Prinz Harry spricht in "The Me You Can’t See": "Sie werden nicht aufhören, bis sie stirbt"

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Prinz Harry hat in der fünfteiligen Doku-Serie "The Me You Can't See" mit Oprah Winfrey offen über den Tod seiner Mutter, sein damit verbundenes Trauma, seinen Kampf mit dem Leben als Royal und die psychischen Probleme seiner Frau Herzogin Meghan gesprochen. GALA fasst die eindringlichsten Aussagen zusammen. Teil 1.

Herzogin Meghan und Prinz Harry
Herzogin Meghan und Prinz Harry

Prinz Harry wollte kein Royal sein

Herzogin Meghan, 39, ist der Grund, warum Prinz Harry, 36, das Königshaus verlassen hat, sind sich viele Beobachter sicher. Mit diesem Gerücht räumt die Nummer sechs der britischen Thronfolge auf. "Ich wollte immer normal sein, das Gegenteil von Prinz Harry. Einfach nur Harry", stellt er klar und bezeichnet sein Leben als Teil der Monarchie als "verwirrend". Schon als Kind bekommt er mit, wie seine Mutter von den Paparazzi gejagt wird. Der frühe Tod der Prinzessin traumatisiert ihn. Doch niemand aus seiner Familie habe ihm bei der Bewältigung geholfen, behauptet Harry heute. Der Autounfall sei ein Tabuthema gewesen.

Als er erwachsen ist, quälen ihn Angstzustände und Panikattacken. "Bevor ich das Haus verließ, war ich schweißgebadet, meine Herzfrequenz raste", erinnert er sich. Mit Ende 20 habe er sich die ernsthafte Frage gestellt, ob er wirklich "hier sein sollte". Angehörige hätten ihm gesagt, er solle "das Spiel" der Monarchie und der Medien einfach mitspielen, sein Leben werde dadurch leichter. "Aber ich habe verdammt viel von meiner Mutter in mir", betont Harry in der Doku-Serie. Er habe das Gefühl gehabt, außerhalb des royalen Systems zu stehen, aber gleichzeitig in ihm gefangen zu sein.

Burnout wegen zu viel Arbeit

"Gegen Ende 20 wurde alles sehr hektisch für mich, bis zur Erschöpfung", sagt der Vater eines Sohnes zu Oprah Winfrey in der zweiten Folge der Serie. "Ich war überall unterwegs, weil ich aus familiärer Sicht die Person war, die das mag. 'Wir brauchen jemanden, der dorthin geht. Nepal. Harry, du gehst‘". Er habe immer zu allem ja gesagt – und viele Jas hätten schließlich zu einem Burnout geführt.

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Prinz Harry hatte Angst, dass sich Meghan Markle von ihm trennt

Im Juli 2016 lernt der 31-Jährige seine zukünftige Frau kennen – und diese inspirierte ihn dazu, ernsthaft eine Therapie zu machen. Zwar habe er zuvor schon Ärzt:innen und Expert:innen für mentale Probleme getroffen. Doch: "Es war das Kennenlernen und Zusammensein mit Meghan. Ich wusste, dass ich diese Frau, mit der ich den Rest meines Lebens verbringen könnte, verlieren würde, wenn ich keine Therapie machen und mich nicht reparieren würde." Er habe festgestellt, dass er sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen müsse, "wenn diese Beziehung [mit Meghan] funktionieren sollte, weil es da Wut gab und es keine Wut auf sie war."

In der Therapie habe er gemerkt, dass er in der Königsfamilie "in einer Blase" lebe und in seinem Denken gefangen sei. Heute geht es dem Prinzen, der sich immer noch professionell betreuen lässt, deutlich besser. "Ich fühle mich jetzt wohler in meiner Haut. Ich bekomme keine Panikattacken. Ich habe in den letzten vier Jahren mehr über mich gelernt als in den 32 Jahren zuvor. Und dafür muss ich meiner Frau danken."

Am 16. Januar 2019 besuchen Prinz Harry und Herzogin Meghan eine Aufführung des "Cirque du Soleil" in London. Während die werdende Mutter sich nichts anmerken lässt, wirkt ihr Mann angespannt und traurig. 
Am 16. Januar 2019 besuchen Prinz Harry und Herzogin Meghan eine Aufführung des "Cirque du Soleil" in London. Während die werdende Mutter sich nichts anmerken lässt, wirkt ihr Mann angespannt und traurig.

Herzogin Meghan wollte sich das Leben nehmen

Auch Meghan litt unter schwerwiegenden, psychischen Problem: Sie fühlte sich im Palast nicht wohl und einer medialen Hetzjagd ausgesetzt. Am Abend des 16. Januars 2019, kurz vor einem Auftritt in der Royal Albert Hall in London und vier Monate vor der Geburt ihres Sohnes Archie, kam der wohl dunkelste Tag in der Beziehung des Paares: Meghan gesteht ihre Suizidgedanken.

"Sie war absolut zurechnungsfähig, aber in der Stille der Nacht haben sie ihre Gedanken aufgeregt“, erinnert sich Harry in "The Me You Can’t See". "Was sie diese Situation hat durchstehen lassen, war der Gedanke an mich und daran, was mir in der Vergangenheit widerfahren ist. Sie wollte mich nicht in die Position bringen, eine weitere Frau in meinem Leben zu verlieren – mit einem Baby, unserem Baby, in ihrem Inneren." Er schäme sich, wie er mit Meghans Offenbarung umgegangen sei. Eine schnelle Umarmung, und schon seien sie ins Auto gesprungen und zur Royal Albert Hall gefahren, um dort ihre Pflicht zu erfüllen – und so zu tun, als sei alles in Ordnung.

Suizid Infobox

Prinz Harry und Herzogin Meghan erhielten keine Hilfe von den Royals

Er sei wütend auf sich selbst gewesen, gibt Harry zu, weil er sich und Meghan aus der Situation nicht habe befreien können. Und nicht nur das: Er habe sich abermals geschämt. Dieses Mal, weil er wegen der Probleme seiner Frau zu seiner Familie gegangen sei – wohlwissend, dass diese ihm nicht das geben würde, was er brauche. Dennoch hatte der Prinz offenbar Hoffnung – und wurde seiner Aussage nach bitter enttäuscht. "Ich dachte, meine Familie würde helfen. Aber jede einzelne Frage, Bitte, Warnung, was auch immer, wird nur mit völliger Stille und völliger Missachtung beantwortet."

Harry fürchtet, dass Meghan wie seine Mutter zu Tode gejagt wird

"Die Geschichte wiederholt sich. Meine Mutter wurde in den Tod gejagt, während sie in einer Beziehung mit jemandem war, der nicht weiß war", nimmt Prinz Harry Bezug auf die Beziehung von Prinzessin Diana und Dodi Al Fayed und erneuert damit die bereits im März 2021 getätigten Rassismusvorwürfe gegen die Presse. Harry ergänzt über seine Frau: "Sie werden nicht aufhören, bis sie stirbt. Es ist ein unglaublicher Trigger, möglicherweise eine andere Frau in meinem Leben zu verlieren."

Harry wollte Archie nicht alleine großziehen

Vier Jahre, von 2016 bis 2020, hätten er und Meghan Markle alles versucht, ihre Rollen im Königshaus zu erfüllen, sagt Prinz Harry zu Oprah Winfrey. Erfolglos. Er habe sich gefangen gefühlt und keine Möglichkeit gesehen, sich zu befreien. Dann der Wendepunkt. "Ich hatte dann einen Sohn, auf den ich mich lieber konzentrieren wollte, als [darauf,] mich jedes Mal, wenn ich in seine Augen schaue, zu fragen, ob meine Frau wie meine Mutter enden wird und ich mich alleine um ihn kümmern muss. Das war einer der größten Gründe zu gehen: sich gefangen zu fühlen und sich durch Angst kontrolliert zu fühlen."

Die Royal Family wollte den Megxit verhindern

"Als ich schließlich diese Entscheidung für meine Familie traf, [zu gehen], wurde mir immer noch gesagt: 'Das kannst du nicht tun.' Und ich dachte: 'Nun, wie schlimm muss es werden, bis ich das darf?' Sie [Meghan] war dabei gewesen, ihr Leben zu beenden. Es sollte nicht so weit kommen." Am 8. Januar 2020 geben die Sussexes auf Instagram bekannt, nach langen Diskussionen als Senior Royals zurückzutreten. Sie ziehen erst nach Kanada, im März in die USA. Erst nach Beverly Hills in die Villa eines Freundes, danach in ihr eigenes Zuhause in Montecito. Ein Jahr später erzählt das Paar seine Geschichte in einem TV-Interview mit Oprah Winfrey. Kurz davor muss Meghan einen Rückschlag verkraften.

Herzogin Meghan wegen Mobbing-Vorwürfen in Tränen aufgelöst

"Ich wurde mitten in der Nacht geweckt, weil sie [Meghan] in ihr Kissen weinte", offenbart Prinz Harry in der Doku über eine Situation, die sich zwei Tage vor der Ausstrahlung des Oprah-Talks abspielte. Seine Frau habe ihn nicht wecken wollen, weil auch er "schon zu viel mit [sich] herumtrage". Für den emotionalen Zusammenbruch hat der Herzog von Sussex zwei Schuldige gefunden: die Medien und den Palast, denn diese hätten eine Schmierenkampagne gegen Meghan gestartet und Mobbing-Gerüchte über sie in die Welt gesetzt. Die besagte Situation in der Nacht habe er als "herzzerreißend" empfunden, sagt Harry. "Ich habe sie gehalten, wir haben geredet, sie hat geweint und geweint und geweint."

Herzogin Meghan: Palast-Angestellte werfen ihr Mobbing vor

Mit dem Oprah-Interview wollte Prinz Harry seiner Familie näherkommen

Mit den Oprah-Enthüllungen über Selbstmordgedanken, Rassismus und Enttäuschungen in der Königsfamilie haben die Sussexes für einen Medien-Aufruhr gesorgt. Während viele Außenstehende das Gespräch als Sargnagel für die Beziehung von Harry und der Royal Family sehen, hat der Prinz eine ganz andere Einstellung zu dieser Angelegenheit. In "The Me You Can’t See" beschreibt er das Interview als "echt und authentisch" und erklärt: "Ich denke, dass wir in der Lage waren, Wahrheiten auf möglichst mitfühlende Weise auszusprechen, und so eine Öffnung für Versöhnung und Heilung zu lassen."

Verwendete Quellen: AppleTV+, people.com, mailonline.co.uk