"Prinz Harry" trifft dreifach: England feiert historisches Schützenfest

"Prinz Harry" trifft dreifach: England feiert historisches Schützenfest

"Prinz Harry" hat die englische Nationalmannschaft mit drei Treffern zu einem historischen Kantersieg und ins Achtelfinale der Fußball-WM in Russland geschossen. Angeführt von ihrem torhungrigen Kapitän Harry Kane spielten sich die Three Lions in Nischni Nowgorod in einen Rausch und deklassierten den bemitleidenswerten WM-Neuling Panama mit 6:1 (5:0). Beim mit Abstand höchsten englischen Turniersieg traf die Auswahl von Trainer Gareth Southgate erstmals häufiger als die Weltmeister von 1966 im Finale gegen Deutschland (4:2).
Panama war allerdings wahrlich kein Prüfstein. Der wartet auf die Junglöwen erst am kommenden Donnerstag in Kaliningrad gegen die ebenfalls vorzeitig für die K.o.-Runde qualifizierten Belgier. Auch die Roten Teufel hatten beim 5:2 gegen Tunesien am Samstag einen Kantersieg gefeiert. England und Belgien liegen im Kampf um den Gruppensieg punkt- und torgleich an der Tabellenspitze. Kane führt die Torjägerliste nun mit fünf Treffern vor Romelu Lukaku und Cristiano Ronaldo an (je 4).
Southgate kam aus dem Jubeln kaum heraus, in der ersten Halbzeit war fast jeder Schuss ein Treffer. Der Coach riss allerdings stets nur den linken Arm in die Höhe. Die rechte Schulter hatte er sich bei einem Sturz verletzt. John Stones (8./40.), Kapitän Kane mit zwei Foulelfmetern (22./45.+1) und Jesse Lingard (36.) trafen vor der Pause, Englands Fußball-Idol Gary Lineker twitterte: "Jetzt wird's langsam albern!"
Doch damit nicht genug: Nach dem Seitenwechsel legte Kane (62.) nach und ist damit nach Lineker und Geoff Hurst der dritte Engländer, der in einem WM-Spiel drei Tore erzielt hat. Lineker gelang dieses Kunststück 1986 gegen Polen, Hurst schoss die Three Lions im Finale '66 mit den drei Treffern zum bislang einzigen WM-Titel - darunter auch das berühmte Wembley-Tor. Felipe Baloy (78.) erzielte den ersten WM-Treffer Panamas - begeistert gefeiert von den eigenen Anhängern unter den 43.319 Zuschauern.
Vor dem Spiel hatte noch eine vermeintliche Zettelpanne für Aufregung im englischen Quartier gesorgt. Angeblich verriet das Papier in der Hand von Co-Trainer Steve Holland bereits am Donnerstag die Aufstellung gegen Panama - mit zwei Wechseln im Vergleich zum Sieg über Tunesien (2:1). Die Aufregung, die den Boulevard zur Schlagzeile "Lions Leaked" inspiriert hatte, war überzogen. Letztlich kam nur Ruben Loftus-Cheek für den am Oberschenkel verletzten Dele Alli ins Team.
Das junge Team der Löwen lässt sich in diesen Tagen ohnehin nicht von der Unruhe in der Heimat verunsichern. Das Vertrauen in die eigenen Stärken scheint grenzenlos zu sein. Tempo, Kreativität und Kane - die Dreifaltigkeit der Engländer reichte trotz einiger Wackler zu Beginn gegen Panama locker aus, auch weil die Standards erneut eine spitze Waffe waren.
Abwehrchef Stones, der Manchester City vor zwei Jahren 55 Millionen Euro wert war, erzielte bereits das dritte Tor nach einer Ecke. Gegen Tunesien hatte Kane zweimal zugeschlagen. Der 24-Jährige von Tottenham Hotspur hämmerte voller Selbstvertrauen seine beiden Elfmeter ins Netz, als letzter Engländer hatte David Beckham 2002 bei einer WM per Strafstoß getroffen.