Am Pranger für Privatjet-Trips: Wie Nutzer in Social Media Stars zum Umdenken zwingen

Am Pranger für Privatjet-Trips: Wie Nutzer in Social Media Stars zum Umdenken zwingen

US-Medien sprechen von einem "Klima-Albtraum": Stars und Sternchen auf aller Welt reisen gerne mit ihren Privatjets von A nach B. Dass A und B teilweise sehr nah beieinander liegen und der Luxus wichtiger ist als der Klimaschutz, mach immer mehr Menschen wütend.

Die Analyse einer britischen Marketingfirma zur Nutzung von Privatjets hat in der vergangenen Woche viel Aufmerksamkeit erregt. Denn angeführt wird die erstellte Liste der Prominenten, die besonders häufig - auch für Kurzstrecken - ihre Privatjets nutzen, von keiner geringeren als Popstar Taylor Swift.

Für die Erhebung wurden Daten eines Twitter-Accounts genutzt, der die Privatjets der Stars verfolgt.

Die Sängerin wehrte sich und nannte die Angaben - die auf öffentlichen Flighttracker-Daten beruhen - "völlig falsch". Die Analyse war zu dem Ergebnis gekommen, dass Swift zwischen dem 1 Januar und 29 Juli 2022 170 Mal mit einem Privatjet unterwegs war, dabei seien mehr als 8 Tonnen Flug-Emissionen angefallen.

Wie ein Sprecher des Popstars sagte, werde der Jet "regelmäßig ausgeliehen", die 32-Jährige sei daher nicht die Verursacherin der zahlreichen CO2- Emissionen.

17 Minuten in der Luft

Der Twitter-Account Celebrity Jets verfolgt automatisch die Flugdaten von Privatjets prominenter Menschen, um "die schädlichen Auswirkungen der Nutzung von Privatjets" aufzuzeigen. Unter den nachverfolgten Reisenden sind Steven Spielberg, Jay-Z, Tom Cruise, Drake, Travis Scott und Kylie Jenner.

Scott und Jenner waren im Juli in die Kritik geraten, als bekannt wurde, dass ein gemeinsamer Flug nur 17 Minuten gedauert hatte. Das Päarchen befindet sich weit oben auf der Liste der Stars mit einer schlechten CO2-Bilanz der Agentur Yard, die auf Nachhaltigkeit spezialisiert ist.

Der Twitter-Account wird von dem 19 Jahre alten Studenten Jack Sweeney geführt, der berühmt wurde, nachdem Tesla-Chef und Milliardär Elon Musk ihm Geld angeboten hatte, um seine Tätigkeiten einzustellen - vergeblich. Auch russische Oligarchen-Jets ließ Sweeney von seinen Social Media-Account tracken.

Insgesamt hat Sweeney 30 Konten, auf denen automatisierte Informationen zu Privatjet-Flügen prominenter Personen öffentlich gemacht werden. In den Kommentarfeldern ärgern sich viele Nutzerinnen und Nutzer über das Reiseverhalten der öffentlichen Persönlichkeiten.

In Frankreich hat er einen 35 Jahre alten Luftfahrtingenieur Sébastien inspiriert, der im April das Konto "I Fly Bernard" über die Flugrouten französischer Milliardäre eingerichtet hat, um sie auf ihren CO2-Fußabdruck aufmerksam zu machen.

"Was ich versuche anzuprangern, ist die Nutzung von Privatjets als wären es Taxis", erklärt er gegenüber AFP und wies auf die zahlreichen innerstaatlichen oder europäischen Flüge hin, die mit den privaten Maschinen durchgeführt werden.

Sébastien nutzt für seine Analysen die Daten der Schweizer Organisation OpenSky Network, die Flugverfolgungs- und Flugkontrolldaten öffentlich macht, mit dem Ziel den Luftraum sicherer zu machen.

5 bis 14 Mal umweltschädlicher als ein herkömmlicher Flug

"In Europa könnten drei Viertel dieser Flüge mit dem Zug durchgeführt werden", kritisiert William Todts, Exekutivdirektor von Transport & Environment, einem Zusammenschluss von europäischen NGOs aus dem Sektor.

Die Luftfahrtindustrie ist für 2-3% der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich, aber laut einem im Mai veröffentlichten Bericht von Transport & Environment haben Privatflüge einen 5-14 Mal größeren CO2-Fußabdruck pro Passagier als kommerzielle Flüge und einen 50 Mal größeren als die Bahn.

Die Privatfliegerei boomt übrigens seit der Pandemie, da ihre Kunden angesichts des Virus die Streichung von Flügen und die Enge vermeiden wollen - viele zahlungskräftige Reisende sind auch in diesem Sommer wegen des Reisechaos auf Charterflüge umgestiegen - die Branche boomt.

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