Der Preisverfall auf dem US-Generikamarkt treibt Teva immer tiefer in die Krise. Die Ratiopharm-Mutter warnt vor einem neuen Umsatzeinbruch.

Der Preisverfall auf dem US-Generikamarkt treibt Teva immer tiefer in die Krise. Die Ratiopharm-Mutter warnt vor einem neuen Umsatzeinbruch.

Rote Zahlen sind in der Pharmabranche eher eine Rarität. Die Branche zeichnet sich normalerweise durch ansehnliche Renditen aus, zum Teil von mehr als 20 Prozent nach Steuern. Umso bemerkenswerter ist der Verlust, mit dem jetzt der israelische Pharmariese Teva aufwartete: Das Jahr 2017 beendet die Nummer zehn der Branche mit einem Netto-Fehlbetrag von 16,4 Milliarden Dollar, bei einem Umsatz von 22,4 Milliarden Dollar. Das ist der mit Abstand höchste Verlust, der jemals in der Pharmaindustrie ausgewiesen wurde. Er zehrt bei Teva im Prinzip die Erträge der vorangegangenen zehn Jahre auf.

Auslöser für den hohen Fehlbetrag sind riesige Wertberichtungen und Goodwill-Abschreibungen von zusammen rund 21 Milliarden Dollar auf Generika-Aktivitäten in den USA. Dort hatte sich Teva vor zwei Jahren durch die rund 40 Milliarden Dollar teure Übernahme der Generikasparte von Actavis (heute Allergan) verstärkt. Just darauf setzte auf dem US-Markt ein massiver Preisdruck ein, der die Erlöse der gesamten Branche schrumpfen ließ. Die Großakquisition entpuppte sich damit als einer der wohl gravierendsten Fehleinkäufe in der Pharmabranche.

Mehr als sechs Milliarden Dollar hatte Teva bereits zur Jahresmitte verbucht. Im vierten Quartal folgten nun weitere elf Milliarden Dollar an Goodwill-Abschreibungen und 3,2 Milliarden Dollar an Impairments und Rückstellungen für den geplanten Abbau von rund 14000 Arbeitsplätzen.


Die Situation auf dem US-Markt, unter der auch die meisten anderen Generikahersteller leiden, hat sich im Schlussquartal offenbar nochmals verschärft. „Wir registrierten eine weitere Verschlechterung des US-Generikamarktes und des wirtschaftlichen Umfelds, was unsere Möglichkeiten, die Generikapreise zu beeinflussen, auf lange Sicht limitiert und den Wert von zukünftigen Produkteinführungen reduziert“, heißt es in einer Erklärung des Konzerns. Als Gründe führt das Teva-Management die Konsolidierung unter den großen Abnehmern in den USA, stärkeren staatlichen Einfluss auf die Preise sowie die erhöhten Zulassungszahlen für neue Nachahmer-Produkte an, durch die sich der Wettbewerb zusätzlich verschärft.

Klammert man die hohen Abschreibungen und andere Sonderlasten aus, errechnet sich laut Teva ein bereinigter Gewinn von rund vier Milliarden Dollar, gegenüber 4,9 Milliarden Dollar im Vorjahr. Der Umsatz von Teva fiel im vierten Quartal um 16 Prozent auf 5,4 Milliarden Dollar, lag im Gesamtjahr mit 22,4 Milliarden Dollar aber noch um zwei Prozent über dem Vorjahreswert. Das wiederum lag vor allem daran, dass man die ehemaligen Actavis-Aktivitäten erstmals ganzjährig konsolidiert hatte, während sie 2016 nur ab August einbezogen waren. Die Actavis-Sparte hatte 2015, vor der Übernahme durch Teva noch rund acht Milliarden Dollar Umsatz ausgewiesen.

Wie stark die Umsatzerosion bei Teva ist, zeigt sich daran, dass der Gesamtumsatz des Konzerns trotz der Akquisition seit 2015 nur um etwa 2,8 Milliarden Dollar gewachsen ist. Das heißt, auf vergleichbarer Basis ist er um fast ein Fünftel geschrumpft.

Neben der Krise im amerikanischen Generikageschäft trägt dazu inzwischen auch der Patentablauf beim Multiple-Sklerose-Mittel Copaxone bei, das bisher mit mehr als vier Milliarden Dollar das wichtigste Einzelprodukt von Teva und lange Zeit ein wertvoller Wachstumsträger für den Konzern. 2017 jedoch sank der Umsatz mit dem Produkt um zehn Prozent. Zudem verbuchten auch weitere Medikamente aus dem Spezialitätenprogramm von Teva deutliche Einbußen.


Und eine Trendwende ist für den israelischen Konzern vorerst nicht in Sicht. Für 2018 stellte der neue Firmenchef Kare Schultz, der im September die Führung bei Teva übernommen hat, einen Umsatz vonlediglich 18,3 bis 18,8 Milliarden Dollar in Aussicht. Das würde auf einen weitere Umsatzverlust von bis zu 18 Prozent hinauslaufen – eine Perspektive, die bei Investoren für zusätzliche Enttäuschung sorgte und am Nachmittag den Aktienkurs von Teva um mehr als zehn Prozent auf unter 19 Dollar drückte. Seit Juli 2015 hat die Aktie mehr als zwei Drittel an Wert verloren. Gegenüber ihrem Tief von knapp elf Dollar im Herbst 2017 hat sie sich aber wieder etwas erholt.

Das reflektiert auch die inzwischen wieder gewachsene Zuversicht, dass der neue Firmenchef Kåre Schultz mit seinem harten Sparprogramm vorankommt und mithilfe weiterer Desinvestitionen letztlich auch die bedrohliche Schuldenlast von rund 32 Milliarden Dollar bewältigen kann. Aus den operativen Cashflow dürften dazu nach Planung des Konzerns 2018 rund 2,6 bis 2,8 Milliarden Dollar zur Verfügung stehen.