Primera Division: Kaderanalyse Real: Die Fehler im Erfolg

Real Madrid spielt eine enttäuschende Saison. Die Königlichen, denen im Jahr 2017 mit der Titelverteidigung in der Champions League noch Historisches gelang, gehören aktuell nicht zu den besten drei Teams in der Primera Division. Schon jetzt deutet viel auf einen großen Umbruch im Sommer hin.

Real Madrid spielt eine enttäuschende Saison. Die Königlichen, denen im Jahr 2017 mit der Titelverteidigung in der Champions League noch Historisches gelang, gehören aktuell nicht zu den besten drei Teams in der Primera Division. Schon jetzt deutet viel auf einen großen Umbruch im Sommer hin.

Seite 1: Tor - Die Sache mit dem Glanz

Tor

Personal: Keylor Navas, Kiko Casilla

Kandidaten: Alisson, Andruy Lunin

Situation: Viel Lärm um nichts? Eigentlich sind die Rollen im Kasten von Real Madrid seit Jahren klar verteilt. Keylor Navas ist die Nummer eins, Kiko Casilla sein Stellvertreter. In dieser Konstellation verteidigte Madrid als erstes Team den Champions-League-Titel. Gäbe es nicht die ausdauernde Gerüchteküche. Die Verantwortlichen von Real machen seit langem keinen Hehl daraus, dass Navas zu wenig Glanz für die Königlichen ausstrahlt.

Seitdem Jose Mourinho die Legende Iker Casillas aus dem Tor beförderte, wünschen sich die Verantwortlichen um Präsident Florentino Perez einen Spanier im Tor. Der Transfer von David De Gea im Somme 2015 scheiterte jedoch spektakulär: Nach erzielter Einigung reichte Real die Unterlagen beim spanischen Verband zu spät ein.

Beim vielleicht hoffnungsvollsten spanischen Torwart-Talent Kepa Arrizabalaga hatte Madrid auch kein Glück. Klub und Spieler waren sich bereits einig, die Ausstiegsklausel war gezogen, doch im letzten Moment grätschte die medizinische Abteilung dazwischen.

Kepa schleppte eine Fußverletzung mit sich herum. Um seine WM-Chancen zu wahren, ließ er sich konservativ behandeln und verzichtete auf eine OP. Ein Wintertransfer war für Real vom Tisch, kurze Zeit später verlängerte Bilbao mit dem Eigengewächs bis 2025.

Bleibt eine Konstante: Navas. Der ließ sich von den Gerüchten nicht beirren und betonte aufrichtig, dass er sich auch über einen Konkurrenten freuen könne. Navas ist mehr als nur ein solider Keeper. Seine Statistiken gehören zu den besten der Liga, dazu ist er ein erfahrener, stets sicherer Rückhalt.

Dennoch werden im Sommer wieder die Gerüchte aufkommen. Laut Marca sind nun Alisson von AS Rom und das ukrainische Talent Andruy Lunin Kandidaten. Ob die beiden aber mehr Glanz ausstrahlen als Navas?

Seite 2: Abwehr - Das Zu-Null-Problem

Abwehr

Personal: Sergio Ramos, Raphael Varane, Nacho Fernandez, Jesus Vallejo, Marcelo, Theo Hernandez, Dani Carvajal, Achraf Hakimi

Kandidaten: Milan Skriniar, Alvaro Odriozola

Situation: Seit dem 13. Spieltag steht Real wie zementiert auf Platz vier. Nur nach dem ersten Spieltag war man besser als Rang drei. "Irgendwas machen wir falsch, dass wir so weit hinter Barcelona sind", sagte Kapitän Sergio Ramos nach dem Punktverlust gegen Levante. Ein Grund dafür ist seine Abwehr, der es nicht mehr gelingt, über 90 Minuten die Null zu halten. In den letzten sieben LaLiga-Spielen setzte es immer mindestens ein Gegentor.

Die Schlüsselspieler in der Defensive sind die gleichen wie im Vorjahr. Kapitän Ramos und Raphael Varane bilden das Duo in der Innenverteidigung, der erste Nachrücker ist Nacho Fernandez. Rückkehrer Jesus Vallejo machte seine Sache als Pepe-Ersatz zu Beginn gut, ist aber zu verletzungsanfällig. Wegen Muskelverletzungen verpasste er in dieser Spielzeit bereits 16 Spiele.

Auf der Außenverteidigerposition sind weiter Dani Carvajal und Marcelo die unangefochtenen Stammspieler. Theo Hernandez, der in der vergangenen Saison bei Deportivo Alaves groß aufspielte, enttäuschte bisher mit schwachen Leistungen. Dem Talent Achraf Hakimi wird noch nicht mehr als die Rolle des Ergänzungsspielers zugetraut. So haben Marcelo und Carvajal in den eigenen Reihen im Moment keine Herausforderer, obwohl beide selbst nicht in Top-Form sind.

Je länger die Saison dauert, desto mehr kristallisiert sich heraus: Madrid hat seit dem Sommer mit den Abgängen um Danilo, Pepe und Fabio Coentrao, ein Problem in der Breite des Kaders. Besonders schwer wog das im Januar, als neben Vallejo auch Ramos und Carvajal ausfielen. Die Defensive stellte sich von selbst auf und machte Fehler. Vor allem in der Schlussphase scheint Real die Luft auszugehen. Sechs Tore kassierte man in dieser Saison nach der 82. Minute.

Für die neue Saison ist eine Verpflichtung des Slowaken Milan Skriniar im Gespräch, der mit starken Leistungen bei Inter Mailand auf sich aufmerksam gemacht hat. Madrid habe ihn schon mehrfach beobachtet, aber auch der FC Barcelona soll interessiert sein.

Alvaro Odriozola lief bei der 2:5-Niederlage von Real Sociedad zum ersten Mal im Estadio Santiago Bernabeu auf. Die meisten Madridistas hätten ihn gerne dort behalten. Odriozolas Weg bei La Real beobachtet man in Madrid schon seit längerer Zeit mit großem Interesse. Der Baske ist einer der schnellsten Spieler der Liga und könnte ab Sommer Carvajal und Marcelo Dampf machen.

Seite 3: Mittelfeld - Baustelle Isco

Mittelfeld

Personal: Casemiro, Marcos Llorente, Toni Kroos, Luka Modric, Mateo Kovacic, Dani Ceballos, Isco

Kandidaten: James Rodriguez

Situation: Im Mittelfeld rotierte Real im Sommer durch. James Rodriguez kam nach einer guten Debütsaison unter Zinedine Zidane nie über die Rolle des Rotationsspielers hinaus und durfte per Leihgeschäft zum FC Bayern wechseln. Viel gewonnen hat Real durch die Leihe nicht. Statt James wurde das hoffnungsvolle Talent Dani Ceballos von Real Betis verpflichtet. Für die aktuelle Situation ist es bezeichnend, dass jetzt wieder Gerüchte um eine James-Rückkehr aufkommen, während Zidane kaum Vertrauen in Ceballos zeigt.

Daneben zeichnet sich die nächste Baustelle ab. Edeltechniker Isco ist mit seiner Reservistenrolle zunehmend unzufrieden. Die spanische Sendung El Chiringuito berichtete, dass Isco den Verein sobald wie möglich verlassen möchte. Sein Können wirkt derzeit wie verschenkt. Eine perfekte Balance im Team zu schaffen, wurde Zidane als größte Stärke attestiert - sie scheint ihm aktuell abhanden gekommen zu sein.

James verließ Real auch zu Gunsten von Iscos Einsatzzeiten, die trotzdem nicht reichlich ausfielen. Zidane ist es in dieser Saison noch nicht gelungen, neben den absoluten Stammkräften Luka Modric und Toni Kroos auch Isco in sein System zu integrieren. Wechselgerüchten schob Zidane allerdings mit deutlichen Worten einen Riegel vor. "Ich möchte ihn hierbehalten, am besten für immer", sagte der Franzose.

Die Scorerpunkte von James (im Schnitt gelang dem Kolumbianer im Trikot von Madrid ein Scorerpunkt pro Spiel) fehlen Real in dieser Saison, Eigengewächs Marcos Llorente ist noch nicht so weit, um diese liefern zu können.

Im defensiven Mittelfeld ist Casemiro gesetzt. Mateo Kovacic beging teils unerklärliche Fehler, die zu entscheidenden Gegentoren führten. Modric und Kroos sind die Motoren im Spiel. Läuft es bei diesem Duo, ist Madrid zu Glanzleistungen im Stande. Haben sie aber Probleme, ihr Spiel durchzudrücken, geht bei den Königlichen im Offensivspiel kaum noch etwas.

Seite 4: Angriff - Das Ende von BBC?

Angriff

Personal: Cristiano Ronaldo, Marco Asensio, Gareth Bale, Lucas Vazquez, Karim Benzema, Borja Mayoral

Kandidaten: Neymar, Eden Hazard, Robert Lewandowski, Mohamed Salah, Mauro Icardi, Harry Kane

Situation: Beim Stand von 2:1 wechselte Zidane gegen Levante Cristiano Ronaldo aus. Der rümpfte die Nase, verzog die Augenbrauen und zeigte dem Trainer seine ganze Enttäuschung. Zidane glaubte nicht mehr, dass der fünffache Weltfußballer dem Spiel noch seinen Stempel aufdrücken kann. Levante gelang der Ausgleich. Die Kritik der Fans wurde lauter.

Die Marca resümierte: "Aus der besten Mannschaft der Welt ist innerhalb von sechs Monaten die schlechteste der Vereinsgeschichte geworden." Das sitzt. Es hapert vor allem im Angriff. Im Vorjahr hatte Madrid zum selben Zeitpunkt elf Treffer mehr erzielt.

Allein Ronaldo hatte trotz verletzungsbedingen Ausfällen in der Vorsaison zu diesem Zeitpunkt bereits vier LaLiga-Tore mehr auf dem Konto. Perez, der bei Real neben der Rolle des Präsidenten auch das Amt des Sportdirektors zur Chefsache erklärt hat, schraubt angeblich schon an der Post-Ronaldo-Ära.

Perez ist nicht mehr zufrieden mit seinem BBC-Sturm, das Ablaufdatum von Karim Benzema, Gareth Bale und Cristiano Ronaldo naht. Das stärkste Offensivtrio in Europa spielt nicht mehr in Madrid, sondern ausgerechnet beim Champions-League-Gegner Paris.

Kylian Mbappe, Edinson Cavani und Neymar kommen in Liga und CL auf satte 64 Treffer und 34 Assists - 33 Treffer mehr als BBC. Aus Protest schreibt die AS nur noch "bbC", sprich von Ronaldo und seinen kleinen Begleitern.

Marco Asensio, der nach zwei Traumtoren gegen Barcelona im vergangenen Jahr schon mit Lionel Messi verglichen wurde, enttäuschte in der Rolle des Bale-Vertreters. Mit 22 Jahren steckt er aber auch noch im Entwicklungsprozess.

In eine besonders unangenehme Richtung entwickelt sich die Beziehung von Real zu Benzema. Erst zwei Tore hat der Franzose in LaLiga erzielt, die Fans nennen ihn spöttisch nur noch "Benzemalo". Für mehr Selbstvertrauen sorgt das nicht. Dabei ist Benzema seit dem Abgang von Alvaro Morata im Sturmzentrum quasi alternativlos.

Das Offensivgerüst wurde im Sommer eher geschwächt als gestärkt. Moratas Wechsel wiegt schwerer als angenommen. Der Spanier verließ den Klub, da er ihm nicht die Perspektive eines Stammplatzes bieten konnte. Der zuletzt an Wolfsburg verliehene Borja Mayoral spielt keine Rolle. Lucas Vazquez zeigte immer wieder vielversprechende Ansätze, bekam aber selten das Vertrauen über 90 Minuten.

"Real hat im Sommer mit Alvaro Morata, Pepe und James Rodriguez drei sehr gute Spieler abgegeben, um vielleicht auch Gehälter zu sparen. Sie haben nicht großartig eingekauft und gedacht: Mit den jungen Spielern kompensieren wir das. Nein, Sie brauchen eine richtig gute Mischung zwischen jungen und alten, zwischen erfahrenen und hungrigen Spielern. Da hat es ein bisschen gehakt", sagte Bayern-Trainer Jupp Heynckes unlängst im Interview mit Goal.

Perez will nur die besten Spieler Europas holen und gibt mit Aussagen in der Presse teils wilden Gerüchten freien Lauf. "NHL" soll der neue Sturm bestehend aus Neymar, Eden Hazard und Robert Lewandowski heißen. Dafür müsste Real aber erst einmal Platz schaffen. Auch Ronaldo ist in Madrid nicht mehr unantastbar.

Signale für Transfers dieser Spieler gibt es reichlich: Hazard betonte in Interviews immer wieder seinen Wunsch, irgendwann für Real zu spielen. Bei Neymar halten sich Gerüchte, dass er sich in Paris nicht wirklich wohlfühlen soll. Und bei Lewandowski kocht das Thema auch immer wieder hoch. Mit Mauro Icardi von Inter und Harry Kane von Tottenham hält sich Real geeinigte Kandidaten in der Hinterhand bereit.

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