Preiskampf mit Edeka: Diese Markenprodukte könnten bald in den Regalen knapp werden, weil Hersteller nicht mehr liefern wollen

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Der Herbst ist eine wichtige Jahreszeit für den Lebensmitteleinzelhandel. Denn in diesen Monaten führen die Händler wie Edeka und Co. die Jahresgespräche mit den Herstellern und Lieferanten. In diesen Runden werden auch die Lieferpreise zwischen beiden Parteien besprochen und festgelegt. Dabei hat natürlich jede Seite die eigenen Interessen im Sinn. Konflikte sind also vorprogrammiert.

Und so scheint es derzeit wieder zu eskalieren, zumindest zwischen Edeka, dem führenden Lebensmittelhändler in Deutschland und den Herstellern. So schreibt die "Lebensmittelzeitung", dass Edeka zuletzt auf der Handlungstagung MLF auf Konfrontationskurs gewesen sei. Die Branchenzeitung hat sogar ein Foto von einer Powerpoint-Präsentation des Lebensmittelhändlers veröffentlicht, auf der steht "Industrie verhängt unberechtigte Preiserhöhungen und verhängt Lieferstopps". Demnach weise der Edeka-Vorstand Markus Mosa die Forderungen aus der Industrie nach Preiserhöhungen hart zurück.

Deshalb sollen laut Mosa Vitakraft und Langnese-Honig Lieferstopps gegen Edeka verhängt haben, wie die "Lebensmittelzeitung" schreibt. Vitakraft hatte zuvor eine Preiserhöhung von 5,1 Prozent und Langnese-Honig von 8,2 Prozent gefordert. Über Monate zieht sich außerdem bereits der Konflikt mit Eckes-Granini. Der Safthersteller verlangt eine Preiserhöhung von sechs Prozent, die Edeka nicht zahlen will, weswegen Eckes-Granini nicht mehr liefert. Vereinzelt sind auch schon Lücken in den Regalen von Edeka-Märkten zu sehen. Und auch weitere Marken sind mit ihren Preisvorschlägen voran gesprescht: Dr. Oetker will einen Aufschlag von 8,9 Prozent, Henkel von 12,5 Prozent. Die Nestlé-Töchter Maggi, Wagner und Purina sollen Erhöhungen im zweistelligen Prozentbereich fordern, Buitoni verlangt sogar über 25 Prozent.

Edeka bestätigt Lieferstopps

Edeka ist dabei in einer guten Verhandlungsposition: Auch 2021 war der Lebensmittelhändler der größte und erfolgreichste der Branche hierzulande und verzeichnete in diesem Jahr ein Wachstum, das deutlich über dem Branchendurchschnitt liegt.

Generell äußern sich weder Händler noch Hersteller über genaue Verhandlungsdetails. Edeka bestätigt aber gegenüber Business Insider: "Die marktbeherrschenden Hersteller konfrontieren uns verstärkt mit Forderungen nach Preiserhöhungen, und als Druckmittel kommen teilweise auch Lieferstopps zum Einsatz." Viele dieser Forderungen ließen sich mit Blick auf die tatsächliche Entwicklung der Rohstoffpreise nicht nachvollziehen, so der Sprecher. Seit Monaten setzt nämlich die Rohstoff- und Container-Knappheit den weltweiten Handel unter Druck, weswegen es überall zu Lieferschwierigkeiten kommt. In diesem Zuge seien die Rohstoffpreise gestiegen, argumentieren die Hersteller. Edeka hatte laut der "LZ" angekündigt, die Forderungen der Hersteller Stück für Stück auseinanderzunehmen, mit Rohstoffindizes abzugleichen und jeden Fall "sehr genau" zu prüfen. "Im Sinne unserer Kundinnen und Kunden können wir solche unberechtigten Preisforderungen nicht akzeptieren. Es ist und bleibt die Verantwortung des Handels, als Mittler zwischen Verbraucher und Industrie die Verhältnismäßigkeit im Blick zu halten", heißt es von Edeka auf Anfrage Business Insider.

Immer häufiger kommt es zur Auslistung oder Lieferstopp

Immer wieder kommt es in Zuge von Preisverhandlungen der Hersteller mit den Lebensmitteleinzelhändlern zu Konflikten. Für die Verbraucher bedeutet dies im Ernstfall teurere Produkte oder leere Regale. Denn wenn Industrie und Handel sich nicht einigen können, greifen die Hersteller zur Not auch zum Lieferstopp – in der Hoffnung, die Supermärkte damit unter Druck zu setzen, wenn Kundinnen und Kunden die gewohnten Marken-Produkte vermissen. Andersherum drohen die Händler damit, die Produkte aus dem Sortiment zu nehmen – die sogenannte "Auslistung".

In den vergangenen Jahren spitzt sich die Situation im hart umkämpften Lebensmitteleinzelhandel immer mehr zu, Konflikte zwischen Industrie und Händlern dieser Art häufen sich zunehmend. Der US-Konzern Kraft Heinz etwa hatte 2019 die Belieferung des Handelsriesen mit seinen Produkten eingestellt, nachdem beide Seiten um die Preise gestritten haben. Kurzzeitig konnten Kundinnen und Kunden kein Ketchup und keine Grillsoßen der Marken Kraft und Heinz in Edekas Regalen finden. Kraft Heinz habe Preiserhöhungen durchsetzen wollen, Edeka dagegen auf Preissenkungen bestanden, sagte der damalige kaufmännische Direktor von Kraft Heinz, Michael Lessmann, der Deutschen Presse-Agentur damals. Zwischenzeitig waren alle Verständigungsversuche gescheitert, später kam es jedoch doch noch zu einer Einigung.

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