Premier League: Meyer: Verzockt, aber noch nicht verschwendet

Statt zu einem Topklub verließ Max Meyer den FC Schalke 04 im Sommer 2018 zu Crystal Palace. Doch selbst dort schafft er es aktuell nicht mal in den Kader.

Damals, bei der U17-EM im Sommer 2012, waren sie alle noch auf Augenhöhe. Mehr noch: Max Meyer ragte sogar heraus aus dem deutschen Team, dem unter anderem Leon Goretzka, Julian Brandt, Niklas Süle oder Timo Werner angehörten. Beim 3:0 im letzten Gruppenspiel gegen Frankreich etwa, als er Les Bleus um Anthony Martial, Thomas Lemar oder Clement Lenglet zwei Tore einschenkte und das dritte vorbereitete, sprachen hinterher alle nur von diesem kleinen Superdribbler.

Gut sieben Jahre später sind Brandt, Goretzka, Süle und Werner längst etablierte A-Nationalspieler, kämpfen mit Bayern, Dortmund oder Leipzig um die Deutsche Meisterschaft. Und Meyer? Der stand in zwei der letzten drei Spiele gar nicht erst im Kader von Crystal Palace, graues Tabellenmittelfeld in der Premier League. Und es scheint, als habe er sich vor anderthalb Jahren rund um seinen Abschied vom FC Schalke 04 tatsächlich verzockt.

S04 wollte seinerzeit unbedingt mit dem Eigengewächs verlängern, das mit 13 vom MSV Duisburg kam und als 17-Jähriger in der Bundesliga für Königsblau debütierte. Nach einer durchwachsenen Vorsaison war Meyer 2017/18 wieder Schlüsselspieler auf dem Weg zur späteren Vizemeisterschaft, profitierte davon, dass der damalige Trainer Domenico Tedesco ihn auf die Sechs versetzte und damit etwas weiter nach hinten zog.

Dort schien Meyer erwachsen zu werden. War er zuvor fast ausschließlich für seine filigrane Ballbehandlung und Offensivakzente bekannt, lernte er in der zurückgezogeneren Rolle das Kratzen und Beißen, das Lenken. An der Seite von Goretzka war Meyer einer der Fixpunkte im Schalker Spiel.

Max Meyer: Barca? Bayern? Crystal Palace!

Kein Wunder, dass S04 seinen auslaufenden Kontrakt ausweiten wollte. Doch Meyer pokerte, sträubte sich, zu unterschreiben. Weil er hoffte, bei einem der absoluten Topklubs Europas unterzukommen. Der FC Barcelona war im Gespräch, ebenso der FC Bayern. Und inmitten des Pokers um Meyers Zukunft tätigte dessen Berater Roger Wittmann eine Aussage, die seinem Schützling später wie ein Bumerang um die Ohren fliegen sollte.

Ein "Weltklasse-Spieler" sei Meyer, der "in jeder europäischen Spitzenmannschaft Stammspieler sein würde", tönte Wittmann, um seiner Unzufriedenheit über die Schalker Vorgehensweisen in den Verhandlungen Ausdruck zu verleihen. Noch heute zeigt Google als eines der möglichen nächsten Wörter "Weltklasse" an, wenn man Max Meyer in die Suchleiste eintippt.

Da Meyer, der Schalke im Sommer 2018 nach anhaltender Schlammschlacht zwischen seinem Umfeld und den Gelsenkirchener Verantwortlichen schließlich ablösefrei verließ, sich bei Crystal Palace bis dato nie so richtig durchsetzen konnte, zeugt diese Wortkombination längst vielmehr von Hohn als von Anerkennung.

In seinen bisher anderthalb Jahren bei Palace war er nur Ende 2018 mal über einen längeren Zeitraum Stammspieler. Zwar kam er in der ersten Saison immerhin auf 29 Premier-League-Einsätze, nachhaltig auffallen konnte er dabei aber nur selten.

Max Meyer im Steckbrief

geboren 18. September 1995 in Oberhausen
Größe 1,73 m
Gewicht 67 kg
Position Zentrales Mittelfeld
starker Fuß rechts
Stationen Sardegna Oberhausen Jugend, RW Oberhausen Jugend, MSV Duisburg Jugend, Schalke Jugend, FC Schalke 04, Crystal Palace
Spiele/Tore in der Premier League 33/1

Max Meyer bei Crystal Palace: Kein Platz im System

Meyers Pech: Vom 4-4-2, in dem Meyer entweder im linken Mittelfeld oder auf einer der beiden zentralen Positionen noch regelmäßig zum Einsatz kam, ist Trainer Roy Hodgson mittlerweile abgewichen. Stattdessen setzt er seit dem 3. Spieltag auf ein 4-3-3 ohne Zehner, in dem die Offensive vor allem auf Flügelspiel über die schnellen Außen angelegt ist und das Defensivspiel von einem kompakten Mittelfeldzentrum mit enormer körperlicher Präsenz lebt.

Für eine Position auf dem Flügel bringt Meyer nicht die nötige Explosivität und Geschwindigkeit mit. Und im Mittelfeldzentrum vertraut Hodgson auf solide Kämpfer wie James McArthur und Luka Milivojevic oder Box-to-Box-Spieler wie Cheikhou Kouyate statt auf feingeistige Techniker wie Meyer.

Stand der vierfache deutsche Nationalspieler an den ersten beiden Spieltagen dieser Saison noch in der Startelf, hat Meyer seither nur noch 17 Einsatzminuten bekommen, wurde zweimal eingewechselt. Beim 0:2 gegen Chelsea Anfang November schaffte er es ebenso wenig ins Aufgebot wie beim 2:0-Sieg gegen Burnley vergangenes Wochenende. Kehrt Hodgson nicht wieder zu seinem alten System zurück oder ein neuer Trainer kommt, sieht Meyers Perspektive bei Palace aktuell sehr düster aus.

Max Meyers Karriere am Scheideweg

Bei den Fans der Engländer sind die Lager gespalten. Einige fordern wieder mehr Spielzeit für Meyer, mögen dessen fußballerische Qualität. Andere hingegen sprechen ihm die Tauglichkeit für eine so robuste Liga wie die Premier League ob seiner schmächtigen Statur ab.

Meyer selbst schlägt derweil keine forschen Töne an, öffentliche Forderungen nach mehr Einsatzzeit gibt es nicht. Sein Vertrag bei Palace läuft noch bis 2021, ein Abschied schon im Januar scheint ob der aktuellen Situation aber nicht mehr ausgeschlossen. Zumal Hodgson nie wirklich ein Fan von Meyer war.

Dessen Karriere steht derzeit am Scheideweg. Allerdings hat er mit 24 Jahren noch genug Zeit, sie zu retten. Und bei Schalke ja bewiesen, dass er in einer guten Bundesliga-Mannschaft eine tragende Rolle spielen kann, vielleicht sogar noch mehr. Meyer hat sich zwar verzockt - verschwendet hat er aber noch nichts.

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