Premiere nach Sanierung: In der Staatsoper wird das Publikum künftig genau hinhören

Roman Trekel als Faust (r.) und René Pape als Mephisto. Das Bühnenbild stammt von Markus Lüppertz

Wer ist die ältere Dame mit dem charmanten slawischen Akzent, die da vor dem Eisernen Vorhang der neu eröffneten Staatsoper Unter den Linden Platz nimmt, um die Zueignung zu Johann Wolfgang von Goethes "Faust"-Tragödie – "Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten" – zu rezitieren? Es ist die bulgarische Sopranistin Anna Tomowa-Sintow, noch zu DDR-Zeiten eine der großen Primadonnen der Staatsoper. Draußen vor dem weiträumig abgeriegelten Opernhaus sieht man ihren Kollegen Peter Schreier, den einstigen großen lyrischen Tenor des Hauses, mit Gattin und Gehstock einen Weg durch die Absperrungen suchen.

Nein, es gibt sie nicht mehr, jene alte Staatsoper, die hier scheinbar wieder eröffnet wird. Gewiss, eine Sanierung ist eine Sanierung – danach sollte, gerade im Angesicht des heiß diskutierten Denkmalschutzes, alles so aussehen wie vorher. Das ist trotz der vielbesprochenen Unfertigkeiten im technischen Detail durchaus der Fall: Äußerlich ist die neue die alte Staatsoper. In ihrem Wesen ist sie es nicht.

Die neue Staatsoper ist ein Hybrid. Ihr eigentliches Herz, der Klang, hat mit alten Zeiten nichts zu tun. Nicht mit Knobelsdorff, nicht mit Langhans, nicht mit dem DDR-Architekten Richard Paulick. Der Klang ist ein Barenboim-Klang – so international, wie dieser Dirigent die alte DDR-Staatsoper mit künstlerischer Kompetenz, mit politischer Unterstützung und mit exorbitant viel Geld gemacht hat. Die Staatsoper ist nun vollends die Oper des Generalmusikdirektors Daniel Barenboim, das...

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