Türkei: Peter Steudtner in Haft: Ein Abendgeläut gegen das Vergessen

Protest an der Gethsemanekirche

Ihr Klang ist noch derselbe. Um 18 Uhr setzen die Glocken im Backsteinturm der Gethsemanekirche in Prenzlauer Berg zum Abendgeläut an. Erst zaghaft, dann immer lauter, durchdringender. Für einen Moment übertönen sie das Rattern der Hochbahn über der Schönhauser Allee, das Lachen der Kinder auf dem Spielplatz im Kiez.

Eigentlich lädt das Läuten die Christen im Viertel zum kurzen Innehalten im Alltag ein, zum stillen Gebet. Aber seit einer von ihnen 1750 Kilometer südöstlich von hier in einem Hochsicherheitsgefängnis eingesperrt ist, und keiner so recht weiß, warum und wie lange noch, seitdem ist noch nicht einmal das Abendgeläut, was es einmal war. Jetzt ist es ein Aufruf gegen das Vergessen.

Peter Steudtner: zweifacher Vater, Fotograf, Menschenrechtstrainer. Er war aktives Mitglied der evangelischen Kirchengemeinde, engagierte sich in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Er verließ sein Viertel immer wieder, um ehemaligen Kindersoldaten in Mosambik zu helfen, für Projekte in Israel und Kenia, Nepal. Er kam immer wieder zurück. Wohl keiner hier hatte sich ernsthafte Gedanken gemacht, als Steudtner Anfang Juli für ein Seminar nach Istanbul aufbrach.

Jetzt ist er einer von bis zu zehn Deutschen, die aus politischen Gründen in der Türkei inhaftiert sind. So wie dem "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel und der Journalistin Meşale Tolu wird Steudtner die Unterstützung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Ohne je ernsthafte Beweise vorgelegt zu haben, heißt es aus dem Ausw...

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