mit. «SES bestätigt, dass das Raumfahrzeug bei guter Gesundheit ist (...) und erwartet wird, dass der Satellit die geplante Lebenszeit erreicht.»

Der zweite Kommunikationssatellit an Bord der Rakete war «Al Yah 3», den der Betreiber Yahsat aus Abu Dhabi ins All geschickt hatte. Auch er kündigte in einer Mitteilung die Umsetzung eines neuen Flugplans an, um «die ursprüngliche Mission zu erfüllen».

Satelliten werden von einer Trägerrakete in einem sogenannten Transferorbit ausgesetzt, von wo aus sie dann in ihre endgültige Umlaufbahn gebracht werden. Für große Telekomsatelliten ist dies ein geostationärer Orbit in rund 36 000 Kilometern Höhe - dort kreisen sie ebenso schnell um die Erde, wie der Planet sich um seine eigene Achse dreht. So bleiben sie immer über dem gleichen Punkt der Erdoberfläche.

Angekoppelt an «SES-14» war auch die NASA-Sonde «Gold», etwa so groß wie ein kleiner Kühlschrank. «Gold» (Global-scale Observations of the Limb and Disk) ist die erste NASA-Sonde, die als bezahlte Fracht auf einem kommerziellen Satelliten mitfliegt. Sie soll untersuchen, wie Wetter und Magnetfeld der Erde mit den Einflüssen des Alls interagieren. Mit den so gewonnenen Daten wollen Forscher unter anderem Kommunikationssignale verbessern.

Der Vorfall weckte Erinnerungen an eine Panne im August 2014, als ein Arianespace-Start zwei Satelliten des europäischen Navigationssystems Galileo in einer falschen Umlaufbahn ausgesetzt hatte. Sie waren damals aber mit einer Sojus-Rakete aus russischer Fertigung ins All gebracht worden. Diese Satelliten konnten später in eine günstigere Umlaufbahn navigiert werden.

Arianespace erklärte, dass die Vorbereitungen für die nächsten Starts in Kourou wie geplant weitergingen. Europas Trägerraketen-Industrie steht in einem harten Wettbewerb mit Anbietern wie dem amerikanischen Unternehmen SpaceX, das in den vergangenen Jahren den Markt aufgewirbelt hat. Deshalb entwickelt Europa derzeit das Nachfolgermodell Ariane 6, das Fracht billiger ins All bringen soll.