Primera Division: Ronaldo in der Krise: Die Sache mit der Scheiße am Fuß

Der Name Cristiano Ronaldo steht wie kein anderer für Tore. In der Primera Division läuft es für den Superstar von Real Madrid derzeit jedoch alles andere als erfolgreich. SPOX auf den Spuren der Krise.

Der Name Cristiano Ronaldo steht wie kein anderer für Tore. In der Primera Division läuft es für den Superstar von Real Madrid derzeit jedoch alles andere als erfolgreich. SPOX auf den Spuren der Krise.

Haben wir Krise geschrieben? Ups! Glaubt man Ronaldo, besteht eigentlich gar kein Grund zur Sorge. "Ich denke nicht, dass es sich um eine Krise handelt", stellte der Portugiese Anfang November nach der 1:3-Niederlage gegen die Tottenham Hotspur in der Champions League fest.

Tatsächlich stecken die Königlichen als Titelverteidiger im europäischen Wettbewerb nicht in einer Krise. Das gilt auch für Ronaldo selbst, der in vier Spielen sechs Tore erzielte. Natürlich sind davon zwei Treffer per Elfmeter verbucht worden, letztlich ist eine Quote von einem Tor pro Spiel jedoch auch eines Ronaldo würdig.

Gänzlich anders gestaltet sich die, nun eben doch, Krise in der spanischen Liga. Acht Punkte trennen Real Madrid und Tabellenführer FC Barcelona nach elf Spieltagen. Und Ronaldo, sonst eigentlich der Erfolgsgarant für sein Team, hat in sieben Einsätzen erst ein einziges Tor markieren können.

Sperre verzögert Ronaldo-Start

Noch vor der richtigen Saison musste der 32-Jährige bereits einen Rückschlag hinnehmen. Im Superpokal gegen den FC Barcelona wurde er aufgrund einer Schwalbe mit Gelb-Rot vom Platz geschickt. Aus Ärger über den Platzverweis schubste Ronaldo den Schiedsrichter und wurde vom Sportgericht Spaniens für vier Ligaspiele gesperrt.

Das erste Spiel in der Meisterschaft bestritt er somit erst Mitte September gegen Real Betis. Die fehlende Spielpraxis zum Start der Saison machte sich bemerkbar, Ronaldo wirkte nicht angekommen und vergab einige hochkarätige Chancen. Schon dort deutete sich die schwere Saison des Portugiesen an.

Vor dem 12. Spieltag hat sich an dieser Situation nicht viel geändert. Ronaldo flucht und gestikuliert wild auf dem Platz, nach vergebenen Chancen trommelt er mit den Fäusten auf den Boden. Es scheint bislang nicht die Saison des mehrfachen Weltfußballers zu werden.

Quantität der Schüsse gleich

Dabei sprechen die Statistiken sich nicht klar gegen Ronaldo aus. 5,3 Mal schoss er im Schnitt in der laufenden Saison in Richtung des gegnerischen Tores (geblockte Schüsse nicht einberechnet). Das ist sogar häufiger als in den vergangenen beiden Saisons mit 4,4 (16/17) beziehungsweise 5,2 (15/16).

Mehr Schüsse aufs Tor also als in den vergangenen Jahren pro Einsatz. An der Quantität scheint es nicht zu liegen. Eine Chancenverwertung von etwa drei Prozent spricht eine klare Sprache: Es liegt an der Qualität seiner Abschlüsse. Das wird schon beim Vergleich der wirklichen Schüsse aufs Tor deutlich.

Etwa jeder zweite Schuss landete in den vergangenen beiden Spielzeiten auf dem Tor. In diesem Fußball-Jahr jedoch hat Ronaldo nur jeden dritten Schuss auf den Kasten seines Gegners gebracht. Eine statistische Verschlechterung, die ihre Gründe in irgendeiner Form auf dem Platz haben muss.

Ronaldo zentraler zu finden

Auffällig ist schon seit Mitte der vergangenen Saison, dass Ronaldo immer zentraler agiert. Trainer Zinedine Zidane sah sich durch die guten Leistungen Iscos gezwungen, die Grundordnung anzupassen und stellt die Königlichen seitdem mehr und mehr in einem 4-3-1-2 auf.

So gehören die Flügel immer mehr den Außenverteidigern, während Ronaldo sich zunehmend zur Mitte orientieren musste. Dies konnte er jedoch in der vergangenen Saison durchaus erfolgreich gestalten, wenngleich schon ein Rückgang der Tore zu verzeichnen war. 25 derer waren es 16/17, in der Saison 15/16 waren es noch 33.

Ein leichtes Indiz für die zentralere Rolle in der vergangenen Saison stellt die Quote an Kopfballtoren da. 24 Prozent aller Tore erzielte Ronaldo mit dem Kopf (6/25), in der vorigen Saison waren es noch rund 18 Prozent gewesen (6/33). Diese Quote kann allerdings durch Standards massiv beeinflusst werden und ist somit auch wenig repräsentativ.

Mehr Abschlüsse von rechts

Wer mit dem statistischen Modell der Expected Goals vertraut ist, weiß, dass Abschluss nicht gleich Abschluss ist. Einfach gesagt hat ein Schuss aus 40 Metern unter Druck eine geringere Wahrscheinlichkeit, zu einem Tor zu werden, als ein Abschluss aus fünf Metern frei vor dem Torwart.

Da sich die Quantität der Abschlüsse Ronaldos nicht verschlechtert hat, muss es an der tatsächlichen Situation beim Abschluss des Portugiesen liegen. Da Ronaldo nicht regelmäßig aus 40 Metern abzieht und so seine Statistik aufpoliert, ist es allerdings kaum an der Entfernung zum Tor festzumachen.

Ronaldo feuert die meisten seiner Schüsse noch immer innerhalb des Strafraums ab. Deutlich zu erkennen ist aber, dass es anteilsmäßig mehr Schüsse von der rechten Seite geworden sind - in den Jahren zuvor suchte CR7 vermehrt den Abschloss von links oder mittig aus dem Strafraum.

Weniger Konteraktionen für CR7

Neben der Position muss auch in Betracht gezogen werden, ob der Stürmer bei seinem Abschluss gestört wird oder sich - wie im Fußball-Jargon gerne gesagt - die Ecke frei aussuchen kann. Wer an die vielen Jahre Ronaldos in Madrid zurückdenkt, hat mit großer Sicherheit einige Konterszenen im Kopf.

Unter Jose Mourinho etwa durfte Ronaldo oft im Rücken des gegnerischen Außenverteidigers pokern und erspielte sich dann bei einem Konter qualitativ deutlich bessere Abschlusssituationen. Unter Zidane zirkuliert Real aber deutlich öfter den Ball und lässt den Gegner somit in die Spielphase des geordneten Verteidigens übergehen.

Zum Anfang der Zidane-Zeit war diese Ballzirkulation noch vergleichsweise tief. Viele Spieler blieben hinter dem Ball und sorgten so für eine große Sicherheit und lockten den Gegner zugleich an. Wieder ergaben sich im Rücken der Verteidiger Räume für den spritzigen Ronaldo.

Real spielt ingesamt höher

Inzwischen schaffen es die Königlichen aber regelmäßig, ihre Ballzirkulation eine Achse weiter vorne einzusetzen. Der Ball läuft nicht mehr unbedingt zwischen den Innenverteidigern, stattdessen sind nun die beiden zentralen Mittelfeldspieler Luka Modric und Toni Kroos mehr und mehr Gegenstand des Ballbesitzspiels.

Das drängt den Gegner weiter zurück und sorgt somit für ein engeres Spiel. Das kommt Ronaldo nur bedingt entgegen, da er dadurch in deutlich engeren Räumen agieren muss und damit öfter am Ball gestört wird. Rein statistisch gesehen gewinnt Ronaldo weniger Zweikämpfe als in den Jahren davor. (3 zu 3,7 zu 4,3 pro Partie).

Das mag sicherlich auch daran liegen, dass der Portugiese durch seine Rolle weiter vorne weniger in die Situationen kommt, bei denen er mit dem Gesicht auf den Gegner zugeht. Vielmehr werden ihm Bälle zugespielt, die er mit Gegner im Rücken kontrollieren muss. Oder er kommt mehr aus der Tiefe, hat dann aber auch mehr Verteidiger vor sich.

Verwertung nicht entsprechend der Statistik

Letztlich kommen viele Faktoren zusammen, um einem so herausragenden Torjäger wie Ronaldo eine Krise zu attestieren. Nicht zu vernachlässigen ist sicherlich auch der mentale Faktor eines krummen Saisonstarts mit der Sperre durch das Sportgericht und die bislang bestehende Flaute.

Der 32-Jährige hängt im Formtief fest - und kann sich davon bisher nur in der Champions League lösen. Trösten dürfte ihn aber wieder die Statistik. Laut verschiedenen Expected-Goals-Modellen müsste er eigentlich in dieser Liga-Saison schon deutlich mehr Treffer erzielt haben - wenn auch weniger als in den Jahren zuvor.

Grund für Panik ist das sicherlich nicht, Grund für Ärger aber definitiv. Die aktuelle Form von Ronaldo zeigt sich mitverantwortlich für die schwache Positionierung Reals in der Liga. Auch ein mehrfacher Weltfußballer ist eben nicht vor allem gefeit. Und schließlich wissen wir alle: Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß.

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