Die Privatbank Hauck & Aufhäuser wächst – mithilfe chinesischer Investoren


Rund zwei Jahre ist es her, dass die Frankfurter Privatbank Hauck & Aufhäuser vom chinesischen Mischkonzern Fosun übernommen wurde. Seither steckt das Traditionshaus im Umbruch, und die Veränderungen werden sich in den kommenden Monaten noch einmal beschleunigen.

Vorstandschef Michael Bentlage und seine Kollegen machen sich daran, Synergien mit anderen Teilen des Fosun-Imperiums zu heben. Denn den Chinesen gehört in Deutschland nicht nur das Frankfurter Bankhaus, sondern auch die Frankfurter Leben, ein Unternehmen, das sich darauf spezialisiert hat, Lebensversicherungsbestände und Altersvorsorgeverträge von Versicherern und Pensionskassen aufzukaufen. Run-off heißt dieses Modell im Fachjargon.

Bentlage plant nach Informationen des Handelsblatts, den Bereich Asset-Management aus Hauck & Aufhäuser herauszulösen und in ein Joint Venture mit Frankfurter Leben einzubringen.


Davon sollen beide Seiten profitieren: Frankfurter Leben durch eine Optimierung des Asset-Managements, und Hauck & Aufhäuser, weil das verwaltete Vermögen deutlich steigen würde. Frankfurter Leben betreut derzeit rund zehn Milliarden Euro an Kapitalanlagen und rund 700.000 Altersvorsorgeverträge.

Außerdem will Hauck & Aufhäuser sein Angebot im Asset-Management deutlich ausweiten und dafür auch neue Teams einkaufen. Konkret geht es Bentlage dabei um neue Anlageklassen wie Private Debt, also von Großinvestoren aufgelegte Kreditfonds und Liquid Alternatives, Hedgefonds-ähnliche Strategien, die allerdings in einem regulierten Produktmantel angeboten werden.

Fosun hatte Hauck & Aufhäuser 2016 übernommen. Damals schrieb das Bankhaus einen Jahresverlust von acht Millionen Euro. Wie stark die Übernahme die Bank verändert hat, zeigen die Zahlen für das erste Halbjahr.

Der Vorsteuergewinn kletterte in den ersten sechs Monaten 2018 auf gut 14 Millionen Euro, das ist mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Die Bruttoerträge stiegen von knapp 65 Millionen Euro auf über 100 Millionen Euro. Dazu hat auch die Übernahme des Fondsservicegeschäfts von Sal. Oppenheim in Luxemburg beigeträgen.

Allerdings wären die Bruttoerträge des Geldhauses auch ohne den Zukauf deutlich über 20 Prozent gestiegen, heißt es in einem internen Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt. Für das Gesamtjahr 2018 plant die Privatbank in chinesischem Besitz nach Informationen aus Finanzkreisen ein Ergebnis von um die 20 Millionen Euro.

Die Ausgliederung des Asset-Managements ist nicht die einzige größere Veränderung, die bei Hauck & Aufhäuser ansteht. Bentlage will noch in diesem Herbst mit einer eigenen digitalen Vermögensverwaltung an den Start gehen.

Davon verspricht sich der Vorstandschef die Erschließung neuer Kundengruppen. Wer bislang in den Genuss der Vermögensverwaltung des Bankhauses kommen will, muss in der Regel rund eine Million Euro mitbringen.

Beim hauseigenen Roboadvisor soll die Einstiegsschwelle bei 50.000 Euro für eine Vermögensverwaltung liegen, die auf Fonds basiert, und bei 150.000 Euro, wenn der Kunde die Betreuung auf Basis einzelner Wertpapiere wünscht.