Pro Asyl kritisiert geplanten Abschiebeflug nach Afghanistan

Pro Asyl kritisiert geplanten Abschiebeflug

Angesichts der jüngsten Anschläge in Afghanistan hat die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl einen bevorstehenden weiteren Abschiebeflug in das Land kritisiert. Es gebe "jede Woche Dutzende von Toten in Afghanistan" und doch werde weiter abgeschoben, erklärte Pro Asyl am Dienstag in Berlin. Die Organisation warf der Bundesregierung "Ignoranz" vor.

Die Regierung setze offenbar auf einen Gewöhnungseffekt und verweigere zugleich vernünftige Antworten auf die Frage, welche Regionen Afghanistans für sicher gehalten werden, kritisierte Pro Asyl. Am Dienstagabend soll ab Düsseldorf ein weiterer Abschiebeflug nach Afghanistan starten.

"Die Ignoranz der Bundesregierung gegenüber der dramatischen Sicherheitslage in Afghanistan ist schlichtweg schauderhaft", kritisierte auch die Grünen-Politikerin Claudia Roth. "Es braucht schon eine gehörige Portion an Dreistigkeit, um von sicheren Gebieten zu sprechen, wenn die Taliban selbst in der Hauptstadt schalten und walten, wie es ihnen passt."

Erst in der Nacht zum Sonntag war das Hotel Intercontinental in der afghanischen Hauptstadt Kabul angegriffen worden. Dabei wurden mindestens 22 Menschen getötet, darunter nach Angaben der Bundesregierung auch eine Deutsche.

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, forderte mehr Personal für die Rückführung abgelehnter Asylbewerber. Allein im Jahr 2016 habe es insgesamt 243 Sammelabschiebungen gegeben, nicht nur nach Afghanistan, sondern auch auf den Westbalkan und nach Westafrika, sagte Radek am Dienstag im Bayerischen Rundfunk. "Und wir haben dafür nicht mehr Personal bekommen."

Die Bundespolizei sei auf Rückführungen personell nicht vorbereitet gewesen, sagte der GdP-Vizechef weiter. Dies sei eine "Aufgabe mit einem unglaublich hohen Koordinierungsaufwand". Aus der gesamten Bundespolizei würden Kräfte zusammengestellt, darunter ganz normale Kontroll- und Streifenbeamte.