Primera Division: Lionel Messi: Der König des Bernabeu

Der FC Barcelona hat mit dem 3:0-Auswärtssieg im Clasico gegen Real Madrid einen großen Schritt in Richtung spanische Meisterschaft gemacht. Die Partie hat gezeigt, wie sich die Katalanen unter Ernesto Valverde weiterentwickelt haben. Einer stellte jedoch auch einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis, dass er nach wie vor der X-Faktor im Spiel der Katalanen ist: Lionel Messi.

Der FC Barcelona hat mit dem 3:0-Auswärtssieg im Clasico gegen Real Madrid einen großen Schritt in Richtung spanische Meisterschaft gemacht. Die Partie hat gezeigt, wie sich die Katalanen unter Ernesto Valverde weiterentwickelt haben. Einer stellte jedoch auch einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis, dass er nach wie vor der X-Faktor im Spiel der Katalanen ist: Lionel Messi.

Eigentlich ist es in Spanien üblich, für einen Gegner Spalier zu stehen, wenn dieser kurz zuvor einen Titel gewonnen hat. Eigentlich. Der FC Barcelona kam dieser Gepflogenheit am Samstag im Clasico gegen Real Madrid nicht nach, obwohl die Königlichen in der Woche zuvor die Klub-WM gewonnen hatten.

Trainer Ernesto Valverde war im Vorfeld der Partie genervt von der medialen Diskussion um den Traditionsbruch: "Ich möchte weder jemandem Spalier stehen noch möchte ich, dass mir jemand Spalier steht."

Vor dem Spiel gab es also keinen Korridor, durch den die Spieler von Real Madrid schreiten durften. Nach dem Spiel gab es einen Korridor - und zwar den zwischen Barca und dem Rest der Liga.

Der Spitzenreiter setzte mit dem 3:0-Erfolg auswärts im Estadio Santiago Bernabeu bei Real Madrid ein dickes Ausrufezeichen hinter sein beeindruckendes Halbjahr. Weil die vier heißesten "Verfolger" (ein Begriff, der nach diesem Spieltag überdacht werden muss) allesamt verloren, beendet Barca das Jahr 2017 mit neun Punkten Vorsprung auf den Tabellenzweiten Atletico und kegelte Real mit einem nun auf 14 Punkte angewachsenen Polster wohl endgültig aus dem Titelrennen.

Barcelona war Real in der ersten Halbzeit unterlegen

Dabei sah es lange Zeit gar nicht danach aus, als würde Barca drei Punkte aus dem Bernabeu entführen. Weil es gar nicht danach aussah, als ob sie das überhaupt wollen.

"Es ist wahr, dass sie stark begonnen haben. Wir konnten ihnen zu Beginn nicht unser Spiel aufzwingen", analysierte Valverde. Eine wohlwollende Umschreibung.

Nicht nur schafften es die Katalanen nicht, ihr Spiel durchzudrücken. Sie wirkten in der ersten Halbzeit auch seltsam statisch, kamen gegen das aggressive Mittelfeldpressing der Königlichen überhaupt nicht zurecht. Etatmäßige Garanten für Ballsicherheit und Spielkontrolle wie Andres Iniesta oder Sergio Busquets fanden lange nicht ins Spiel und leisteten sich ungewöhnliche technische Fehler.

Vermaelen offenbart Schwächen

Darüber hinaus offenbarte Thomas Vermaelen sowohl beim Stellungsspiel (hob einmal das Abseits auf und ließ sich bei Karim Benzemas Chance übertölpeln) als auch beim Spielaufbau, dass er nicht allerhöchsten Ansprüchen genügt.

Ganz offenbar fehlte Barcelona die letzte Spannung, schließlich waren die Gäste nicht so sehr zum Siegen verdammt wie die Madrilenen. Auch ein Remis wäre einer Vorentscheidung im Titelrennen gleichgekommen.

Ter Stegen, Paulinho und Messi stechen heraus

Lediglich drei Akteure stachen im ersten Durchgang positiv heraus: Keeper Marc-Andre ter Stegen, der seine Topform bestätigte und mit einem überragenden Reflex gegen Cristiano Ronaldo seinen Kasten sauber hielt. Paulinho, der an jeder Offensivaktion beteiligt war und die beiden größten Torchancen hatte. Und Lionel Messi, der trotz der Manndeckung durch Kettenhund Mateo Kovacic mehrere Traumpässe spielte und unter anderem die Gelegenheiten von Paulinho auflegte.

Die Explosion hob sich La Pulga jedoch für die zweite Halbzeit auf. Genau wie sein Team.

Nach der Pause zeigte Barca ein anderes Gesicht und hatte von Beginn an mehr Kontrolle. Zunächst war diese jedoch gepaart mit einer noch stärkeren Tempoverschleppung. Wenn das ein Plan war, ging er voll auf, denn in den ersten Minuten nach dem Seitenwechsel schafften es die Katalanen, Real so sehr einzulullen, dass sie mit einem konsequent zu Ende gespielten Angriff in Führung gingen.

Im Anschluss an die Führung war Real gezwungen, noch weiter aufzumachen. Die Räume, die sich dadurch ergaben, nutzte Barca und kombinierte auf sehenswerte Weise. Mittendrin immer wieder Messi, der vor dem Handelfmeter zweimal mustergültig auf Luis Suarez ablegte, anschließend den Strafstoß souverän verwandelte und in der Nachspielzeit das 3:0 durch Aleix Vidal auflegte.

Messi lässt Cristiano Ronaldo alt aussehen

Auch sonst zeigte Messi wieder einmal, was für ein Ausnahmekönner er ist: Neun Torschüsse legte er insgesamt auf, dazu gab er vier selbst ab, spielte die meisten Pässe in der gegnerischen Hälfte (39), führte die meisten Zweikämpfe (17, davon 59 Prozent gewonnen) und war überall auf dem Feld zu finden.

Vor dem Duell hatte Messi gehofft, sich durch einen Sieg "Weihnachten zu versüßen". Dies gelang unter anderem deswegen, weil er sich selbst einmal mehr in Galaform präsentierte. Seinen ewigen Konkurrenten Cristiano Ronaldo ließ La Pulga in dieser Partie ganz schön alt aussehen - nicht nur, weil er ihn bei einem Freistoß unangenehm im Gesicht traf.

In 19 Spielen im Bernabeu erzielte der Argentinier nun 15 Tore und legte acht weitere auf. Zuletzt trug er maßgeblich dazu bei, dass Barca erstmals in der Clasico-Historie drei Auswärtssiege in Madrid nacheinander gelangen (4:0, 3:2, 3:0). Messi ist der König des Bernabeu.

Barcelonas Fortschritt unter Valverde

Der Sieg der Blaugrana zeigte, wie weit das Team unter Valverde gekommen ist. "Valverdes Ankunft hat uns sehr gut getan, vor allem defensiv sind wir jetzt viel stärker", schwärmte Linksverteidiger Jordi Alba.

Barca machte im letzten halben Jahr eine Entwicklung durch. Weg vom Schönspielen um jeden Preis, hin zu einem ergebnisorientierten Pragmatismus. Barca muss den Gegner nicht mehr bedingungslos beherrschen.

Der Trainer sprach hinterher von einem "Sieg der Geduld". Barca wusste in der ersten Halbzeit, dass es gar nicht nötig war, das Spiel unbedingt an sich reißen zu müssen. Stattdessen wählten sie die Taktik, das Tempo deutlich herauszunehmen und spielten sogar auf Konter, noch vor Jahren undenkbar. Doch das Resultat gab Valverde Recht.

Und die Tabelle sowieso. Nach 17 Spielen ist Barca noch ungeschlagen, hat die meisten geschossenen (45) und die wenigsten kassierten Tore (7) auf dem Konto.

Barcelona weigert sich, Entscheidung im Titelkampf zu sehen

Dem erdrückend hohen Vorsprung zum Trotz wollte bei den Katalanen noch niemand von einer Vorentscheidung im Titelkampf sprechen: "Natürlich sind wir noch nicht Meister und uns interessiert auch der Vorsprung im Moment nicht, wir schauen nur auf die nächsten Spiele, auf die nächsten Gegner. Es kostet viel, die nötigen Punkte noch zu holen, verlieren dagegen ist einfach und das wollen wir vermeiden", sagte Valverde und versprach, Real "niemals für tot" zu erklären.

Auch Iniesta übte sich im Tiefstapeln: "Das ist ein weiterer, wichtiger Schritt in der Liga, vor allem weil Atletico auch verloren hat, doch wir schreiben Real Madrid nicht ab. Es sind noch viele Punkte zu vergeben und im Sport sind schon viele unmögliche Sachen passiert. Das ist ein Langstreckenlauf. Diese beiden Mannschaften trennen keine 14 Punkte, was die Qualität angeht."

Eine Aussage, die den Clasico spiegelte. Barca war auch am Samstag nicht drei Tore besser. Doch es stand am Ende so an der Anzeigetafel. Genau wie die 14 Punkte mehr in der Tabelle stehen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Ende der Saison eine Mannschaft für den FC Barcelona Spalier stehen muss, ist am Wochenende gestiegen. Enorm gestiegen. Ob das dann auch passiert, steht auf einem anderen Blatt. Zumal Valverde das wohl auch gar nicht möchte...

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