Presse: US-Sonderermittler prüft Treffen von Trump-Berater mit Türkei-Vertretern

Ex-Berater Flynn

Der US-Sonderermittler Robert Mueller geht offenbar dem Verdacht korrupter Absprachen zwischen der Türkei und dem früheren Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn nach. Hochrangige türkische Regierungsvertreter sollen dem damaligen Mitarbeiter von Donald Trump bis zu 15 Millionen Dollar (12,9 Millionen Euro) zugesagt haben, wenn er die Auslieferung des von Ankara als Staatsfeind betrachteten Predigers Fethullah Gülen herbeiführe, berichteten das "Wall Street Journal" und der Sender NBC am Freitag.

Flynns Anwalt und die türkische Regierung reagierten mit Dementis auf die Berichte. Die türkische Botschaft in Washington stufte sie am Samstag als "falsch, lächerlich und unbegründet" ein. Flynns Anwalt Robert Kelner bezeichnete es als "empörend", dass gegen seinen Mandanten Vorwürfe "von Entführung bis Bestechung" erhoben würden. "Sie sind falsch", erklärte er.

Im Visier von Ermittler Mueller steht den Berichten zufolge ein Treffen Flynns mit Vertretern der Türkei im Dezember 2016 in New York. Dabei sei unter anderem die Frage zur Sprache gekommen, ob der regierungskritische türkische Prediger Gülen heimlich in einem Privatjet aus seinem Exil in den USA auf die türkische Gefängnisinsel Imrali ausgeflogen werden könnte, berichteten NBC und "Wall Street Journal". Die türkische Seite haben herausfinden wollen, ob Flynn nach seinem Amtsantritt im Weißen Haus dabei behilflich sein könnte.

Zum Zeitpunkt dieses Treffens hatte Trump bereits die Wahl gewonnen, das Präsidentenamt aber noch nicht angetreten. Flynn war designierter Nationaler Sicherheitsberater, das Amt trat er im Januar nach Trumps Vereidigung an. Wenige Wochen später musste Flynn zurücktreten, weil er über vertrauliche Kontakte zum russischen Botschafter gelogen hatte.

NBC und "Wall Street Journal" berufen sich in ihren Berichten auf mehrere Quellen mit Kenntnissen über den internen Stand von Muellers Ermittlungen. Sie betonen, dass es unklar sei, wie detailliert Flynns Beratungen mit den Türken waren und ob tatsächlich bereits Geld geflossen sei.

Sonderermittler Mueller soll schwerpunktmäßig russische Manipulationen im US-Wahlkampf untersuchen. Allerdings hat er seine Ermittlungen inzwischen auch auf andere Fälle möglichen Fehlverhaltens von früheren Trump-Mitarbeitern ausgedehnt.

Gülen verfügt in der Türkei über eine große Anhängerschaft. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hält ihn für einen der Drahtzieher des gescheiterten Putschversuchs gegen ihn. Seitdem gehen die türkischen Behörden mit großer Härte gegen vermeintliche Gülen-Anhänger vor. Gülen lebt im Exil im US-Bundesstaat Pennsylvania.