Brennpunkt Montagsspiel: Das droht in Dortmund

Martin Hoffmann, Sportinformationsdienst (SID)
Sieht so die Südtribüne gegen Augsburg aus?

Eine spärlich besetzte Südtribüne, kaum Fangesänge, keine Choreographie: Auch das zweite reguläre Montagsspiel in der Bundesliga-Geschichte zwischen Borussia Dortmund und dem FC Augsburg (20.30 Uhr im LIVETICKER) wird kein ganz normaler Fußballabend werden.

Die Fanszene von Borussia Dortmund ist gegenüber den Montagsspielen ähnlich kritisch eingestellt wie die von Eintracht Frankfurt. Ein großer Teil der BVB-Anhänger will seine Haltung aber nicht durch kreative Protestaktionen kundtun - sondern durch Abwesenheit.

"Alles, was Fanszene gestaltet, ist am Montag nicht im Stadion", kündigte Jan-Henrik Gruszecki vom Bündnis Südtribüne - ein Sprachrohr der Szene - im Podcast "Auffe Ohren" an: "Ich glaube, dass alle sehr unzufrieden sein werden mit diesem Spiel."

Watzke kann BVB-Fans verstehen

Anders als beim Montagstermin vor einer Woche in Frankfurt, als die Eintracht-Fans mit verschiedenen Protestaktionen ihren Unmut über die Spieltagszerstückelung unübersehbar zum Ausdruck brachten, entschied sich ein Teil der Südtribüne für einen Boykott.

Unter den rund 300 im Bündnis organisierten Fanklubs gibt es eine breite Basis, die sich gegen den Besuch im Stadion entschieden hat.

"Ich glaube, dass der Vorteil dieser Kampagnen ist, dass jede Fanszene sie unterschiedlich interpretiert. Wir haben von vielen Fanklubs gespiegelt bekommen, dass es nicht machbar ist, die Leute ins Stadion zu bekommen", sagte Gruszecki. Man wolle mit dem Fernbleiben einen Denkprozess anstoßen. Womöglich hat er damit Erfolg.

Laut Bild sollen etwa 15.000 Fans den Boykottaufrufen folgen.

Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer des BVB, geht bereits deutlich auf die kritischen Anhänger zu. Er spüre bei allen Borussen-Fans eine sehr große Aversion dagegen, hatte der Geschäftsführer kürzlich in einem FAZ-Interview gesagt.


"Einheit mit den Fans ist uns mehr wert"

Man solle nicht alles unter kommerziellen Gesichtspunkten tun, was möglich ist, sagte der 58-Jährige. "Ohne Montagsspiele werden wir ab 2021 vielleicht ein, zwei Millionen Euro weniger einnehmen. Aber eine größere Einheit mit den Fans ist uns mehr wert."

Auch Trainer Peter Stöger äußerte Verständnis, "dass man den Montag nicht unbedingt als Lieblingstermin wahrnimmt". Verständnis für die Kritik an den Montagsspielen äußerte am Sonntag auch SPORT1-Experte Thomas Strunz im CHECK24 Doppelpass.

"Die Fans fühlen sich veralbert, weil es nur noch darum geht, noch mehr Fernsehgelder einzustreichen", glaubt er: "Sie haben Angst vor einer Zersplitterung des Spieltags. Ich kann die Fans total verstehen. Die ganze Diskussion ist leider nicht transparent und ehrlich geführt."

Grindel ist skeptisch

In der aktuellen Saison - und noch bis 2021 - sind fünf Montagsspiele angesetzt, sie wurden einstimmig von den Klubs beschlossen. Watzke ist aber nicht der einzige Klubboss, der zuletzt die Frage aufwarf, ob dieser Beschluss eine gute Idee war, auch Frankfurts Axel Hellmann hatte Verständnis für die Kritiker geäußert.


Offiziell dienen sie keinen kommerziellen Interessen. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert betonte zuletzt, es gehe um den "Interessensausgleich zwischen mitreisenden Fans einerseits und dem Amateurfußball andererseits, der nach wie vor sehr viele Spiele am Sonntag absolviert" - sowie um die Entlastung der Teilnehmer an der UEFA Europa League.

Viele Fans trauen dieser Darstellung nicht, sie fürchten ein Einfallstor für eine weitere Zerstückelung der Spieltage im Interesse der Fernsehpartner.

Auf die verwies auch DFB-Präsident Reinhard Grindel, als er in der Bild am Sonntag auf die Kritik und mögliche Lösungsvorschläge angesprochen wurde: "Es könnte perspektivisch vielleicht eine vermittelnde Lösung sein, zwei Spiele sonntags um 18.00 Uhr anzupfeifen. Laufende TV-Verträge in diese Richtung anzupassen, ist aber rechtlich schwierig."