Warum das Plus bei Julius Bär die Anleger trotzdem nicht glücklich macht


Obwohl die Privatbank Julius Bär am Montag ein sattes Gewinnplus ausweisen konnte, reagierten die Aktionäre enttäuscht. Die Schweizer haben im ersten Halbjahr dank eines guten Kommissions- und Handelsgeschäfts deutlich mehr verdient. Der bereinigte Gewinn stieg um 19 Prozent auf 480 Millionen Franken, wie der drittgrößte Schweizer Vermögensverwalter am Montag mitteilte.

Doch Aktionäre stellen sich offenbar darauf ein, dass Bär in Zukunft weniger schnell wächst. Der Aktienkurs gab bis zum Mittag um rund vier Prozent nach. Im Schweizer Börsenbarometer SMI war die Privatbank damit das Schlusslicht.

Zwar bestätigte Bankchef Bernhard Hodler die Mittelfristziele und versuchte, Optimismus zu verbreiten: „Julius Bär läuft auf allen Zylindern“, sagte der Schweizer. Doch zugleich bekommt auch Bär die wachsende Unsicherheit an den Märkten zu spüren. „Wir haben festgestellt, dass unsere Kunden mit mehr Vorsicht agieren“, sagte Hodler.


Unter Hodlers Vorgänger Boris Collardi war Bär in den vergangenen Jahren stark gewachsen, während die Bank deutlich mehr Kundenberater einstellte. Im ersten Halbjahr waren 79 neue Kundenberater dazugekommen. Doch das hohe Tempo dürfte nachlassen.

So legten die verwalteten Vermögen in den ersten sechs Monaten um rund drei Prozent auf 400 Milliarden Franken zu. Das war etwas weniger, als von Analysten erwartet. Hodler will die Bank mit organischem Wachstum, der Einstellung neuer Kundenberater und strategischen Zukäufen vergrößern – und schloss dabei auch größere Deals nicht aus.

Im Juni hatte Bär die Übernahme des brasilianischen Vermögensverwalters Reliance abgeschlossen. Zuletzt hatte die Bank ankündigte, ihr Geschäft im asiatisch-pazifischen Raum auszubauen. Dafür überprüft sie Übernahmen und Partnerschaften. Im Fokus liegen China, Indien und Indonesien, die drei Länder gelten gemeinsam mit Singapur und Hongkong als Kernmärkte der Bank.

Das starke Wachstum hatte am Markt große Erwartungen geschürt. „Julius Bär hat ein mehr als solides Kennzahlenset vorgelegt, allerdings ohne dabei die Erwartungen toppen zu können“, urteilen die Analysten der Zürcher Kantonalbank.


Die letzten Wochen hätten gezeigt, dass Bär als Vermögensverwalter abhängig von der Marktstimmung sei, die sich eingetrübt habe. Vontobel-Analyst Andreas Venditti fürchtet zudem den „Collardi-Effekt“: Hodlers Vorgänger war zur Genfer Privatbank Pictet gewechselt. Venditti hält es für möglich, dass ihm wichtige Mitarbeiter folgen könnten. „Wir glauben, dass sich etwaige Negativeffekte erst an den Jahreszahlen Julius Bärs ablesen lassen werden“, schreibt der Analyst. Laut Bär-Chef Hodler hat die Bank derzeit keine Probleme damit, Personal zu halten.