Pro und kontra: Wie steht es um die Gesichtserkennung von Facebook?

Privatsphäre war gestern – zumindest was Facebook-User betrifft. (Bild: Getty Images)

Seit dem 1. März testet Facebook auch in Deutschland die neue Funktion der automatischen Gesichtserkennung auf Fotos. Nicht alle Nutzer des sozialen Netzwerks sind darüber glücklich. Doch es gibt auch Argumente für diese umstrittene Neuerung.

Neue Funktionen und Updates werden in der Social-Media-Welt oft sehnlichst erwartet oder sogar von Usern eingefordert – andere stoßen auf Unverständnis. Die Funktion, um die Facebook seit Anfang März sein Angebot erweitert hat, sorgt vor allem für kritische Stimmen. Dabei hat die automatische Gesichtserkennung nicht nur Nachteile.

Pro-Argumente

Mehrere Dinge sprechen für das neue Feature. Zum einen wird kein Nutzer gezwungen, die Funktion zu verwenden. Facebook-User können selbst entscheiden, ob sie die Gesichtserkennung aktivieren oder nicht. Lässt man sie zu, entstehen viele Vorteile. In Fotos und Videos können erkannte Personen etwa schnell markiert werden. Selbst wird man wiederum gewarnt, wenn ein fremder Nutzer das eigene Foto als Profilbild verwendet. Zudem wird man informiert, wenn man selbst in einem Foto oder Video zu sehen ist, ohne markiert worden zu sein.

Laut Facebook diene die Funktion der Verbesserung der Privatsphäre, weil man als Nutzer mehr Kontrolle über die eigenen Fotos bekommt.

Als User hat man aufgrund der Gesichtserkennung mehr Einfluss auf sein öffentliches Image. (Bild: Getty Images)

Kontra-Argumente

Allerdings ruft die Neuerung auch einige Datenschützer auf den Plan. So sagte etwa der Hamburger Datenschutzbeauftragte Prof. Dr. Johannes Caspar, der in Deutschland für Facebook zuständig ist, zur „Süddeutschen Zeitung“: „Die Details des Einwilligungsverfahrens, insbesondere der Information der Nutzer, sind noch zu überprüfen.“ So müsse geprüft werden, ob Nutzerdaten von Facebook gelöscht werden, wenn Nutzer ihr Einwilligung widerrufen.

Caspar hatte bereits im Jahr 2012 Kritik an der Gesichtserkennung geäußert. Der Jurist plädierte damals für eine Opt-in-Lösung. Facebook hatte damals die Gesichtserkennung für die Nutzer in der EU lediglich mit einer Opt-out-Lösung angeboten. Sprich: Die Gesichtserkennung wurde automatisch aktiviert, wer sie nicht wollte, musste dies in den Einstellungen deaktivieren. Nach heftigen Protesten von Datenschützern wurde diese Funktion wieder abgeschaltet. Sechs Jahre später ist die Gesichtserkennung also mit einer Opt-in-Lösung wieder zurück.

Ebenfalls auf der Kontra-Liste: Zu den ohnehin schon vielen Benachrichtigungen kommen nun noch weitere hinzu. Jedes Mal, wenn die automatische Gesichtserkennung einen erkennt, bekommt man einen Hinweis.

Ein weiterer Nachteil ist ganz praktischer Natur: Nach Partys könnte man auf Fotos mit Leuten auftauchen, die man kaum kennt. So könnte sich mitunter eine unangenehme Kommunikation entwickeln, wenn man den Uploader des Fotos dazu bewegen will, das Foto wieder zu löschen.

Allerdings ergibt sich daraus wieder ein Vorteil: Dinge, die man mit der Öffentlichkeit nicht teilen möchte – etwa Fotos, die einen im Alkoholrausch zeigen – kann man nun aktiv beeinflussen. Ohne Gesichtserkennung wäre man auf solche Peinlichkeiten vielleicht gar nicht aufmerksam geworden.

Und wie schaltet man die neue Funktion ein?

Wer das neue Angebot nutzen will, muss in den Einstellungen den Reiter „Chronik und Markierungen“ anklicken. Dort steht dann unter anderem der Punkt: „Wer kann Markierungsvorschläge sehen, wenn Fotos mit Personen hochgeladen werden, die dir ähneln?“. Steht hier „Niemand“ ist die Funktion deaktiviert. Unter Bearbeiten kann man dann mehrere Optionen wählen, um die Gesichtserkennung einzuschalten.